Korea-Krise: Die Hoffnung auf Frieden schwindet

Korea-Krise: Die Hoffnung auf Frieden schwindet
Mitglieder der nordkoreanischen Armee bejubeln ihr Regierungsoberhaupt Kim Jong-un; Nordkorea, 13. Mai 2017.
Südkorea hatte sich mit der Wahl eines Demokraten für den Friedensschluss mit Nordkorea entschieden. Auch Nordkorea schien bereit, sich von verbalen Drohungen zu verabschieden: Am Sonntag aber folgte ein Raketentest, der Experten zufolge bisherige übertraf.

Vergangene Woche wurde in Südkorea ein neuer Präsident gewählt. Moon Jae-in, Menschenrechtsanwalt und Demokrat, stand für einen Neuanfang auf der koreanischen Halbinsel abseits der Drohgebärden, die seine Heimat an den Rand eines Nuklearkrieges brachten. Während der Wahlen rief Nordkorea die Südkoreaner dazu auf, ihre Stimme nicht einem der konservativen Kandidaten zu geben, da diese gegen Gespräche mit dem Norden sind. 

Daniel Shaw von der City University von New York nimmt Pjöngjang im Konflikt mit den USA eindeutig in Schutz.

Aber schon am Sonntag folgte ein Raketentest der Nordkoreaner und die Hoffnungen auf eine Kehrtwende hin zur Diplomatie schwanden mit den Spekulationen um die Schlagkraft der Rakete. Es wurde zuerst gerätselt, um welchen Typ von Rakete es sich überhaupt handelte. Am Montag gab Nordkorea bekannt, dass es eine Mittel- bis Langstreckenrakete gewesen sei. Die Hwasong-12 flog 787 Kilometer und erreichte eine Höhe von 2.111,5 Kilometern. Die Regierung Pjöngjangs sprach von einem erfolgreichen Test. Kim Jong-un selbst nannte ihn einen "großen Erfolg". Die Hwasong-12 sei in der Lage, einen nuklearen Sprengkopf zu befördern und die USA ins Visier zu nehmen.

Überraschender Testerfolg stellt USA und Anrainer vor neue Probleme

Der Luft- und Raumfahrt Experte John Schilling in einer Analyse der amerikanischen Webseite 38 North zum Raketentest Nordkoreas:

[Der Test] repräsentiert ein Leistungsniveau, welches wir noch nie zuvor von einer nordkoreanischen Rakete gesehen haben.

Unterstützer Moon Jae-ins bei der Verkündung der Wahlergebnisse, Seoul; Südkorea, 9. Mai 2017.

Über die Reichweite und Höhe der nordkoreanischen Rakete wurde im Vorfeld auch in den ausländischen Medien reichlich spekuliert. Seit Wochen steht die koreanische Halbinsel im Fokus der internationalen Berichterstattung. Nach Ende des Korea-Krieges (1950-53) gab es lediglich einen Waffenstillstand, jedoch keinen Friedensschluss. Vertraglich ist China noch an seine Zusage gebunden, Nordkorea im Kriegsfall zu verteidigen. Aber auch China verurteilt die Raketentests Nordkoreas. Dem Willen der USA nach chinesischen Sanktionen, die Pjöngjang den letzten Wirtschaftspartner nehmen, will sich China aber bisher nicht beugen.

Der erneute Raketentest zeigt die Unsicherheit und Unberechenbarkeit Kim Jong-uns. Es war nämlich auch ein Test für den neu gewählten südkoreanischen Präsidenten, der angesichts der dringenden Geschäfte auf Feierlichkeiten zu seiner Amtsübernahme verzichtete. Am Mittwoch nach seinem Amtsantritt hatte Moon bekannt gegeben, dass er – unter den richtigen Bedingungen - gewillt sei, Pjöngjang zu besuchen. Die Olympischen Winterspiele in Südkorea 2018 will Moon Jae-in nutzen, um eine Plattform für eine Annäherung zwischen Nord- und Süd zu schaffen. 

Gipfel mit Trump für Juni geplant

Seit Montag weilt eine Delegation Washingtons in Südkorea, um ein Treffen zwischen der US-Regierung und Moon Jae-in vorzubereiten und den neuen Präsidenten Südkoreas für die Trump-Regierung zu gewinnen. Das offizielle Treffen zwischen der Trump-Regierung und Seoul soll im Juni stattfinden.

Moon Jae-in in einem Telefongespräch mit Xi Jinping im Blauen Haus (südkoreanischer Präsidentenpalast), Seoul; Südkorea, 11. Mai 2017.

Moon Jae-in hatte während seines Wahlkampfes angekündigt, das umstrittene THAAD-System neu zu diskutieren. Das Raketenabwehrsystem war zu Zeiten einer Übergangsregierung in Südkorea geliefert worden. Das südkoreanische Volk fühlte sich seither übergangen. Moon Jae-in wollte die Bevölkerung lehren, gegenüber den Amerikanern "Nein" zu sagen.

Um die USA zu erreichen, bedarf es einer Reichweite von 8.000 Kilometern und mehr. Die Technik muss soweit gediehen sein, dass der Sprengkopf unbeschadet wieder in die Atmosphäre eintreten kann. Für die Nordkoreaner ist ihre Atommacht ein Schutz vor einer Invasion durch die Amerikaner. Kim Jong-un will vermeiden, das Schicksal Libyens zu teilen. Die Tatsache aber, dass der Raketentest nach versöhnlichen Worten Nordkoreas erfolgte, in denen die Annäherung an den südkoreanischen Nachbarn gewünscht wurde, bestätigt das chinesische Vorurteil, dass Kim Jong-un einem "verrücktem Hund" gleiche, der jederzeit seinen Besitzer (China) beißen könnte. 

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