Nordkorea: Wirtschaftswachstum trotz Sanktionen

Nordkorea: Wirtschaftswachstum trotz Sanktionen
Bank of Korea (BOK), Südkoreas Zentralbank, gab am Freitag Rekordwachstum für Nordkorea bekannt (Symbolbild)
Während westliche Entscheidungsträger härtere Sanktionen für angebracht halten, um die Politik Nordkoreas auf Kurs zu bringen und dessen Atomprogramm aufzuhalten, hieß es am Freitag, dass Nordkorea im Jahr 2016 trotz internationaler Sanktionen den Wachstumsrekord dieses Jahrhunderts verzeichnete.

Nordkoreas Wirtschaft wuchs in seinem schnellsten Tempo in 17 Jahren im Jahr 2016, sagte Südkoreas Zentralbank am Freitag, trotz der Isolierung des Landes mit internationalen Sanktionen, die darauf abzielen, seine trotzige Verfolgung von Atomwaffen einzudämmen.

Noch im April hieß es in der Welt:

Nordkorea ist … ökonomisch am Ende. Nordkorea kann es eigentlich gar nicht mehr geben. Ein Land, dass seit mehr als zehn Jahren von fast allen Ländern dieser Welt boykottiert wird."

Das Springer-Blatt verband dies mit der Frage, ob gar „Wandel durch Handel“ eine Option für den Umgang mit dem widerspenstigen Land sei oder aber "noch härtere und konsequentere Sanktionen". Weiterhin zitierte es eine Umfrage der Unternehmensberatung Roland Berger, der zufolge Manager, Entscheider und Führungskräfte in deutschen Unternehmen lediglich Sanktionen und Embargos für aussichtsreich halten. Auch Brüssel drohte kürzlich weitere Sanktionen an, und auch auf dem G20-Gipfel war dies ein Thema. 

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Wie der Nachrichtendienst Reuters mit Bezug auf eine Meldung der Zentralbank Südkoreas am Freitag mitteilte, verzeichnete das Land im Jahr 2016 trotz der Sanktionen das höchste Wachstum seit 1999. Demnach stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Nordkorea im vergangenen Jahr um 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Wachstum, vorrangig angetrieben durch Bergbau und Energie, markierte den stärksten Anstieg seit dem Jahr 1999.

Nordkorea, als dessen bedeutendster Handelspartner China gilt, konnte demnach auch seine Exporte um 4,6 Prozent steigern, am meisten seit dem Jahr 2013, als es einen Sprung von 11,8 Prozent verzeichnete. 

Das staatliche Pro-Kopf-Brutto-Einkommen im Jahr 2016 betrug jedoch nur 1,5 Millionen ($ 1.342), weniger als 5 Prozent des Wertes in Südkorea. Die Daten basieren auf Schätzungen der Zentralbank Südkoreas (BOK), die seit dem Jahr 1991 BIP-Daten über Nordkorea auf der Grundlage von Informationen von Regierungsbehörden wie dem Ministerium für Wiedervereinigung Südkoreas und dem staatlichen Geheimdienst veröffentlicht.

Gegen Nordkorea wurden im Jahr 2006 UNO-Sanktionen verhängt, welche der Sicherheitsrat im Nachhinein als Reaktion auf Waffentests weiter verschärfte.

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Der Wachstumsrekord wurde weitgehend darauf zurückgeführt, dass das Land sich von einer Dürre im Jahr 2015 erholt habe. Darüber hinaus brachte ein Mitarbeiter der BOK die Wirtschaftsdynamik zum Teil mit den Militärausgaben in Verbindung, da die Herstellung von Komponenten in die Berechnung des BIP einfließe. 

Anfang dieses Jahres beschränkte China den Handel jedoch und unterband den Import von Kohle aus Nordkorea sowie den Export von Öl. Die Vereinigten Staaten überdenken derweil neue Sanktionen für chinesische Firmen und Banken, die in Pjöngjang tätig sind, um China und Russland zur Zustimmung neuer UNO-Sicherheitsresolutionen zu bewegen.  

Nach Angaben der koreanischen Agentur für Export- und Investitionsförderung (KOTRA) waren 93 Prozent des nordkoreanischen Handels im Jahr 2016 auf China zurückzuführen. Wie Ramblers News Service mitteilte, stieg dieser um 4,7 Prozent auf 6,55 Milliarden Dollar.

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