Nach IS-Drohungen: Chinesen sammeln DNA-Daten von Muslimen in der Provinz Xinjiang

Nach IS-Drohungen: Chinesen sammeln DNA-Daten von Muslimen in der Provinz Xinjiang
Ein Uigure in Kashgar; China, 20. März 2017.
In der mehrheitlich muslimisch bewohnten Provinz Xinjiang will die chinesische Regierung mittelst einer Massen-DNA-Datensammlung gegen den Terrorismus vorgehen. Menschenrechtsorganisationen sehen den Generalverdacht gegen Minderheiten in China mit Sorge.

Die chinesische Provinz Xinjiang ist immer wieder Schauplatz von terroristischen Anschlägen. Der von den USA unterstützte Aufstand radikal-islamischer Gruppen in Afghanistan gegen die Sowjetunion war für eine Reihe Gleichgesinnter eine Inspiration, um Ähnliches auch in der stark muslimisch geprägten Region Chinas zu proben. Seit 1989 schaukeln sich terroristische Anschläge und Repressionen vonseiten der Staatsmacht wechselseitig hoch.

„Islamischer Staat“ droht China mit „Blutvergießen“

Die chinesischen Behörden wollen nun DNA-Daten von den mehrheitlich muslimischen Einwohnern sammeln. Bisher galt in der von der muslimischen Minderheit der Uiguren bewohnten Region, dass Bewohner bei der Beantragung von Pässen DNA-Proben, Fingerabdrücke und auch Stimmaufnahmen abgeben mussten.

Human Rights Watch: Überwachungslevel ist jetzt schon sehr hoch

Mit der nun geplanten allgemeinen DNA-Sammlung geht die Regierung noch einen Schritt weiter, um gegen den Terrorismus im Land vorzugehen. Human Rights Watch beobachtet mit zunehmender Sorge einen, wie sie meint, immer offenkundiger werdenden Generalverdacht gegen die muslimische Bevölkerung der Provinz. 

In der Provinz Xinjiang, an der historischen Seidenstraße gelegen, wohnen um die zehn Millionen Muslime. Die Traditionen der Uiguren erinnern an deren asiatische Nachbarländer wie Kasachstan und Tadschikistan. Die Region grenzt an Afghanistan. In den vergangenen Jahren nahm dort die Zahl der Kopftuchträgerinnen zu.

Die chinesische Regierung verbot Gesichtsschleier und zu imposante Bärte. Die Einwohner der Stadt Hotan erhalten eine monetäre Belohnung, wenn sie die Identitäten von Personen weitergaben, die gegen die Vorschriften verstießen und zu lange Bärte tragen oder das Gesicht verdecken. Identitätskontrollen und Straßensperren sind in der Provinz an der Tagesordnung. Überall sind Kameras angebracht, die das tägliche Leben der Menschen überwachen. In wöchentlichen Flaggenzeremonien soll dem Chinesischen Staat die Treue geschworen werden und nicht dem radikalen Islam.

Millionen in Einrichtungen zur DNA-Erfassung investiert

Rund 8,7 Millionen US-Dollar soll Peking für die Ausrüstung zur DNA-Sammlung investiert haben. Beobachter von Human Rights Watch erklären zudem, dass die Regierung weitere drei Millionen US-Dollar für DNA-Analyseausrüstung ausgegeben habe. Dies würde es Peking ermöglichen, bis zu 10.000 DNA-Proben pro Tag und mehrere Millionen pro Jahr zu sammeln. 

5.000 Chinesen sind Mitglieder von syrischen Terrorgruppen

Maya Wang von Human Rights Watch meint dazu: 

Xinjiang ist schon eine unterdrückte Region mit einem hohen Maß an Überwachung. Noch mehr Informationen in der Masse zu sammeln, ohne dass ein Zusammenhang mit kriminellen Ermittlungen gegeben wäre, bereitet den Weg für ein noch höheres Maß an Überwachung und Kontrolle. 

Bislang waren es Gruppen wie die Islamische Bewegung Ostturkestan, die Islamische Turkestan-Partei oder die Islamische Bewegung Usbekistan, die organisierten Terror auf chinesischem Territorium ausübten. Nun scheint auch der so genannte Islamische Staat sein Interesse am Thema Uiguren entdeckt zu haben.

Anfang März tauchte ein Video im Netz auf, in welchem ein IS-Kämpfer und ein Uigure schworen, dass bald die schwarze Flagge in China wehen werde und das Land in einem "Fluss von Blut schwimmen" werde. Die Extremisten schworen Rache für die Drangsalierungen durch die chinesische Regierung: 

Aus Rache für die Tränen, die aus den Augen der Unterdrückten fließen, werden wir ihr Blut in den Flüssen schwimmen lassen, so Gott will. 

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