Erste Business-Delegation aus Japan besucht russische Kurilen-Inseln

Erste Business-Delegation aus Japan besucht russische Kurilen-Inseln
Die erste japanische Großdelegation überhaupt ist am Dienstag auf Kurilen-Inseln angetroffen. Ein politischer Vorstoß soll der Besuch jedoch nicht sein. Japan erhebt Gebietsansprüche auf Teile der Inselgruppe.
Erstmals in der Geschichte sind japanische Geschäftsleute auf den Kurilen-Inseln im fernen Osten der Russischen Föderation eingetroffen, teilt RIA Nowosti mit. Die Regierung in Sachalin sieht darin große Chance für die Entwicklung der Region.

Unter den Besuchern befinden sich Vertreter von 32 Privatunternehmen sowie japanische Amtsträger aus der Zentralregierung und den Regionen. Insgesamt 70 Personen nehmen an dem Besuchsprogramm teil. Die Gruppe wird von Eiiti Hasegawa angeführt, dem Sonderberater des japanischen Premierministers Shinzo Abe. Der fünftägige Aufenthalt sieht Stationen auf den Inseln Kunaschir, Iturup und Schikotan vor, meldet die Presse-Abteilung des Oblasts Sachalin, der für die Verwaltung der Inseln zuständig ist.

Mehr lesen: Russland und Japan verhandeln über gemeinsame Nutzung von Kurilen-Inseln

Die südkurilischen Inseln befanden sich seit Ende des Zweiten Weltkrieges unter sowjetischer Kontrolle, die Russische Föderation hat sie mit Erlangung ihrer Unabhängigkeit in ihren territorialen Bestand übernommen. Die Japaner bestreiten die Rechtmäßigkeit des Gebietstransfers, was einer der Gründe ist, warum zwischen den beiden Staaten nach Ende des Krieges bis heute noch kein Friedensvertrag zustande gekommen ist.

Die Insel-Frage ist in Japan sehr ideologisch geprägt - ähnlich wie dies vergleichsweise in Westdeutschland noch bis in die 1980er Jahre mit Blick auf die früheren Ostgebiete des Deutschen Reiches der Fall war. Für Japaner sind die Inseln "nördliche Territorien". Russland seinerseits betont, die Inseln seien nicht verhandelbar.

Beachtlicher Schritt in den bilateralen Beziehungen

Doch die Staatsführungen in Russland und Japan wünschen sich beiderseits gute nachbarschaftliche Beziehung ohne Gesichtsverlust. Eine gemeinsame ökonomische Tätigkeit auf den Inseln wäre ein Schritt in diese Richtung. Entsprechend haben der russische Präsident Wladimir Putin und der japanische Premier Shinzo Abe erste Eckpunkte eines entsprechenden Programms bereits während Putins Visite in Japan im Dezember 2016 vereinbart.

Zuvor hatte bereits eine Gruppe japanischer Experten die Inseln besucht. Sie hat mögliche gemeinsame Projekte in der Land- und Fischereiwirtschaft, Energiewirtschaft sowie in den Bereichen Tourismus, Medizin und Müllverarbeitung erörtert.

Der russische Präsident Wladimir Putin mit Japans Premier Shinzo Abe auf einem Judo-Wettkampf in der Kodokan Judo-Halle in Tokyo, 16. December 2016.

Gastgeber und Gäste schätzen diese Entwicklung als positiv ein und bewerten sie als dem russisch-japanischen Verhältnis sehr förderlich. Die Visite der Japaner sei ein großer Schritt in den bilateralen Beziehungen, sagte auch der Gouverneur von Sachalin, Oleg Koschemjako. Die Regierung sei bereit, die erforderlichen Bedingungen für das Business zu schaffen.

Die Tatsache, dass Japaner und Russen nun gemeinsam die Zukunft der vier nördlichen Inseln gestalten wollen, ist eng damit verknüpft, dass das Vertrauen und das Verständnis zwischen den beiden Ländern stärker werden, sagte Japans Kabinettschef Yoshihide Suga.  

Wir wollen so viele Anknüpfungspunkte mit der russischen Seite wie möglich finden", betonte der Leiter der japanischen Delegation, Eiiti Hasegawa.

Hasegawa will, dass die künftig auf den Inseln hergestellte Produktion ihren Weg auf die Märkte außerhalb der Region findet.

Mehr lesen: Japans Premier: "Wir beraten uns mit den USA nicht über jeden Punkt der Verhandlungen mit Russland"

Rückgabe der Inseln würde Amerikanern wichtige Durchfahrtsstraße eröffnen

Der russische Präsident sprach erst jüngst wieder während des "Direkten Drahts" am 15. Juni ausführlich die Kurilen-Frage an. In seiner Einschätzung blieb er sehr vorsichtig. Die gemeinsame Arbeit mit Japanern auf den Inseln sei möglich, aber dies könne nur in einer "Atmosphäre des Vertrauens" vonstattengehen, betonte er.

Bei diesem Problem gibt es belastende Fragen und das sind Fragen der Gewährleistung der Sicherheit sowie der Verpflichtungen Japans gegenüber seinen Verbündeten. Das sind sehr heikle Dinge, die eine sehr detaillierte Betrachtung erfordern", sagte er.

In seinen früheren Ausführungen brachte Putin die russische Besorgnis zum Ausdruck, dass im Falle einer Rückgabe der Inseln an Japan das russische Ochotische Meer zur Durchfahrtsstraße für US-amerikanische U-Boote werden könnte. Die Kurilen-Kette nördlich von Japan riegelt dieses hingegen über Hunderte von Kilometern ab.

Der noch aktive Vulkan Mendeleew auf der russischen Kurilen-Insel Junaschir.