Die Wünsche der Südkoreaner an ihren neuen Präsidenten

Die Wünsche der Südkoreaner an ihren neuen Präsidenten
Unterstützer Moon Jae-ins bei der Verkündung der Wahlergebnisse, Seoul; Südkorea, 9. Mai 2017.
Das südkoreanische Volk hat viel erreicht. Friedliche Demonstrationen brachten eine Präsidentin unter Korruptionsverdacht zu Fall. Ein liberaler Menschenrechtsanwalt wurde zum neuen Präsidenten. Das Volk hofft nun auf eine Wende im Land und in der Region.

Südkorea ist eine noch junge Demokratie. Das Land war lange vom Aufschwung verwöhnt, mittlerweile aber stagniert die Wirtschaft. Drohungen aus Pjöngjang und Washington brachten das Land an den Rand eines nuklearen Krieges. Der neue Präsident Moon Jae-in gibt sich volksnah, er ist Menschenrechtler und will gerade deshalb die Diplomatie mit Nordkorea zurück ins Leben rufen.

Die südkoreanischen Korea Herald Nachrichten haben Wünsche aus Südkorea an den neuen Präsidenten zusammengetragen. 

So meint Ryu Wang-sik, ein Geschäftsmann: 

Der neue Präsident sollte die Chaebols [Familienkonglomerate] reformieren, um Ungerechtigkeiten, Missbrauch und Firmenkriminalität auszuschließen. [...] Ihr Einfluss gleicht dem eines Kaisers. Dekaden der Korruption müssen beseitigt werden.

In den Skandal um Park Geun-hye war auch die Firma Samsung verwickelt. Der Samsung-Erbe befindet sich seither in Haft. Da Samsung zu den größten Chaebols im Land zählt, war es ein ungewöhnlicher und viel diskutierter Schritt der Justiz, gegen ihn einen Haftbefehl auszusprechen.

Moon für Aufarbeitung von "Trostfrauen"-Schicksalen

Südkoreaner, die in Japan leben, hoffen unterdessen auf ein besseres Verhältnis zwischen ihrem Land und Tokio. Moon Jae-in will sich auch des Streits um die Zwangsprostituierten aus dem Zweiten Weltkrieg, die so genannten "Trostfrauen", annehmen, der immer noch eine Annäherung zwischen beiden Ländern verhindert. Lange fühlten sich die Japaner den Südkoreanern wirtschaftlich und kulturell überlegen. Nach Jahren des Booms aber platzte der japanische Traum. Südkorea punktete mit Samsung. K-Pop, koreanische Popmusik und koreanische Fernsehserien wurden zum Exportschlager.

Moon Jae-in in einem Telefongespräch mit Xi Jinping im Blauen Haus (südkoreanischer Präsidentenpalast), Seoul; Südkorea, 11. Mai 2017.

Aber nun macht THAAD den Südkoreanern erneut das Leben schwer. Hong Min-ji, eine 35-jährige Lehrerin am chinesischen Sprachinstitut Chinaro in Seoul, ist darüber nicht erbaut:

Ich hoffe, dass die neue Regierung ein Gesetz auf den Weg bringt, das eine harmonische Verbindung zwischen Südkorea und China ermöglicht. Ich bin sehr daran interessiert, die Probleme um THAAD auf eine friedliche und hinnehmbare Art gelöst zu sehen, sodass es für diejenigen, die einer Arbeit mit China-Bezug nachgehen, wieder einfacher wird.

Lee Min-young, eine 18-jährige Schülerin, wünscht sich einen anderen politischen Stil:

Ich denke, dass es der Schlüssel zu einer guten Führung ist, den Menschen zuzuhören. Die vorherige Präsidentin konnte dies nicht und hat es versäumt, für die Belange der Bürger zu sorgen. Ich hoffe, der neue Präsident ist moderater.

In Südkorea gilt nach wie vor das Wahlrecht ab 19 Jahren. Deshalb führten 18-jährige Südkoreaner führten ihre eigenen Protestwahlen durch. Quer durch das Land wurden inoffizielle Wahlstationen aufgebaut, in denen die 18-Jährigen ihre Stimme abgaben. Auch Lee Min-young kritisiert das Wahlrecht.

Im kommenden Jahr erhalte ich das Recht, zu wählen, wenn ich 19 werde. Ich wünsche mir, dass das neue Regierungsoberhaupt das Wahlalter senkt. Denn 18-Jährige sind alt genug, um über Politik nachzudenken und zu entscheiden, wer ihr Leben über die nächsten fünf Jahre mitbestimmt.

Hoffnung auf Wiedergeburt des Kaesong-Parks

Ahn Chan-il, der Direktor des "Weltforschungszentrums Nordkorea" ist im verfeindeten Bruderland desertiert und nach Südkorea geflohen, wo er seit 1979 lebt. Er sieht die Situation wie folgt: 

Der Weg zur Wiedervereinigung würde sich eröffnen, wenn sich der nordkoreanische Führer Kim Jong-un von seinen Nuklearwaffen verabschiedet und mit einer Friedensnachricht an die Öffentlichkeit geht. Aber dies ist eher unwahrscheinlich, solange die USA keinen Friedensvertrag unterzeichnen und ihre Truppen von der koreanischen Halbinsel abziehen. 

Als mögliche Option schlug Ahn Chan-il vor, Gespräche zur Denuklearisierung zu führen, um auch den Kaesong-Industriepark wiederzubeleben. Im Kaesong Park arbeiteten Süd- und Nordkoreaner Seite an Seite. Es war eine Art Wiedervereinigung im Kleinen. Doch auf Druck der Amerikaner lag das gemeinsame Wirtschaften eines Tages brach. Der Park befindet sich nur zehn Kilometer nördlich der demilitarisierten Zone, in der Süd- und Nordkoreaner einander bewaffnet gegenüberstehen. 

Ich hoffe, dass die neue Regierung aus der Geschichte hervorgeht als eine, die den Weg hin zur Wiedervereinigung geebnet hat.

Zudem fanden sich in einem Bericht des Korean Herald Wünsche nach Beseitigung von Diskriminierungen gegen Behinderte und multinationale Familien. Ein nationales Problem ist auch die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen in einem Land, in dem Mädchen zum Schulabschluss von ihren Eltern kosmetische Operationen geschenkt bekommen.

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