Myanmar: Muslimische Aufständische stürmen 24 Polizeistationen - Mindestens 12 Tote

Myanmar: Muslimische Aufständische stürmen 24 Polizeistationen - Mindestens 12 Tote
Soldaten patrouillieren durch die Provinzhauptstadt Sittwe, Myanmar
Jetzt scheint eingetroffen zu sein, wovor die Vereinten Nationen gewarnt hatten: Der Status der Rohingya und die gegen sie gerichtete Brutalität treiben die muslimische Volksgruppe in den Extremismus. Flüchtende Rohingyas suchen zunehmend auch den Weg Richtung Europa.

Die Angriffe auf 24 Polizeistationen seien koordiniert gewesen. Der Versuch, in eine Armeebasis zu gelangen, scheiterte hingegen. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. 

Der jüngste Vorfall ist der vorerst letzte im Zuge einer Eskalation der Gewalt zwischen der Regierung Myanmars und der muslimischen Minderheit der Rohingya. Laut Angaben der Regierung in Naypyidaw sollen seit der jüngsten Eskalation mindestens 71 Personen nach Angriffen terroristischer Banden aus der Rohingya-Volksgruppe in der Unruheprovinz Rakhine ums Leben gekommen sein. Dies erklärt AP via Twitter.

Regierung bestreitet Authentizität von Gräuelberichten

Im Oktober hatten mutmaßlich islamistische Terroristen neun Polizeibeamte ermordet. Die darauffolgenden Rache-Reaktionen der Regierung alarmierten weltweit Menschenrechtsorganisationen. Diese brachten Berichte über Vergewaltigung, Mord und andere Gewalttaten An die Öffentlichkeit. Insgesamt 87.000 Angehörige des Bevölkerungsstammes, denen ein legaler Status im Land verweigert bleibt, flohen ins benachbarte Bangladesch. Die Dörfer der Rohingya wurden zerstört. Die Regierung Myanmars aber dementiert einen UN-Bericht, in welchem 200 Augenzeugen von Gräueltaten gegen die Minderheit erzählen. 

Menschen warten auf Hilfsmittellieferungen, Sylhet; Bangladesch, 30. Juni 2012.

Zu den jüngsten Vorfällen sagte die Regierung: 

Die anfängliche Information ist, dass mindestens fünf Polizisten getötet wurden, zwei Waffen wurden der Polizei entwendet und sieben tote Körper von extremistischen Bengali-Rebellen wurden sichergestellt. 

"Bengali" ist eine diskriminierende Bezeichnung für die in Myanmar als staatenlos geltenden Rohingya. Nun versuchten etwa 150 aus ihren Reihen, in einen Armeestützpunkt einzudringen. Auch eine selbst gebaute Bombe kam dabei zum Einsatz. Der Angriff ereignete sich einen Tag nach der Veröffentlichung eines Berichts der UN, der davor gewarnt hatte, die muslimischen Rohingya könnten in den Extremismus getrieben werden, falls sich die Situation für sie nicht verbessert. 

Bis zu 20 Millionen Flüchtlinge aus Bangladesch bald auf dem Weg nach Europa?

Das Staatsbürgerschaftsgesetz Myanmars legte 1983 fest, dass die Rohingya nicht zu den autochthonen Volksgruppen zählen. Folglich verloren sie auch ihre Bürgerrechte. Im Jahr 1947 versuchten Radikale aus ihren Reihen mithilfe Ost-Pakistans, das Gebiet Rakhine an der West-Küste Myanmars einzunehmen, welches die Rohingya für sich beanspruchen. Hiervon soll sich auch der Name der Minderheit ableiten.

Das weit entfernt scheinende Problem des Status der Rohingya in Myanmar könnte in den kommenden Jahren auch zu einem Problem Europas werden. Das nächstgelegene Zielland der Flüchtlinge aus Myanmar hieß bisher Bangladesch, hier lebt schätzungsweise eine Million Rohingya. Möglicherweise im Zuge des Klimawandels kommt es dort jedoch vermehrt zu Überschwemmungen und den Rohingya fehlt eine Lebensgrundlage. Im Jahr 2017, so berichtete die Zeitung "Die Welt", sollen bereits 14 Prozent der Flüchtlinge, die in Italien ankommen, aus Bangladesch stammen. In den kommenden Jahren könnten bis zu 20 Millionen die Flucht aus Bangladesch mit dem Wunschziel Europa antreten.