50.000 Truppen nach Afghanistan? Präsident Trump vor neuer Afghanistan-Strategie

50.000 Truppen nach Afghanistan? Präsident Trump vor neuer Afghanistan-Strategie
Der amerikanische Verteidungsminister James Mattis bei seinem Besuch in Afghanistan, Kabul 24. April 2017.
Amerikanische Geheimdienste empfehlen dem US-Präsidenten, in Afghanistan massiv aufzurüsten. Angeblich ist die neue Strategie bereits beschlossen. Der Anschlag von Mittwoch stärkt diejenigen, welche die bisherige Strategie als gescheitert ansehen.

Bei dem Selbstmord-Attentat mit einer Lkw-Bombe starben am Mittwoch mehr als 90 Menschen in Kabuls Diplomatenviertel, weitere 450 wurden verwundet. Angeblich handelt es sich um den schwersten Anschlag seit der US-Invasion im Jahr 2001. Afghanische Behörden machen das sogenannte Haqqani-Netzwerk für den Anschlag verantwortlich, dem sie vorwerfen, vom pakistanischen Geheimdienst ISI gesteuert zu werden.

Auf dem Nationalfriedhof in Arlington wird ein US-Soldat zu Grabe getragen. Im Krieg  in Afghanistan wurden bereits über 2.000 US-Soldaten getötet. Nicht nur deshalb drängt sich die Frage auf, was der Einsatz gebracht hat.

In den USA erhalten mit dem Anschlag diejenigen politischen Kräfte Auftrieb, die einen erneuten massiven militärischen Einsatz befürworten. Die afghanische Regierung unter Aschraf Ghani könne nur überleben, wenn die USA sie massiver als bisher militärisch unterstützen, heißt es heute aus dem Pentagon. Mehr als 15 Jahre, nachdem eine internationale Koalition das Land angegriffen hat, scheinen die Taliban stärker als jemals zuvor.

Im Wahlkampf hatte Donald Trump behauptet, er werde die Konflikte in Afghanistan und Irak schnellstens beenden. Wie amerikanische Medien nun berichten, drängt das Militär erneut zu einem massiven Einsatz von Truppen in dem nordostasiatischen Land. In den vergangenen Wochen legten die Spitzen aus Militär und Geheimdiensten demnach Berichte vor, dass angeblich 50.000 US-Streitkräfte nötig seien, um den Fortschritt der Taliban zu stoppen und die Regierung in Kabul zu retten.

Laut Bloomberg habe der Hauptausschuss des mächtigen Nationalen Sicherheitsrates bereits einen entsprechenden Plan genehmigt. Auch vom Präsidenten liege bereits „grünes Licht“ vor. Die neue Einschätzung der Geheimdienste sieht für Afghanistan deutlich mehr Soldaten als die bisher stationierten 8.400 US-Truppen vor. Bereits Mitte Mai gab das Pentagon bekannt, dass zusätzliche 5.000 Soldaten nach Afghanistan verlegt werden.

Nach Ansicht des Nationalen Sicherheitsrates sollten die US-Streitkräfte wieder direkt die Funktionen übernehmen, die bisher an „externe Auftragnehmer“ abgegeben wurden. Unter Barack Obama verfolgten die US-Militärs die Strategie eines „schmalen Fußabdrucks“. Die amerikanischen Soldaten konzentrierten sich auf Spezialoperationen, einige Stationierungsorte und Ausbildungsstätten für die afghanische Armee. Damit hielt Obama die Anzahl der Truppen niedrig.

Statt Stabilität und Sicherheit herrschen in Afghanistan weiter Krieg und Terror. Der NATO ist es nicht gelungen, die Taliban zu besiegen. Im Gegenteil sind die Islamisten auf dem Vormarsch.

Der neu eingesetzte Nationale Sicherheitsberater McMaster verfolgt hingegen die Argumentation, dass Afghanistan den Taliban entrissen werden könne, wenn man den Einsatz massiv verstärke. Ende Mai erklärte auch Generalleutnant Vincent Stewart, aktuell Chef des Militärgeheimdienstes Defense Intelligence Agency, zwischen der Ghani-Regierung und den Taliban würde eine „Patt" bestehen. Seiner Ansicht nach könne sich die Situation schnell verschlechtern. Also müssen die USA „etwas ganz anderes tun als das, was wir in der Vergangenheit gemacht haben“.

Auch Jack Keane, ein pensionierter Vier-Sterne-Armee-General und Vertrauter von McMaster, erklärte gegenüber Bloomberg, dass eine massive Aufstockung „der beste Plan“ sei und „eine gute Chance auf Erfolg“ habe. Dabei verwies er auf angebliche Meinungsumfragen unter der afghanischen Bevölkerung, die zeigen würden, dass 70 bis 80 Prozent der Afghanen die Taliban ablehnen.

Erst vor wenigen Wochen hatte Donald Trump die größte verfügbare konventionelle Bombe über dem Süden des Landes abwerfen lassen. Seine Regierung will die Rüstungsausgaben massiv erhöhen und alle Streitkräftegattungen aufrüsten. Der gestrige Autobombenanschlag in Afghanistans Hauptstadt hat die Diskussion um eine grundsätzliche Wende in der Afghanistan-Politik der USA offensichtlich beschleunigt.

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