WikiLeaks deckt Ziele der USA in Ostasien auf: “Wir wollen kein geeintes Korea“

WikiLeaks deckt Ziele der USA in Ostasien auf:  “Wir wollen kein geeintes Korea“
Der amerikanische Außenminister Rex Tillerson und General Vincent Brooks posieren für ein Bild in der Demilitarisierten Zone, Panmunjom, Südkorea, 17. März 2017.
Aus einem geleakten WikiLeaks-Dokument geht hervor, dass die USA nicht an einem vereinigten Korea interessiert sind, da sie sich vor der Wirtschaftsmacht fürchten. Der unsichere Kurs Trumps, seine Unwissenheit über die koreanische Halbinsel und die Drohungen an Nordkorea haben die Stimmung in Südkorea kippen lassen.

Die Politik Trumps schürt anti-amerikanische Ressentiments in Südkorea. Die sich ändernde Stimmung spiegelt sich in der südkoreanischen Presse und den sozialen Medien wieder. Es ist ein ungewöhnlicher Schritt, dass die "Korea Times" nun ein Zitat Hillary Clintons veröffentlicht, aus welchem hervorgeht, dass die USA nicht an einem geeinten Korea interessiert sind. Clinton äußerte sich im Rahmen einer Ansprache zu Goldman Sachs im Jahr 2013. Der Generaldirektor Lloyd Blankfein zu Clinton: 

China will kein geeintes Korea, aber eine verrückte Nuklearnation an ihren Grenzen kann auch nicht von Interesse sein. 

Clinton antwortete:

Wir wollen kein vereinigtes Korea, weil wenn es ein Südkorea gäbe, so wäre dies für die offensichtlichen ökonomischen und politischen Gründe zu dominant.

Der Flugzeugträger USS Carl Vinson auf dem Weg von der Philippinischen See nach Nordkorea, 23. April 2017.

China und die USA wären hier einer Meinung, da sie beide nicht wollten, dass Korea zu mächtig würde. 

Die Öffentlichkeit Südkoreas zweifelt jetzt an ihrem alliierten Partner und dem aufgebauschten Feindbild. Kim Jong-un wird in China als "verrückter Hund" bezeichnet, aber auch Trump beweist den Südkoreanern und Chinesen tagtäglich seine Unberechenbarkeit. Nun forderte er überraschend, dass die Südkoreaner für das amerikanische THAAD-System zahlen müssen. Kostenpunkt: Eine Milliarde US-Dollar. Das südkoreanische Verteidigungsministerium gab am Freitag bekannt, dass es die USA in der Pflicht sehe, die Kosten zu übernehmen. Das Terminal High Altitude Are Defence System (THAAD) wird derzeit auf einem südkoreanischen Golfplatz installiert.

Am 9. Mai sind in Südkorea Wahlen. Der außenpolitische Berater des favorisierten Kandidaten Moon Jae-in, Kim Ki-jung:

Selbst wenn wir THAAD erwerben würden, so wäre die Hauptbedienung in den Händen der Vereinigten Staaten. Also wäre der Kauf eine unmögliche Option.

Während in Japan für den Ernstfall eines Raketeneinschlags aus Nordkorea geprobt wird, wollen die Südkoreaner nichts mehr über Gefahren aus dem Norden hören. Das Thema hat sich für sie erledigt. Konservative Präsidentschaftskandidaten hätten das Thema missbraucht und sich erhofft, hierdurch Stimmen zu fangen.

Ein Soldat filmt nordkoreanische Soldaten, Offiziere und hochrangige Offizielle während einer Militärparade zum Geburtstag des Gründungsvaters Kim Jong-il in Pjöngjang, Nordkorea, 15. April 2017.

Der Kurs der USA in Bezug auf Nordkorea scheint nicht gesetzt. Kim Jong-un drohte mit einem Nuklearkrieg, nachdem die Amerikaner die Verlegung des US-Kriegsschiffes USS Carl Vinson bekannt gegeben hatten. Kim Jong-un unterscheidet sich vehement von seinem Vater und Großvater. Er wuchs fern der nordkoreanischen Öffentlichkeit auf und führt ein nahezu paranoides Dasein immer in Sorge, dass sich die Getreuen seines Vaters gegen ihn wenden. Er ist der einzige Regierungsführer Nordkoreas, der auch nicht vor Exekutionen in der eigenen Familie zurückschreckt. Seit seiner Amtsübernahme 2011 richtete er bis Dezember 2016 340 Menschen hin. 2013 warf er er seinem Onkel einen Putschversuch vor und ließ ihn exekutieren.

Zwischen dem 24. und 25. April lag der Kandidat, Moon Jae-in, mit 40,4 Prozent der Wählerstimmen vorn, gefolgt von Ahn Cheol-soo. Beide Kandidaten entstammen dem liberal-demokratischen oder Lagern aus der Mitte. Das Spiel mit der Bedrohung Nordkoreas zu Wahlkampfzeiten ist kein Novum und hatte die Nationalisten und Befürworter einer bilateralen Aufrüstung mit den Amerikanern in die Hände gespielt. Aber die Südkoreaner wollen eine Kehrtwende. Sie wollen eine Wiederbelebung der Diplomatie mit Nordkorea, ein Ende der Kriegsrethorik aus Washington und des chinesischen Wirtschaftsboykotts, das ihnen die Aufstellung des THAAD-Systems eingebracht hatte.

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