Philippinen: Proteste nach Tod eines 17-jährigen Studenten in Dutertes Drogenkrieg

Philippinen: Proteste nach Tod eines 17-jährigen Studenten in Dutertes Drogenkrieg
Bilder eines getöteten Jugendlichen, Caloocan, Philippinen, 30. Dezember 2016.
Duterte-Gegner sammeln sich unter dem Banner der letzten Worte des jungen Mannes vor seinem Tod. Vor 31 Jahren führten ähnliche Proteste zu einem Machtwechsel. Rund 5.500 Menschen sollen im Drogenkampf umgekommen sein. Das Volk stand bisher hinter Duterte.

Um das derzeitige Problem der Philippinen zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit Singapurs. Das kleine südostasiatische Land hat es geschafft, sich als Vorzeigestaat und finanzielles Zentrum in der Region zu etablieren. Ausländer assoziieren Singapur mit Kaugummiverboten, harten Haft- und der Todesstrafe für Drogendelikte. Aber ein Gespräch mit älteren Singapurianern bringt die Hintergründe für die harte Hand des Staates ans Licht.

Früher, so berichtet ein Taxifahrer bei einer Fahrt zwischen glitzernden Hochhäusern, sei Singapur ein Moloch aus Drogen und Kriminalität gewesen. Niemals konnte man seine Töchter allein in die Schule schicken, das Leben in der Öffentlichkeit war zu gefährlich. Der Staat habe durch seine harte Politik erreicht, Sicherheit zu schaffen. 

Philippinischer Präsident Duterte weigert sich die

Duterte will die Philippinen zu einem zweiten Singapur machen

Die Bevölkerung wählte Rodrigo Duterte im Juli 2016 zum Präsidenten der Philippinen. Er gilt in den Medien als umstrittener und rigoroser Politiker, der in seinem Kampf gegen die Drogen über Leichen geht. Nicht weniger als 3.500 Drogenkriminelle sollen unter seiner Hand bereits umgekommen sein, 2.000 im Zusammenhang mit Drogendelikten. Neben dem Kampf gegen die Drogen muss Duterte in Marawi gegen Islamisten vorgehen, die versuchen, die Region für sich einzunehmen. 

An die Europäer, die nach einem Bericht über die mutmaßliche Ermordung zahlreicher Drogenverdächtiger durch die Sicherheitskräfte seinen Kurs bemängelten, richtete Duterte eine Warnung, sich nicht einzumischen. Im Land selbst fand sein Anti-Drogen-Kampf laut Umfragen bis zuletzt Unterstützung. Nun aber wurde offenbar auch ein 17-jähriger unbeteiligter Student Opfer der Regierungspolitik. Die Justiz, der Senat und die Kommission für Menschenrechte wollen den Fall untersuchen.

Berichten zufolge haben Sicherheitskräfte Kian Delos Santos in Caloocan, außerhalb der Hauptstadt Manilas, von seinem Wohnhaus weggezerrt und im Zuge einer Säuberungsaktion gegen Drogenkonsumenten getötet. Die Autopsie ergab, dass die Täter ihm in den Kopf und in den Rücken geschossen hatten.

Behördenangaben zufolge hatte er eine Waffe gegen die Polizisten gezückt. Aber eine Überwachungskamera zeigt ein anderes Bild des Verhafteten in Polizeigewahrsam. Hieraus war nicht ersichtlich, dass der Student eine Waffe bei sich trug. Auch Duterte musste einräumen, dass es sich hier offenbar um ein falsches Vorgehen der Polizei gehandelt habe. 

Delos Santos' letzte Worte waren: 

Bitte hört auf. Hört auf. Ich habe morgen ein Examen. 

Aquino-Sohn unter den Demonstranten

Die letzten Worte des jungen Filipinos verbreiteten sich im Netz und zahlreiche Menschen gingen aus Wut über die offenbare Polizeigewalt gegen einen Unschuldigen auf die Straße. Als Ort des Protests wählten sie das so genannte People's Power Monument in Manila. Dieses ist der Revolution der Bürger vor 31 Jahren gewidmet.

Die damaligen Proteste hatten Ferdinand Marcos, der für seine Brutalität bekannt war, und dessen verschwenderische Ehefrau Imelda von der Macht verdrängt. Auslöser der Proteste war damals der Mord an dem ehemaligen Senator Benigno Aquino. Dessen Sohn zeigte sich nun unter den Demonstranten gegen Dutertes Anti-Drogen-Kampf und forderte Gerechtigkeit für alle unschuldigen Opfer des Vorgehens der Sicherheitskräfte.