"Dient nicht dem Frieden" - China wirft Indien Truppenkonzentration in umstrittener Grenzregion vor

"Dient nicht dem Frieden" - China wirft Indien Truppenkonzentration in umstrittener Grenzregion vor
Symbolbild - Indische Truppen bei Armeeparade in Neu-Delhi, Januar 2011
Der Grenzkonflikt zwischen Indien und China in der Himalaya-Region spitzt sich weiter zu. Peking verlangt den sofortigen Abzug indischer Truppen aus der Region. Chinas Verteidigungsministerium erklärte, man habe "ein hohes Maß an Zurückhaltung“ gezeigt, der gute Wille habe aber Grenzen.

Der seit Wochen schwelende Grenzkonflikt zwischen Indien und China um die Drei-Länder-Grenze zwischen den zwei Atommächten und Bhutan in der Himalaya-Region spitzt sich weiter zu.

Indische Soldaten in der Kaschmir-Region, 27. April 2017.

Am 18. Juni hatte Indien Truppen in das strategisch wichtige Doklam-Tal entsandt, das Indien von Bhutan trennt. Neu-Delhi rechtfertigt den Schritt mit dem Bau einer Straße durch die chinesische Volksarmee in einem von China und dem indischen Verbündeten Bhutan beanspruchten Gebiet, dem mit der Stationierung der indischen Truppen entgegengewirkt werden soll.

Der Bau der Straße verstoße gegen den Status quo, so die indische Regierung. Peking wirft dieser wiederum vor, Truppen auf chinesisches Territorium entsandt zu haben, um den Straßenbau zu verhindern und legte Fotos vor, auf denen indische Soldaten sowie zwei indische Bulldozer auf chinesischem Gebiet zu sehen sein sollen.

Darüber hinaus wirft das chinesische Außenministerium seinem Nachbarland vor, auf seiner Seite der Grenze des umstrittenen Territoriums massiv Truppen zu konzentrieren und eine militärische Infrastruktur zu errichten. Das zeige, dass Indien nicht an einer friedlichen Beilegung der verfahrenen Situation interessiert sei.

Peking betrachtet Doklam – von China als „Donglang“ bezeichnet – als Teil seines Territoriums und bezichtigt Indien des Übertretens einer international anerkannten Grenze. 

Das Doklam-Tal ist der Austragungsort des gegenwärtigen Konflikts zwischen Indien und China.

Vorwurf Pekings: Indien hat kein Interesse an friedlicher Lösung

Über einen Monat ist seit dem Ausbruch des Vorfalls vergangen. Die indischen Grenztruppen befinden sich immer noch illegal auf chinesischem Territorium. Zudem baut die indische Seite Straßen, hortet Vorräte und konzentriert eine große Anzahl von Streitkräften auf der indischen Seite der Grenze“, sagte Geng Shuang, Sprecher des chinesischen Außenministeriums.

„Das dient keineswegs dem Frieden“, betonte Geng laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua. Der Sprecher brachte einige andere Argumente in Spiel, die beweisen sollen, dass Indien die Situation in Doklam eskalieren lassen will. So habe Peking die indische Seite über den Bau der Straße im Rahmen der seit dem Jahr 2012 geführten Arbeitstreffen zu den chinesisch-indischen Grenzfragen am 18. Mai und am 8. Juni informiert, so Geng. „Die indische Seite hat darauf nicht reagiert.“

Ein Bild aus besseren Tagen: Indiens Premierminister Narendra Modi und Chinas Präsident Xi Jinping im Oktober 2016 nach einem Treffen der BRICS-Staaten.

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Statt seinen Fehler einzugestehen, komme Indien mit „erfundenen“ Ausreden daher, um die „illegale“ Präsenz seiner Truppen zu rechtfertigen, einschließlich „sogenannter Sicherheitsbedenken“, erklärte der Sprecher. Laut ihm zeigen die „unangemessenen Forderungen“ Indiens dessen „mangelnde Aufrichtigkeit bei der Lösung des Zwischenfalls“. 

Bildquelle: Russisches Verteidigungsministerium

Indiens Außenministerin Sushma Swaraj sprach zuvor von einer „direkten Herausforderung unserer Sicherheit“, wenn China einseitig den Status quo im Drei-Länder-Gebiet ändern sollte. Neu-Delhi fühle sich aber um eine Lösung der Krise auf dem Verhandlungsweg verpflichtet. Am Donnerstag erklärte Swaraj:

Krieg ist niemals die Lösung eines Streits. Die Weisheit verlangt, Konflikte diplomatisch beizulegen. Das ist der einzige Weg."

Geng erwiderte, Indien rede ständig von Frieden, aber „wir sollten nicht nur auf die Worte hören, sondern auch die Taten beachten“. Wenn die indische Seite Frieden wirklich wertschätze, „sollte sie unverzüglich die Truppen, die die Grenze überschritten haben, auf ihr Gebiet zurückziehen“.

Von den 270 Soldaten, die Doklam am 18. Juni betreten haben, sollen sich laut Peking noch 50 in dem Gebiet aufhalten – zusätzlich zu den auf indischer Seite stationierten Kräften. Laut der Times of India wurden allerdings 400 Soldaten in Doklam stationiert, die sich noch alle dort befinden sollen. Die Zeitung spricht zudem von 8.500 Soldaten, die auf indischer Seite der Konfliktregion zusammengezogen wurden.

Peking verschärft Tonlage

Peking am 1. Oktober 2016: Mit einer Parade feiert die Volksrepublik den 67. Jahrestag ihrer Gründung.

Peking verschärfte am Freitag seine Tonlage. Indien müsse seine Truppen „unverzüglich“ vom chinesischen Territorium abziehen, zitierte Xinhua am Freitag einen Sprecher des Pekinger Verteidigungsministeriums. Chinas Armee habe bisher „ein hohes Maß an Zurückhaltung“ gezeigt, ihr guter Wille habe aber Grenzen. „Die chinesischen Streitkräfte werden die territoriale Souveränität und die Sicherheitsinteressen des Landes entschlossen schützen“, sagte der Sprecher.

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Zuvor schon hatte ein Vertreter des chinesischen Verteidigungsministeriums in Richtung Indien gesagt:

Wenn Sie keinen Krieg wollen, müssen Sie das chinesische Gebiet verlassen."

Um Gebietsansprüche in der Himalaya-Region hatten die beiden BRICS-Staaten bereits 1962 einen Krieg geführt. Der Konflikt endete mit einem Sieg Chinas, jedoch ohne größere territoriale Veränderungen.

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