Myanmar vermint Landesgrenzen, um Rückkehr der Rohingya zu verhindern

Myanmar vermint Landesgrenzen, um Rückkehr der Rohingya zu verhindern
Prothese eines Mannes in Yangon, Myanmar, 26. Mai 2016
Berichte zweier Regierungsquellen und von Augenzeugen legen nahe, dass Myanmar in den vergangenen drei Tagen Landminen an der Grenze zu Bangladesch postiert hat. Diese sollen die muslimische Minderheit der Rohingya von einer Rückkehr nach Myanmar abhalten.

Bangladesch will am heutigen Mittwoch gegen die Landminen an seiner Grenze protestieren. Die Maßnahme soll die zuvor ins Nachbarland geflüchteten Rohyinga an einer Rückkehr nach Myanmar hindern.

In der jüngsten Runde der Gewalt in Myanmar starben mindestens 400 Menschen. Fast 125.000 Rohingya flohen aus dem Land, welches sie als ihr angestammtes Siedlungsgebiet ansehen. Seit den 1970er Jahren sind bereits rund eine Million Angehörige der muslimischen Minderheit aus Myanmar geflohen. Mehr als die Hälfte von ihnen suchte Schutz in Bangladesch. 

Im ehemaligen Burma gelten die Rohingya als Staatenlose und genießen keine Bürgerrechte. Die letzte Gewaltwelle wurde durch Angriffe von militanten Islamisten auf Soldaten und Polizisten entfacht. Berichten zufolge kam es daraufhin zu Folterungen, Vergewaltigungen, Morden und der Vernichtung von Hab und Gut der Rohyinga. Milizen, die im Auftrag der Armee agieren, oder die Ordnungshüter selbst haben Berichten zufolge deren Hütten angezündet.  

Reuters beruft sich in seinem Bericht zu den Landminen auf eine anonyme Quelle: 

Sie platzieren die Landminen in ihrem Territorien entlang der Stacheldrahtzäune. 

Minister der Provinz streitet Behauptungen ab

Bangladesch erfuhr erst durch Augenzeugenberichte und Bilder von den Landminen an der Grenze. Der Minister für Grenzangelegenheiten im von den Rohingyas beanspruchten Gebiet Rakhine in Myanmar, Phone Tint, widerspricht der Aussage zu den Landminen:

 Wir haben so etwas nicht getan. 

Die Armee Myanmars äußerte sich bisher nicht zu dem Fall. Auf dem Territorium Myanmars soll es am Dienstag zu zwei Explosionen gekommen sein. Ein Junge verlor im Zuge der Detonation ein Bein, ein anderer zog sich Verletzungen zu. Myanmar hat den UN-Vertrag zum Verbot von Landminen von 1997 nicht unterschrieben. 

Besonders in Russland kam es zu Solidaritätsprotesten für die Volksgruppe der Rohingya, diesen schlossen sich auch Muslime in Malaysia, Indonesien und anderen Ländern an. In China tauchten hingegen in den sozialen Medien anti-islamische Hassbekundungen als Reaktion auf nicht verifizierte Videos angeblicher gewalttätiger Muslime aus Tangshang auf. Die Polizei wurde in den Videos als hilfloses Opfer dargestellt. Aus Sicht vieler Chinesen würden die Interessen von Muslimen jenen der Han-Chinesen vorgezogen. Die Behörden sperrten daraufhin die Internetsuche nach "Muslime Tangshang". 

Aung San Suu Kyi warnt vor Desinformation

Der UN-Generalsekretär Antonio Guterres rief die Regierung Myanmars dazu auf, die Gewalt im Land zu beenden und warnte vor einer regionalen Instabilität, sollte diese weiter voranschreiten. Myanmar hingegen beharrt darauf, dass die Gewalt ein Mittel zur Selbstverteidigung gegen den Terrorismus ist, welcher ihnen vonseiten islamistischer Rebellen begegne. Die Regierung aber hat wenig Kontrolle über Milizen und den Militärapparat. Die birmanische Regierungschefin Aung San Suu Kyi:

[Wir haben] bereits damit begonnen, die Menschen in Rakhine auf die beste Art zu verteidigen. 

Aung San Suu Kyi warnte gleichzeitig vor Desinformation in den Medien. Die Nobelpreisträgerin gilt neben Nelson Mandela als Freiheitskämpferin. Eine andere Nobelpreisträgerin, Malala aus Pakistan, hatte sie zuvor öffentlich kritisiert, da zunächst von ihr keine Äußerung hinsichtlich der Gewalt gegen die Rohingya zu vernehmen war.