Korea-Krise: Streit zwischen USA und Südkorea über Kostenübernahme für Militärgeräte

Korea-Krise: Streit zwischen USA und Südkorea über Kostenübernahme für Militärgeräte
Eine Demonstration gegen THAAD in Seoul, Südkorea, 27. April 2017
In den nächsten Tagen soll das umstrittene US-Raketenabwehrsystem in Südkorea einsatzfähig sein. Die Anlieferung fand unter Protesten der Bevölkerung statt. China führt den Wirtschaftsboykott gegen Südkorea fort. Trump fordert von Südkorea die Kostenübernahme. Seoul sieht jedoch die USA in der Pflicht.

Am Mittwoch wurde unter Protesten das umstrittene THAAD-System auf den ehemaligen Golfplatz der Firma Lotte in Seongju geliefert, um Südkorea vor Angriffen aus dem Norden zu schützen. Eine Milliarde Dollar soll Südkorea nun für das amerikanische Raketenabwehrsystem zahlen. Darüber hinaus fordert Donald Trump neue Verhandlungen zu einem bilateralen Freihandelsabkommen zwischen den USA und Südkorea. In einem Interview mit Reuters sagte er:

Ich habe Südkorea informiert, dass es angemessen wäre, wenn sie zahlen würden. Es ist ein System für Milliarden von Dollar. (...) Es ist phänomenal und schießt Raketen direkt vom Himmel.

Gemeinsames Landemanöver südkoreanischer und US-amerikanischer Streitkräfte westlich von Seoul.

Die USA kritisieren das Handelsdefizit mit Südkorea, das 2012 noch 16,6 Milliarden US-Dollar betrug und 2016 auf 27,7 Milliarden US-Dollar gewachsen ist. Die Nachrichten zur amerikanische Haltung zu Nordkorea schwanken zwischen Kriegsrethorik, dem Ruf nach ökonomischen Sanktionen und einer diplomatischen Lösung. Südkorea und China sind angesichts des Zickzackkurses verunsichert.

Gegenüber Reuters sagte Trump in seinen jüngsten Äußerungen zur Korea-Krise:

Absolut, es besteht die Möglichkeit, dass wir in einen mächtigen, großen Konflikt mit Nordkorea geraten.

Südkorea befindet sich derzeit im Wahlkampf. Die Wahlen sollen am 9. Mai stattfinden. Vorher soll das THAAD-System einsetzbar sein. Kritiker sagen, dass die Amerikaner die neue südkoreanische Regierung vor vollendete Tatsachen stellen will. So avanciert das THAAD-System zum dringlichsten Wahlkampfthema. 

China fürchtet, dass das Radar-System zur Spionage gegen sie missbraucht werden könnte. Die USA dementieren dies und gaben bekannt, dass THAAD nur der Sicherheit Südkoreas diene. Trotzdem wird China im Gegenzug Manöver ihrer Streitkräfte aufnehmen, um seine nationale Sicherheit zu gewährleisten. Es fürchtet eine Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Nordkorea. Die Regierung Trumps hatte die "Ära der Geduld" mit Nordkorea für beendet erklärt. Das Weiße Haus aber sagte jüngst, dass es auch für Verhandlungen offen sei. Washington will erreichen, dass sich Pjöngjang von seinem Atomwaffenprogramm abbringen lässt. Für Nordkorea ist es jedoch das Schutzschild gegen Angriffe aus dem Ausland. 

Das südkoreanische Verteidigungsministerium machte am Freitag deutlich, dass sie die USA in der Pflicht sehen, die Kosten für das amerikanische Raketenabwehrsystem zu tragen.