Anschlag in Kabul: Afghanistans Regierung macht Pakistan verantwortlich

Anschlag in Kabul: Afghanistans Regierung macht Pakistan verantwortlich
Bei dem Terroranschlag am Mittwoch in Kabul wurde auch die Deutsche Botschaft schwer beschädigt. Bislang ist unklar, wer für die tödliche Attacke verantwortlich ist.
Die afghanische Regierung bezichtigt Islamabad, hinter dem Terroranschlag vom Mittwoch zu stecken. Pakistan weist die Vorwürfe zurück. Der afghanische Geheimdienst soll von den Anschlagsplänen gewusst haben. Dennoch wurde die Terrorattacke nicht verhindert.

Pakistan hat die Vorwürfe der afghanischen Regierung als "haltlos" zurückgewiesen, in den Terroranschlag vom Mittwoch verwickelt zu sein. Derlei Anschuldigungen stünden den Friedensbemühungen entgegen, erklärte der Sprecher des pakistanischen Außenministeriums, Nafees Zakria.

Wir haben mehr als jede andere Nation im Kampf gegen den Terror unternommen", so Zakria. Pakistan habe ein großes Interesse an einem stabilen Afghanistan. "Kein Land leidet mehr unter einem instabilen Afghanistan als Pakistan."

Es sei enttäuschend, dass "Elemente, die ihre eigene Agenda verfolgen", sein Land verleumden, um die afghanisch-pakistanischen Beziehungen zu untergraben.

Bei dem Selbstmord-Attentat in Afghanistans Hauptstadt starben mindestens 90 Menschen, über 400 wurden verletzt. Der Anschlag wurde mithilfe eines mit Sprengstoff gefüllten Lastwagens ausgeführt. Der afghanische Geheimdienst National Directorate of Security (NDS) macht das Hakkani-Netzwerk dafür verantwortlich. Dieses soll den Anschlag mit "direkter Hilfe durch den pakistanischen Geheimdienst ISI" durchgeführt haben.

Diese Terroristen haben wieder einmal unter Beweis gestellt, dass sie keinerlei Religion repräsentieren und solch eine feige Attacke nur ausführen, um ihren pakistanischen Herren einen Dienst zu erweisen", heißt es in einer Stellungnahme des NDS.  

Afghanische Frauen trauern vor dem Krankenhaus nach einem Anschlag  in Kabul am 31. Mai 2017

Das Hakkani-Netzwerk operiert im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet und hat seine Rückzugsbasis im nordpakistanischen Wasiristan. Es wird für zahlreiche Anschläge in Afghanistan verantwortlich gemacht und unterhält Verbindungen zu den Taliban und zu Al-Kaida. Ein US-Kommandeur in Afghanistan bezeichnete es als das "widerstandsfähigste feindliche Netzwerk".

Kabuls Schuldzuweisung kommt nicht überraschend, schließlich hat Pakistans Militärgeheimdienst, die Inter-Services Intelligence (ISI), eine lange Tradition der Unterstützung terroristischer Gruppen, die vor allem in Afghanistan und Indien (Kaschmir) aktiv sind.  

Unter diesen Gruppen befindet sich unter anderem die islamistische Laschkar-e Taiba, die für die Terrorattacke in Mumbai im Jahr 2008 verantwortlich gemacht wird, bei der über 160 Menschen starben. Diese Gruppe hat die ISI in den 1980er Jahren mitgegründet und ausgebildet. Nach Ansicht von US-Geheimdienstlern bestand die Kooperation bis zur Mumbai-Attacke fort. Islamabad wiederum wirft seinen Nachbarn Indien und Afghanistan vor, die Terrorgruppe Tehrik-i-Taliban Pakistan - die Bewegung der pakistanischen Taliban - zu unterstützen.

Kabul-Anschlag: Sicherheitsbehörden waren vorgewarnt

Zu dem Terroranschlag in Kabul hat sich bislang niemand bekannt. Während sich die Taliban distanziert haben, schließt die afghanische Regierung eine Urheberschaft des so genannten Islamischen Staates aus. Sie selbst gerät angesichts ihres Versagens immer stärker unter Druck. Ihr wird vorgeworfen, trotz bestehender Möglichkeiten dazu den Anschlag nicht verhindert zu haben. Tausende Demonstranten forderten am Freitag in Kabul den Rücktritt der Führung. Die Polizei gab Warnschüsse ab, um die Menschenmenge von einem Marsch auf den Präsidentenpalast abzuhalten.  

Afghanische Polizisten geben Warnschüsse ab, um Demonstranten von einem Marsch auf den Präsidentenpalast abzuhalten.

Gegenüber Foreign Policy erklärte ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter des NDS, man habe seit dem 21. Mai Hinweise auf einen bevorstehenden Anschlag gehabt. Die Sicherheitsmaßnahmen im Botschaftsviertel von Kabul seien daher erhöht worden.

Wir haben aber nicht mit einer Lastwagen-Bombe gerechnet", so die Quelle. "Wir suchten nach einem Toyota Corolla oder einem ähnlichen Fahrzeug."

Die Aussage verwundert, denn das Hakkani-Netzwerk hatte schon in der Vergangenheit LKWs für Anschläge in der Grünen Zone benutzt. So starben im September 2011 über 20 Menschen bei einem Anschlag auf die US-Botschaft, der auf das Konto des Terrornetzwerks gehen soll. Damals machten auch US-Vertreter den pakistanischen Geheimdienst mitverantwortlich. "Das Hakkani-Netzwerk agiert als Arm des pakistanischen Geheimdiensts ISI", erklärte US-Admiral Mike Mullen gegenüber dem US-Senat.

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