Assimilationsversuch: China fordert von Uiguren Abänderung "islamischer" Namen

Ein Uigure , bewaffnete Polizisten in Xinjing, China
Ein uigurischer Mann beobachtet die Verlegung bewaffneter Polizeieinheiten in Urumchi, der Provinzhauptstadt in Xinjiang, am 23. Mai 2014. Diese fand im Zuge einer zwölfmonatigen Militäraktion in der Region statt. Die Auseinandersetzungen forderten in den Jahren 2013 und 2014 bis zu 39 Todesopfer.
Im uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang in China hat die Regierung eine Namensänderungsinitiative auf den Weg gebracht. Betroffen sind junge Muslime im Alter bis 16 Jahre. Sie sollen künftig keine religiös klingende Namen mehr tragen dürfen.

Die britische Zeitung The Guardian schreibt über einen staatlich angeordneten, massenhaften Namenswechsel bei Uiguren in der Provinz Xinjiang. Bereits seit April dürfen Neugeborene keine Namen wie Islam, Koran, Mekka, Dschihad, Imam, Saddam, Hadsch, Medina, Arafat usw. bekommen. Insgesamt sind 15 Vornamen von dem Verbot betroffen.

Nun wird das Verbot auch auf diejenigen Kinder erweitert, die solche Namen bereits tragen. Mit der Durchführung der Namensänderung sind die Meldeämter betraut. Betroffen sind junge Chinesen unter 16 Jahren – das ist das Alter, ab dem man in China Pässe bekommt.

Ein Uigure in Kashgar; China, 20. März 2017.

Die Initiative fällt in die Zeit des islamischen Fastenmonats Ramadan und wird von Massenkundgebungen begleitet. Am 29. Mai fanden in der ganzen Region Demonstrationen statt, an denen bis zu einem Viertel der Bevölkerung teilnahm. Die Kommunistischen Partei hatte die Kundgebungen organisiert.

Peking förderte Binnenmigration von Han-Chinesen

Im Rahmen der Versammlungen sangen die Teilnehmer gemeinsam die chinesische Staatshymne, schreibt The Guardian. Redner, die auf den Kundgebungen aufgetreten sind, verurteilten Extremismus und Terrorismus.

So erklärte ein Parteisekretär, der die Proteste angeführt hat:

Terroristen sind der Abschaum des uigurischen Volkes, sie sind die Feinde aller ethnischen Gruppen. [...] Wir werden keine Gnade gegenüber diesem Feind haben, heben wir doch unsere Bajonette hoch.

Die Art und Weise, wie die Behörden die angeordneten Maßnahmen nun umsetzen, zeigt, dass sie einerseits auf eine Verstärkung des Einflusses der chinesischen Han-Kultur unter den Uiguren abzielen. Andererseits sollen die Uiguren nach Möglichkeit vom Islam Abstand nehmen.

In den letzten Jahrzehnten förderte die Regierung in Peking die Binnenmigration von Han-Chinesen nach Xinjiang. Mittlerweile machen diese im autonomen Gebiet bis zu 45 Prozent der Bevölkerung aus. Insgesamt wohnen 23 Millionen Menschen in der entlegenen Region, die im Süden an die Wüste Taklamakan grenzt, im Norden an die russischen Regionen Altai und Hakassien sowie an die Mongolei, Kasachstan und Kirgisistan.

Der chinesische Präsident Xi Jinping (3. von rechts) und afghanische Delegierte bei einem Treffen in Peking, China, 17. Mai 2016.

Mit dieser Lage gewinnt die Region auch für Projekte wie One Belt, One Road an strategischer Bedeutung. In den letzten Monaten nahm auch die Militärpräsenz in Xinjang zu, die bewaffneten Polizisten dominieren immer mehr das Straßenbild. Im Jahr 2013 gab es hier militärische Auseinandersetzungen, die Dutzende Menschen das Leben kosteten.

Separatistische Tendenzen seit dem 18. Jahrhundert

Doch es gibt sehr unterschiedliche Meinungen darüber, inwieweit die Verwicklung der radikal-islamistischen Elemente unter den Uiguren in die Auseinandersetzungen dafür verantwortlich ist. Die britische Zeitung weist auf den möglichen lokalen Charakter der Spannungen hin. Sie zitiert auch Michael Clark, einen australischen Spezialisten für diese Region, der sehr daran zweifelt, dass mit solchen harten Maßnahmen die Herzen der uigurischen Bevökerung für die chinesische Staatlichkeit zu gewinnen ist.

Politische Karte der Volksrepublik China.

Ethnisch gesehen sind die Uiguren ein Stammeszusammenschluss verschiedener Steppenvölker, der sowohl Angehörige mongolischer als auch solche türkischer Herkunft in sich vereinte. Dabei setzte sich innerhalb dieser Stammesverbindung schließlich eine Turksprache durch. Die Uiguren hatten bereits im Mittelalter ihre eigene Staatlichkeit und wurden erst im 18. Jahrhundert in das Chinesische Reich eingegliedert.

Seit dieser Zeit machen sich separatistische Tendenzen in dem Gebiet bemerkbar, immer wieder gab es blutige Aufstände. Weltweit gibt es auch eine uigurische Diaspora. Das Streben der Uiguren nach Unabhängigkeit wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts auch zum Politikum im Rahmen der westlichen Politik gegenüber der Volksrepublik China.