Militärisches Taekwondo zwischen Nordkorea und den USA

Militärisches Taekwondo zwischen Nordkorea und den USA
Mitglieder der nordkoreanischen Armee jubeln nach dem erfolgreichen Test einer neuartigen Schiffsrakete; Nordkorea, 30. Mai 2017.
Die Nordkoreaner halten an ihren Tests fest und werden auch im Fall von Sanktionen ihr Atomprogramm fortführen. Ein Schutzmechanismus, um für Gespräche ein Druckmittel zu haben. Analysten vergleichen die Handlungen zwischen der DPRK und den USA mit Taekwondo.

Am Dienstag erreichte die USS Cheyenne, ein U-Boot der amerikanischen Marine, den Hafen von Busan in Südkorea.  Zwei Tage später, am Donnerstag, testeten die Nordkoreaner als Antwort hierauf eine Reihe von Schiffsraketen, die bereits während der Militärparade anlässlich des 105. Geburtstags des Gründers Kim Il-sung im April präsentiert worden waren. 

Peter Hayes, der leitende Direktor des Nautilus-Instituts für Sicherheit und Nachhaltigkeit, zog einen Vergleich zwischen den Raketentests der Nordkoreaner und dem koreanischen Sport Taekwondo:

Dies ist der Teil, wo Dein Gegner sich eines spiralenförmigen Fußtritts gegen den Kopf bedient, begleitet von einem grauenerregenden Schrei, um eine Ungleichheit [...] herbeizuführen.

Die drei Silben des "Taekwondos" stehen für Fußtechnik (tae), Handtechnik (kwon) und Weg (do). Bei diesem Kampfsport ist es besonders die Fußtechnik, die den Sieg über den Gegner durch schnelle und dynamische Bewegungen bringen soll. Es entstand nach der japanischen Herrschaft in Korea nach dem Vorbild des japanischen Karate. 

China verhält sich abwartender als es den USA lieb ist

Analysten sehen die wiederkehrenden Tests Pjöngjangs als einen Schutzmechanismus der Nordkoreaner, der ihnen mehr Macht bei möglichen Verhandlungen mit den Amerikanern verspricht.

THAAD-Raketenmodelle bei einer Ausstellung in Tokio, Japan; 12. Oktober 2016.

Diese wiederum verkünden öffentlich ihren Zusammenhalt mit China gegen Nordkorea, aber tatsächlich bleibt die Volksrepublik vorsichtig und will keine Stellung beziehen. Zwar verurteilt Peking immer wieder die militärischen Tests Nordkoreas, fürchtet sich aber davor, selbst ins Visier der Nordkoreaner zu geraten. Vertraglich ist China noch an die Verteidigung Nordkoreas gebunden. Es ließe sich aber argumentieren, dass Kim Jong-un mit seinen Raketentests den Vertrag, der eine friedliche Politik Nordkoreas vorsieht, bereits gebrochen habe. Diplomatisch hat Peking keinen Einfluss auf Nordkorea. Zwischen Xi Jinping und Kim Jong-un soll es noch nie zu einem Treffen gekommen sein.

Die jüngsten Sanktionen der Vereinten Nationen waren laut Nordkorea ein feindlicher Akt, der die Souveränität Nordkoreas angreift. Das Außenministerium gab bekannt, Pjöngjang werde ungeachtet dieser Maßnahmen an seinem Raketenprogramm festhalten. Den jüngsten Sanktionen hatte auch China zugestimmt.

Abe will Verfassungsänderung erzwingen

In Japan erprobt der Zivilschutz unterdessen immer wieder Evakuierungen angesichts der nordkoreanische Bedrohung im Kleinen. Shinzo Abe diskutiert die nordkoreanische Bedrohung in der Öffentlichkeit und will so die Zustimmung der Bürger zu einer Abkehr von der pazifistischen Verfassung erreichen. Der US-amerikanische Außenminister Rex Tillerson sieht jedes Land, dass auf irgendeine Weise in Verbindung mit Nordkorea steht, in der Pflicht, Druck im Sinne der USA auf Pjöngjang auszuüben. 

Japanischer Evakuierungsdrill gegen Nordkorea:

Der letzte Versuch, zwischen Pjöngjang und Washington ein Abkommen herbeizuführen, fand im Jahr 2012 an einem 29. Februar statt. Washington versprach humanitäre Hilfe und Nordkorea im Gegenzug die Abkehr von Atomtests und Langstreckenraketen. Das Abkommen scheiterte, als Nordkorea einen Satelliten in den Himmel beförderte.

Explosionen während einer Militärübung zwischen Amerikanern und Südkoreanern nahe der Demilitarisierten Zone (DMZ); Südkorea, 21. April 2017.

Sport und Diplomatie

Ende des Monats wird sich ein nordkoreanisches Taekwondo-Team 240 Kilometer südlich der südkoreanischen Hauptstadt Seoul anlässlich der Weltmeisterschaften dieses Kampfsports präsentieren. Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in sieht den Sport als eine Plattform, um abseits politischer Restriktionen Freiräume für Diplomatie zu schaffen. Moon Jae-in hatte nach seinem Amtsantritt angekündigt, die Olympischen Winterspiele hierfür nutzen zu wollen.

Es gibt fünf ethische Prinzipien, denen sich ein Taekwondo-Sportler verschreibt: Höflichkeit, Integrität, Geduld, Selbstdisziplin und Unbezwingbarkeit. In einem Eid muss jeder Schüler des Kampfsports schwören, diesen nicht zu missbrauchen und für sich für eine friedliche Welt einzusetzen.

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