Indische Kung-Fu Nonnen schlagen zu gegen sexuelle Übergriffe

Indische Kung-Fu Nonnen schlagen zu gegen sexuelle Übergriffe
Indische Kung-Fu Nonnen trainieren in Ladakh, Indien, 17. August 2017.
Buddhistische Nonnen trainieren in der Himalaja-Region Mädchen in der Selbstverteidigung gegen sexuelle Übergriffe durch Kung-Fu. Jede Stunde finden in Indien mindestens vier Vergewaltigungen statt. Die Opfer, die sich trauen den Missbrauch anzuzeigen, müssen Rache und Stigmatisierung fürchten.

Vergewaltigung ist das viert häufigste Delikt gegen Frauen in Indien. Am schlimmsten gestaltet sich die Situation in Neu Delhi. Seit dem Jahr 2012 finden immer wieder Proteste der Bevölkerung gegen die sexuelle Gewalt gegen Frauen statt, angefacht von Medienberichten, in denen einzelne schwere Fälle publik werden. Im Jahr 2012 wurde der Fall einer Studentin öffentlich, die in einem Bus so schwehr missbraucht wurde, dass sie ihren Verletzungen 13 Tage später erlag. Massendemonstrationen folgten und sechs Männer wurden in dem Fall verhaftet. Der Fall führte zu einer öffentlichen Debatte. Die Medien tauften sie Nirbhaya, übersetzt: die Furchtlose. Nach ihr wurde ein Jahr später ein Programm der indischen Regierung benannt, welches die Sicherheit von Frauen im Land verbessern sollte.

In der Himalaya-Region Ladakh trainieren indische Drukpa-Nonnen nun Mädchen gegen sexuelle Übergriffe. Sie sollen Kung-Fu zur Eigenwehr erlernen. Die Nonnen legen auf ihrer Mission Tausende von Kilometern durch die Himalaya-Region zurück, um über Menschenhandel und sexuelle Gewalt aufzuklären. 

Erst vor kurzem vergewaltigten mehrere Personen in Indien eine junge Frau, die mit ihrem Baby zu ihren Eltern fahren wollte. Sie töteten auch ihre neun Monate alte Tochter.

Vergewaltigung in der Ehe gilt auch nach der Anpassung des Gesetzes im Jahr 2013 nicht als Straftat. Hier wurde das Gesetz dahingehend abgeändert, dass eine Person unter 18 Jahren als Minderjährig gilt. Die Zahl der angezeigten Vergewaltigungsfälle stiegen nach dem Fall Nirbhaya dramatisch an. In Neu Delhi tauchte ein Bericht auf auf, wonach mehr als die Hälfte der zwischen 2013 bis 2014 angezeigten Fälle falsch sein sollen. Männliche Aktivisten warfen Frauen vor, auf diese Weise Geld erpressen zu wollen. Aber die angeblichen falschen Anzeigen sind all jene Fälle, die vor einer Gerichtsverhandlung wieder fallengelassen wurden. Eine Unterscheidung zwischen Falschanzeigen und Fällen, bei denen die Frauen unter Druck gesetzt wurden, die Anzeige fallen zu lassen, wurde nicht gemacht. 

Der Anzeige einer Vergewaltigung und sexuellen Übergriffs in Indien steht das gesellschaftliche Stigma entgegen, welches schon Minderjährige betrifft. In der Statistik von Maplecroft zur Gewalt gegen Minderjährige und sexuellem Menschenhandel erreicht Indien den siebten Platz der am schlechtesten abschneidenden Länder. Die meisten Gewaltdelikte bleiben unerkannt, da die Opfer Rache und Erniedrigung fürchten. Im Jahr 2014 wurde geschätzt, dass nur 5-6 Prozent der Vergewaltigungsopfer ihre Peiniger anzeigten. 

Die Schuld der Gewalt liegt auch im noch immer vorherrschenden Kasten-System Indiens. Die unterste Kaste die "Unberührbaren" (Dalits) werden oft von Angehörigen der höheren Kaste sexuell ausgebeutet. Laut Berichten gibt es derzeit 100 Millionen Dalit-Frauen in Indien. Jeden Tag werden im Schnitt mindestens vier Dalit-Frauen vergewaltigt. Vergewaltigung einer Frau als Strafe gegenüber männlichen Angehörigen gehören zum Alltag in Indien. Bringt eine "Unberührbare" die Gewalt gegen sie zur Anzeige, wird dieser von den Polizisten oft nicht nachgegangen. Eine häufige Antwort eines Polizisten: 

Wie kannst Du vergewaltigt worden sein? Du bist eine Dalit - Dich zu berühren, würde jeden spirituell unrein machen.