Chinesische Wissenschaftler warnen vor nuklearer Katastrophe durch Nordkoreas Atomtests

Chinesische Wissenschaftler warnen vor  nuklearer Katastrophe durch Nordkoreas Atomtests
Anwohner proben die Evakuierung in Takikawa, Hokkaido, Japan, 1. September 2017.
Der koreanischen Halbinsel droht neben einem Krieg noch weitere Unbill: Chinesische Wissenschaftler warnen vor einer möglichen nuklearen Katastrophe durch einen Zusammenbruch des Atom-Testgebiets. Südkoreas Opposition will die Stationierung von US-Atomwaffen.

Das Testgebiet, in dem Nordkorea die letzten fünf Atombombentests durchgeführt hatte, so warnte ein chinesischer Wissenschaftler, droht dem Druck nicht mehr standzuhalten. Wissenschaftler der Universität für Wissenschaft und Technologie Chinas in Hefei, einer Stadt in der Provinz Anhui, gehen davon aus, dass Pjöngjang alle Tests atomarer Waffen im gleichen Testgebiet in Punggye-ri durchgeführt habe.

Der Geophysiker Wen Lianxing wertete in diesem Zusammenhang Daten zu den Atombombentests aus, dieaus mehr als 100 Überwachungszentren in China stammen. Diese hatten die Tests verfolgt. Die Abweichungen bezüglich des lokalisierten Ursprungs der Tests beliefen sich auf jeweils nur wenige hundert Meter.

Wang Naiyan, der als Wissenschaftler im Rahmen des chinesischen Nuklearwaffenprogramms tätig ist, ist sich sicher: Sollten die Ergebnisse Wens stimmen, werde es bald zu einer ökologischen Katastrophe kommen. Der Berg, der im Zentrum der Aktivitäten steht, könnte im Zuge weiterer Tests in sich zusammenfallen und Strahlung freisetzen, die die gesamte Region belasten wird.

Wen warnt:

Wir umschreiben dies als 'Abnehmen des Daches'. Wenn der Berg in sich zusammenfällt und ein Loch entsteht, wird dies viele schreckliche Dinge freisetzen. 

Der atomare Test am Sonntag hatte acht Minuten später zu einem Erdbeben geführt. Die Testgebiete seien begrenzt. In Nordkorea gäbe es nicht genügend Möglichkeiten für atomare Experimente:

Wenn die Bomben am Fuße der vertikalen Tunnel platziert werden, wird die Explosion wenig Schaden ausrichten. 

Aber die vertikalen Tunnel sind kostspielig und schwer zu bauen. Einfacher ist hingegen der Bau eines horizontalen Tunnels, aber dieser verstärkt das Risiko einer Implosion. 

Südkoreanische Opposition fordert Stationierung US-amerikanischer Atomwaffen in Südkorea

Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un trifft sich mit Wissenschaftlern und Ingenieuren, um über das Atomwaffenprogramm zu sprechen.

Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in hatte die Opposition aufgefordert, Einigkeit im Bezug auf Nordkorea zu zeigen, um gemeinsam eine friedliche Lösung zu finden. Am Montag verkündete das Verteidigungsministerium Südkoreas erstmalig, dass eine militärische Lösung im Konflikt gegen Nordkorea nun den Vorzug habe. Die größte Oppositionspartei, die Liberty Korea Party (LKP), fordert nun die Stationierung US-amerikanischer Atomwaffen zum Schutz gegen Nordkorea. Ihr Vorsitzender Hong Joon-pyo sagte während einer Generalversammlung seiner Partei:

Ob Washington bereit ist, Teile seines taktischen Nuklearwaffenarsenals in Korea zu stationieren, [...] hängt davon ab, ob die USA den Willen haben, die koreanische Republik mithilfe ihres Atomwaffenschirms zu beschützen. 

Hong verwies auch auf die US-amerikanischen Atomwaffen, die in Europa stationiert sind.  

Die Daten der Forschungsgruppe Wens ergaben unterdessen, dass der jüngste Test 108,3 Kilotonnen TNT oder anders ausgedrückt 7,8 Mal so viel Wucht wie die Bombe hatte, die die Amerikaner 1945 über der japanischen Stadt Hiroshima abwarfen. In einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats sagte die US-amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley, dass Kim Jong-un durch sein Verhalten förmlich um den Krieg bettele.