Neuer Brandherd in Fernost? China verlangt Abzug indischer Truppen aus umstrittenem Gebiet

Neuer Brandherd in Fernost? China verlangt Abzug indischer Truppen aus umstrittenem Gebiet
Soldaten der indischen Armee
China hat Indien erneut dazu aufgefordert, seine Truppen aus einem umstrittenen Gebiet im Himalaya-Gebirge abzuziehen. Dies soll helfen, eine "Eskalation der Situation" vermeiden. Kurz zuvor hatte die chinesische Armee Übungen in der Region durchgeführt.

Lu Kang, der Pressesprecher des chinesischen Außenministeriums, forderte die indische Regierung dazu auf, ihre Kampfverbände aus dem Grenzgebiet zwischen China, Indien und dem Himalayastaat Bhutan abzuziehen.

Wir haben viele Male unsere Hoffnung ausgedrückt, dass die indische Seite ein klares Verständnis der Situation erreicht [und] sofort Maßnahmen ergreift, um die Truppen, die die Grenzen illegal überschritten haben, zur indischen Seite der Grenzen zurückzuziehen", erklärte Lu nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AP.

Weiter erklärte er, dass sich die indischen Soldaten zurückziehen müssen, ehe Gespräche über das umstrittene Gebiet beginnen können.

China und Bhutan, das mit Indien verbündet ist, streiten seit Jahrzehnten um einen Landstrich im Grenzgebiet der drei Staaten.

Indien entsendet Truppen in den Gebirgsstaat

Am 16. Juni dieses Jahres eskalierten die Spannungen zwischen China und Indien, das die Forderungen Bhutans unterstützt, nachdem chinesische Behörden den Bau einer Straße auf dem Doklam-Plateau genehmigt hatten. Indien und Bhutan betrachten die Hochebene als bhutanisches Territorium.

Als Reaktion ersuchte Bhutan um Unterstützung vonseiten der indischen Regierung, die daraufhin Truppen in den kleinen Gebirgsstaat entsandte.

Die indische Regierung warnte Peking, dass der Straßenbau "ernste Sicherheitsbedenken" schafft, da diese Form der Infrastruktur China Zugang zum so genannten Siliguri-Korridor verschaffen würde. Dieser enge Landstrich verbindet einige östliche Bundestaaten mit dem Rest des indischen Territoriums.

China reagierte empört auf die Entsendung der indischen Truppen. Als Gegenmaßnahme schloss Peking einen nahegelegenen Gebirgspass, den indische Pilger nutzen, um zum Kailash-Berg zu gelangen. Dieser ist der heiligste Berg für Buddhisten und Hindus.

Das zwischen Indien und Bhutan umstrittene Gebiet im Himalaya.

Nur elf Stunden vor der Erklärung des chinesischen Außenministeriums hatten chinesische Soldaten in Tibet Übungen mit scharfer Munition durchgeführt.

Der chinesische Sender CCTV berichtete, dass eine Brigade die Übungen durchgeführt hat, die mit Raketenwerfern, schweren Maschinengewehren und Mörsern ausgestattet ist. Zudem habe das Manöver auch beinhaltet, "feindliche Flugzeuge" zu erfassen und anzuvisieren.

Im Juni verstärkten beide Regierungen ihre Truppenpräsenz in der Region um jeweils etwa 3.000 Soldaten.

Die Soldaten direkt an der Grenze sind üblicherweise nicht bewaffnet, um Gefechte zu vermeiden. Berichten zufolge kommt es aber fallweise zu körperlichen Zusammenstößen zwischen ihnen, zum so genannten "Jostling" (Drängeln). Dabei stoßen die Soldaten ihre Brüste aneinander, um die jeweils andere Seite zurückzudrängen.

Doklam-Plateau war 1962 sogar Kriegsschauplatz

Chinesischen Berichten zufolge sind insgesamt 200.000 indische Soldaten in Gebieten stationiert, die zwischen Peking und Indien umstritten sind. Auf jeden chinesischen Soldaten würden dabei 15 bis 20 indische entfallen.

Der Gebietsstreit dreht sich um die Frage, wo genau die Grenzen zwischen den drei Staaten verlaufen. China beansprucht ein weiter südlich liegendes Gebiet, während Indien auf einer weiter nördlich verlaufenden Grenze besteht.   

Um seinen Anspruch zu untermauern, stellte Peking historische Dokumente zur Verfügung, die belegen würden, dass das Doklam-Plateau zu China gehört. Indien akzeptiert dies jedoch nicht.

Der Streit ist der heftigste seit dem kurzen Grenzkrieg zwischen beiden Staaten im Jahr 1962, den Peking gewann.

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