Neue Hoffnung für Korea: Moon Jae In steht für einen grundsätzlichen Wechsel

Neue Hoffnung für Korea: Moon Jae In steht für einen grundsätzlichen Wechsel
Der neue Präsident Südkoreas Moon Jae-in und Choo Mi-ae, die Vorsitzende der Demokratischen Partei, mit Unterstützern auf dem Gwanghwamun-Platz in Seoul, 9. Mai 2017.
Die Südkoreaner vertrauen dem Mitte-Links-Politiker Moon Jae In zu, das Land nach dem Korruptionsskandal um Präsidentin Park Geun Hye wieder in ruhigere Fahrwasser zu bringen. Moon geht der Ruf voraus, weniger korrupt zu sein. Seine Gegner fürchten seine Entspannungspolitik gegenüber Nordkorea.

Für seine Anhänger steht er für eine saubere Politik, für seine ärgsten Gegner ist er ein Sympathisant Nordkoreas. Anders als viele andere Vertreter der Eliten in Südkorea stammt der neue Präsident beinahe aus dem Norden: Moon wurde 1953 in der südlichen Sadt Geoje als Kind von Flüchtlingen aus Nordkorea geboren. Er studierte Jura, ist verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter.

Moon Jae-in, Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei Südkoreas und ersten Prognosen zufolge nächster Präsident, in Chungju, Südkorea, 7. Mai 2017.

Der Mitte-Links-Politiker Moon Jae In ist in der durch tiefe ideologische Gräben gekennzeichneten politischen Landschaft Südkoreas kein neues Gesicht. Mehr als vier Jahre nach seiner bitteren Niederlage gegen die frühere Präsidentin Park Geun Hye, die im März wegen Korruptionsvorwürfen vorzeitig abgesetzt wurde, steigt der 64-jährige nun nach Hochrechnungen im zweiten Anlauf ins höchste Staatsamt auf.

Die beiden stammen aus unterschiedlichen Welten: Während Moon aus einfachen Verhältnissen stammt, verbrachte Park einen Großteil ihrer Jugend im Präsidentenpalast in Seoul. "Als ich in Armut lebte, führte sie das Leben einer Prinzessin im Blauen Haus", sagte Moon einmal über Park. Bei der Präsidentenwahl im Dezember 2012 unterlag er ihr. 

Unter ihrem Vater, dem von den USA eingesetzten Langzeit-Diktator, Park Chung Hee, saß der zukünftige Präsident sogar im Gefängnis. Im Jahr 1975 verhaftete die Polizei Moon Jae In wegen der Teilnahme an Straßenprotesten gegen die autoritäre Herrschaft von Präsident Park Chung Hee, dem Vater Park Geun Hyes. Später wurde er gezwungen, während des obligatorischen Militärdienstes bei einer Spezialeinheit zu dienen.

Nach der Militärzeit nahm er sein Studium wieder auf und wurde erneut wegen seiner Teilnahme an Protesten festgenommen. Als Kandidat der Demokratischen Partei, deren Vorsitzender er früher war, warb Moon damals wie heute für höhere Sozialausgaben und eine gerechtere Verteilung des Wohlstands. Seinen Ruf als Aktivist hat er wegen seiner früheren Tätigkeit als Menschenrechtsanwalt bis heute nicht ganz abgestreift. 

Der Präsidentschaftskandidat Moon Jae-in von der Demokratischen Partei auf einer Wahlkampfveranstaltung in Seoul, Südkorea, 17. April 2017.

"Obwohl er fast zehn Jahre in den oberen Etagen der Regierung und der Parteipolitik diente, hat er nichts von dem Image von Hinterzimmer-Kungeleien, autoritärer Arroganz und fragwürdiger Verbindungen mit Unternehmen, wie es oft führenden koreanischen Politiker anhängt", schreibt die nationale Nachrichtenagentur Yonhap.

Seine Wahl zeigte, dass viele Wähler nach den politischen Turbulenzen wegen des Korruptionsskandals um Park auf einen Neuanfang hoffen. Auch im höchst angespannten Verhältnis zum Nachbarland Nordkorea werden neue Initiativen von Moon zur Annäherung erwartet. Im Verhältnis zu den USA will Moon die Selbstständigkeit Südkoreas stärken.

Mit seinem Sieg tritt Moon endgültig aus dem Schatten seines Mentors, des früheren Präsidenten Roh Moo Hyun heraus. Der war mit seiner unkonventionellen Art bei Anhängern wie Gegnern oft angeeckt. Anders als der Vollblutpolitiker Roh wird Moon eher als der ruhige und rational denkende Stratege beschrieben. Als Stabschef im Präsidialamt war Moon die rechte Hand Rohs, mit dem er bis zu dessen Tod im Jahr 2009 befreundet war. (dpa / rt deutsch)