Rohingya-Vertreterin: Myanmars Militär tötet uns leise - Internationale Gemeinschaft tut nichts

Rohingya-Vertreterin: Myanmars Militär tötet uns leise - Internationale Gemeinschaft tut nichts
Rund 87.000 verfolgte Rohingya sind seit den jüngsten Gewaltausbrüchen aus Myanmar in das benachbarte Bangladesch geflüchtet. Das erklärten die Vereinten Nationen am Montag. RT Deutsch sprach mit der Pressesprecherin des Europäischen Rates der Rohingya.

Von Ali Özkök

Fast 90.000 Menschen der muslimischen Minderheit in Myanmar setzten aus Furcht vor Übergriffen der Armee nach Bangladesch über. Die Fluchtwelle begann im August. Hilfsorganisationen und lokale Gemeinden kommen mit den Neuankömmlingen nur bedingt zurecht, schreibt der Nachrichtensender France 24, hunderttausende Rohingya leben wegen früherer Gewaltausbrüche bereits in Bangladesch.

Das Militär nahm den Angriff auf Polizeistationen durch Aufständische zum Anlass, eine Offensive auf die Rohingya in der Rachine-Region zu starten. Die Armee tötete mindestens 400 Menschen.

Die Armee von Myanmar wirft den Rohingya vor, Häuser niederzubrennen und Zivilisten zu töten. Menschenrechtsorganisationen erklären hingegen, dass die Armee mit Brandstiftung und Massentötungen die Rohingya systematisch aus dem Land drängen wollen. Der Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker, Ulrich Delius, sagte in einem vorherigen Interview mit RT Deutsch:

Der Aufstand hat nichts primär mit Islamismus zu tun und diese Eskalation der Gewalt war auch schon länger voraussehbar. Dass Rohingya nun zu den Waffen greifen, ist nur eine Reaktion auf die massive Gewalt der Armee gegen die Zivilbevölkerung im Rachine Staat.“

Die Pressesprecherin des Europäischen Rates der Rohingya, Doktor Anita Schug, ist über die Entwicklungen in ihrer Heimat besorgt. Im Exklusiv-Gespräch mit RT Deutsch warnte sie vor einem schleichenden Genozid an der Rohingya-Minderheit, während die Weltgemeinschaft wegschaut. Sie sagte:

Die Rohingya werden seit vier Jahrzehnten unterdrückt. Myanmar teilt seit den 1980er Jahren keine Pässe mehr aus. Aber seit 2012 verschlimmert sich die Lage. Seit dem 25. August dieses Jahr erreichte die Gewalt ihren Höhepunkt. Die Armee brennt in Rathedaung, Buthedaung und Maungdaw unsere Dörfer nieder.“

Hinsichtlich der anhaltenden Übergriffe erzählte Schug:

Zivilisten werden hingerichtet. Es kommt zu Massendeportationen und weitere unvorstellbare Schrecken von Gräueltaten. Augenzeugen berichten uns, dass die Sicherheitskräfte mit Mörsern und Maschinengewehren auf die Menschen in den von mir genannten Städten schießen.“

„Die einflussreichen Regierungen im Westen sind stumm, wenn es zu unserer Krise kommt. Das hat mit geopolitischen Erwägungen und einem ökonomischen Interesse in Myanmar zu tun. Deswegen kann die Regierung und das Militär von Myanmar uns langsam und leise töten“, kritisierte Doktor Anita Schug das Verhalten der internationalen Gemeinschaft. „Die UN-Kommission von Kofi Annan wird als Schild und Schatten benutzt, hinter dem Myanmar agiert. Wenn die internationale Gemeinschaft nicht handelt, dann wird das Sterben in Myanmar weitergehen.“

In Myanmar leben insgesamt 1,1 Millionen Rohingya. Die Vereinten Nationen gehen unter Berufung auf Hilfskräfte an der bengalischen Grenze davon aus, dass seit Oktober vergangenes Jahre fast 150.000 Rohingya aus Myanmar vertrieben wurden.

Das Militär kam mit 200 Mann in unser Dorf und begann zu schießen. Alle Häuser in meinem Dorf wurden zerstört. Wenn wir zurückgehen und das Militär uns sieht, dann werden sie schießen“, sagte Jalal Ahmed gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, der zusammen mit einer Gruppe von 3.000 Menschen in Bangladesch strandete.

France 24 sprach in der Grenzregion mit einem Rohingya, der vor 4 Tagen aus Myanmar kam. Muhammed Hussein sagte:

Wir versuchen jetzt hier Häuser zu bauen, aber es gibt einfach nicht genug Platz. Es kommen keine Hilfsorganisationen. Wir haben keine Lebensmittel. Manche Frauen gebären ihre Kinder auf offener Straße. Kranke Kinder kriegen keine Verpflegung.“

Der indonesische Präsident Joko Widodo entsandte seinen Außenminister nach Myanmar. Dieser drängte die Regierung, die Gewalt gegen die Rohingya zu stoppen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nannte die Zusammenstöße in Myanmar einen Genozid an Muslimen. Am Montag fand in der südrussischen Stadt Grosny eine Großveranstaltung statt, bei der sich Zehntausende mit den Rohingya solidarisierten.