China rügt Trump nach Twitter-Wutausbruch gegen Pekings Regierung

China rügt Trump nach Twitter-Wutausbruch gegen Pekings Regierung
Donald Trump (Iowa, 28. September 2016) neben Xi Jinping (Shanghai, 21. Mai 2014)
China reagierte auf Trumps Wutausbruch bei Twitter verstimmt. Der US-Präsident sieht das Land in der Pflicht, Nordkorea wirtschaftlich zusammenbrechen zu lassen. China aber muss eigene Interessen wahren und ermahnte Trump, den Handel zwischen den USA und China nicht mit Nordkorea zu vermischen.

Auf den jüngsten Raketentest der Nordkoreaner folgten Spekulationen über die neue Reichweite der Rakete aus nordkoreanischer Hand und die Bedrohungslage für die Region und die Amerikaner. Die Hwasong-14 Rakete soll in der Lage sein, das amerikanische Festland zu erreichen. Bei dem Test landete die Rakete in japanischen Gewässern vor der nördlichen Insel Hokkaido. US- und südkoreanische Streitkräfte antworteten mit Raketentests, die ihre Stärke symbolisieren sollten. 

Donald Trump wetterte auf Twitter: 

Ich bin von China sehr enttäuscht. Unsere dummen, ehemaligen Regierungsführer haben ihnen erlaubt, hunderte von Milliarden Dollar durch Handel zu machen und trotzdem ...

... sie tun für uns nichts gegen Nordkorea, reden nur. Wir werden dies nicht weiter erlauben. China könnte dieses Problem einfach lösen." 

Aber die Regierung Chinas antwortete Trump an diesem Montag, dass der Handel zwischen den USA und China und das Problem Nordkoreas nicht ein- und dasselbe sind.

Nordkoreanische Soldaten hinter einem Grenzzaun der nordkoreanischen Stadt Sinuiju, 31. März 2017.

Der chinesische Vizehandelsminister, Qin Keming, während einer Pressekonferenz in Peking: 

Wir denken, dass die nordkoreanische Nuklearangelegenheit und der China-USA-Handel Angelegenheiten in zwei unterschiedlichen Kategorien sind. Sie sind nicht miteinander verbunden. Sie können nicht miteinander diskutiert werden."

China muss eigene Interessen wahren

Auch China hat ein ungebrochenes Interesse an einem denuklearisierten Nordkorea. Die wiederkehrenden Raketentests stellen für Peking immense Probleme dar, denn sie bedeuten, dass die Amerikaner mit ihren Verbündeten in der Region aufrüsten und ihre Präsenz in der Region festigen. Die Regierung Pekings trifft weitere Vorbereitungen für den Fall, dass Nordkorea von innen zusammenbricht oder durch die Amerikaner angegriffen wird. Nun soll eine neue Brigade zum Grenzschutz eine mögliche Massenflucht verhindern. Hinzu kommen 24-Stunden-Überwachung mit der Unterstützung durch Drohnen. Neue Bunker sollen die chinesische Bevölkerung vor einem Angriff mit Raketen und Chemiewaffen schützen. 

Ein Konsens zwischen Peking und Washington gegen Nordkorea ist in diesem Monat gescheitert. Ein Zusammenbruch Nordkoreas hätte für China fatale Folgen. Amerikaner stünden an der Haustür und eine Flüchtlingswelle aus Nordkorea würde sich nach China bewegen. Wirtschaftliche Sanktionen sind in China nur schwer durchsetzbar, denn Unternehmen und Regionen, die Geschäfte mit Nordkorea machen, würden Stimmung gegen Peking in ihren Wahlkreisen machen. 

Peking am 1. Oktober 2016: Mit einer Parade feiert die Volksrepublik den 67. Jahrestag ihrer Gründung.

Japan und die USA sind sich wegen Bedrohungslage durch Nordkorea einig

Kritiker der Regierung Shinzō Abes behaupten, dass die nordkoreanische Bedrohungslage für Abes geplante Verfassungsreform wie gerufen kommt. Abe will eine Abkehr von der pazifistischen Regierung und eine Anpassung des Artikel 9, der Japan die Aufrüstung, den Verkauf von Rüstungsgütern zum Kampfeinsatz und den Kriegseintritt verbietet. Nationalistische Wähler träumen von vergangenen Tagen, in denen Japan "das Land der aufgehenden Sonne" durch seine militärische Stärke glänzte. Shinzō Abe pflichtete Trump am frühen Montagmorgen in Tokio bei einem Telefongespräch bei, die USA in weiteren geplanten Sanktionen zu unterstützen. Die USA sicherten Japan im Gegenzug ihre Verteidigungsbereitschaft zu.

Am vergangenen Dienstag hatte der US-Senat für weitere Sanktionen gegen Nordkorea, den Iran und auch Russland gestimmt. Trump hatte angekündigt, die neuen Sanktionsvorhaben zu unterschreiben. 

Sichtung der nordkoreanischen Rakete von der japanischen Stadt Murao in Hokkaido aus:

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