Korea-Krise: Präsident Moon Jae-in strebt Diplomatie durch Sport an

Korea-Krise: Präsident Moon Jae-in strebt Diplomatie durch Sport an
Moon Jae-in in einem Telefongespräch mit Xi Jinping im Blauen Haus (südkoreanischer Präsidentenpalast), Seoul; Südkorea, 11. Mai 2017.
Laut Pentagon ist Nordkorea noch nicht in der Lage, einen Nuklearkrieg zu führen. Man rüstet dennoch auf, und China testet Waffen gegen THAAD. Der neue Präsident Südkoreas will die Olympischen Winterspiele zur Annäherung zwischen Nord- und Südkorea nutzen.

Der neu gewählte Präsident Südkoreas Moon Jae-in verzichtete auf eine pompöse Feier anlässlich seiner Amtsübernahme. Da Südkorea zuvor von einer Übergangsregierung geführt worden war, nahm er sofort die Geschäfte auf. Die Amtszeit der vorhergehenden Präsidentin Park Geun-hye endete nach Korruptionsskandalen auf unrühmliche Weise mit einer Amtsenthebung.

In einem ersten Telefonat mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping waren sich die neuen Partner einig, dass ein denuklearisiertes Nordkorea ein gemeinsames Ziel sei. Moon hatte angekündigt, dass er auch bereit sei, nach Nordkorea zu reisen, wenn die Rahmenbedingungen gegeben seien.

Moons Sprecher Yoon Young-Chan:

[Die beiden Regierungsoberhäupter] stimmten überein, dass die Denuklearsierung der koreanischen Halbinsel ein gemeinsames Ziel beider Länder ist.

Xi Jinping unterstrich sein Interesse am Frieden in der Region. Einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen den Parteien stehen aber ungelöste Konflikte aufgrund des amerikanischen THAAD-Systems gegenüber.

Das Raketenabwehrsystem sollte, so die Amerikaner, den Südkoreanern ihr Sicherheitsgefühl zurückbringen, nachdem die Nordkoreaner weitere Raketen getestet hatten. Ungehört blieb Chinas Appell an Südkorea, das THAAD-System nicht in Betrieb zu nehmen. Den chinesischen Ärger bekam Südkorea unterdessen schon im Vorfeld der Stationierung zu spüren. Touristen blieben dem Land in solchen Massen fern, dass die Fluglinien ihre Flüge reduzieren mussten.

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Auch einige Produkte aus Südkorea, wie die beliebte Säuglingsnahrung, verschwanden in China vom Markt. Die Chinesen testeten unterdessen vor einigen Tagen eine eigene neue Rakete. Im Visier des Militärgeschosses waren die Gewässer westlich Chinas, nahe Koreas, Experten werteten diesen Test als eine Vorsichtsmaßnahme gegen THAAD und nicht gegen die Nordkoreaner.

China ist mit Resultaten seines Raketentests zufrieden

Die Vermutung ist angesichts der Vorankündigung Yang Yujuns, Sprecher des chinesischen Verteidigungsministeriums, berechtigt. Nachdem THAAD geliefert und für einsatzbereit erklärt worden war, sagte Yang Yujin, dass China als Reaktion neue Waffen testen würde.

Am Dienstag gab das chinesische Verteidigungsministerium bekannt:

Die Raketenstreitkräfte der chinesischen Volksbefreiungsarmee haben in den vergangenen Tagen den Test einer neuartigen Rakete im Golf von Bohai vollzogen und dabei gute Resultate erzielt.

Zhou Chenming vom Knowfar Institut für Strategie- und Verteidigungsstudien, einem chinesischen Think Tank, erläuterte:

Der Test könnte Varianten eines neuen Raketentyps beinhalten: DF-21, DF-26 und andere Arten von Dongfeng Serienraketen.

Wiederholt warnten Politiker, Medien und Bürokraten aus Verteidigungskreisen, dass Nordkorea bald in der Lage sein könnte, einen atomaren Sprengkopf auf einer Langstreckenrakete zu befestigen. Die Geheimdienstabteilung des Pentagon vermeldete nun jedoch, dass Nordkorea hiervon noch weit entfernt sei.

Südkorea folgte Pjöngjangs Wahlempfehlung

Am Donnerstag wird das Geheimdienstkomitee zusammentreffen, um weltweite Gefahren zu diskutieren. Ganz oben auf der Liste steht dennoch Nordkorea. Schätzungen zufolge wird Nordkorea bis mindestens 2020 nicht die Fähigkeit besitzen, einen nuklearen Krieg in der Region zu initiieren. Weiterhin bedürfe es noch zahlreicher Flugtests der Raketen, um irgendwann die USA ins Ziel nehmen zu können.

Moon Jae-in, neugewählter Präsident Südkoreas, mit seiner Frau Kim Jong-sook (rechts), seiner Tochter und seinem Enkelsohn während seiner Kampagne in Seoul, Südkorea; 8. Mai 2017.

Moon Jae-in verkündete am Donnerstag, dass er die Pyeong Chang Olympics, die Olympischen Winterspiele des Jahres 2018, als Plattform nutzen werde, um den Nord-Süd-Dialog wiederaufzunehmen. Die Südkoreaner waren über Jahre hinweg den Forderungen Washingtons gefolgt. Das Resultat war der Abbruch jedweder Kommunikationskanäle zwischen Seoul und Pjöngjang, die sich Moon Jae-in nun wieder zunutze machen könnte. Die Brücke nach Nordkorea muss wiedererrichtet werden. Ein Sportereignis bietet sich dafür an, da es idealtypischerweise unpolitisch ist und nur die sportliche Leistung zählt.

Nordkorea forderte den neuen Präsidenten dazu auf, die Konfrontationen zu beenden. Schon im Vorfeld der Wahlen hatte Nordkorea die südkoreanischen Bürger gebeten, nicht den Konservativen ihre Stimme zu geben und einen links-liberalen Kandidaten im Interesse eines gemeinsamen Friedens zu wählen.