US-Amerikaner fordern von ASEAN eine stärkere Positionierung gegen Nordkorea

US-Amerikaner fordern von ASEAN eine stärkere Positionierung gegen Nordkorea
Der Schriftzug ASEANs außerhalb des Konferenzzentrums in Manila, Philippinen, 25. April 2017.
Der ASEAN-Verband wird 50 Jahre alt, umfasst zehn Staaten und tagt zurzeit in Manila. Er bildet das asiatische Gegenstück zur EU und ist die drittgrößte Wirtschaftsmacht. Die USA fordern von ASEAN nun eine klare Position gegen Nordkorea. Der Verband zögert.

Zum 50-jährigen Jubiläum der Gründung von ASEAN (Association of Southeast Asian Nations) empfängt der philippinische Präsident Rodrigo Duterte die Vertreter des erfolgreichen Verbunds südostasiatischer Länder in Manila. Zehn Staaten vereint ASEAN derzeit unter ihrem Dach. Neben ökonomischen Interessen spielen derzeit auch Sicherheitsfragen eine gewichtige Rolle. Obwohl die Amerikaner kein Mitglied sind, agierten auch sie von Beginn an im Hintergrund bei ASEAN mit.

Die Gründungsmitglieder des Verbandes waren Indonesien, Thailand, Malaysia, die Philippinen und Singapur, allesamt Verbündete der USA. Später schlossen sich Brunei, Vietnam, Laos, Myanmar und Kambodscha an. Als nächstes Mitglied soll Osttimor hinzukommen. Im Vergleich zur EU hat ASEAN mehr Einwohner. Insgesamt 625 Millionen Menschen wohnen im ASEAN-Gebiet.

Das macht das Bündnis zum heute drittgrößten Wirtschaftsraum der Welt. Die Wirtschaftskraft bemisst sich auf 2,5 Billionen US-Dollar. Die Mitglieder könnten in ihren Glaubensbekenntnissen und Regierungsformen unterschiedlicher nicht sein: Monarchien, Republiken, 40 Millionen Muslime, 150 Millionen Buddhisten, 120 Millionen Christen. Plus Hindus, Taoisten, Konfuzianer und andere religiöse Minderheiten.

Demonstrationsfiguren, die den amerikanischen

Aber dennoch hat es der Verband geschafft, sich selbst als einen friedlichen Zusammenschluss über Jahrzehnte hinweg aufrechtzuerhalten.

Der Chef des ASEAN-Studienzentrums in Singapur, Tang Siew Mun, erklärte:

Die größte Errungenschaft ist, mit politisch, wirtschaftlich und sozial so unterschiedlichen Staaten ein stabiles Umfeld geschaffen zu haben.

Gerade deshalb will ASEAN aber auch den nunmehrigen Forderungen der USA, Nordkorea zu verurteilen, nicht nachkommen. Beschlüsse des Verbunds werden grundsätzlich nur einstimmig gefasst und nie mischt man sich in die innenpolitischen Belange eines der Mitgliedstaaten ein. 

Noch bis Samstag tagen die Mitglieder in Manila. Das Hauptthema dieses Treffens sind die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel. Bei vorherigen Konferenzen hatten die leitenden ASEAN-Mitglieder Nordkorea nur in unverbindlicher und allgemeiner Form getadelt. Im vergangenen Jahr, in Laos, hatte es geheißen: 

Wir teilen die Sorgen über die jüngsten Entwicklungen auf der koreanischen Halbinsel. 

Neben den Spannungen um die koreanische Halbinsel sind die Territorialansprüche im Südchinesischen Meer die größte Herausforderung für den ASEAN-Verbund. Bisher hat sich ASEAN um ausgeglichene Beziehungen zu den USA und China bemüht. 

Gruppenbild der ASEAN-Außenminister während einer Konferenz auf den Philippinen; Borocay, 21. Februar 2017.

Der Asien-Experte Felix Heiduk von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) meint dazu: 

Die Gruppe als Ganzes wird sich nicht auf die eine oder andere Seite schlagen. Aber einige haben das schon gemacht: Kambodscha und Laos stehen an Chinas Seite, in Singapur ankern Schiffe der amerikanischen Pazifik-Flotte. Das Ringen der Großmächte um die anderen ist in vollem Gang.

Der sonst für seine harschen Worte bekannte philippinische Präsident schlug auf dem Treffen wesentlich mildere Töne an. In einem offiziellen Video zum Gipfel hieß er seine Gäste im Land von "7.107 Inseln der Schönheit, der Wunder, des Vergnügens" willkommen, und fügte hinzu:

Lang lebe ASEAN.

Duterte hatte den ehemaligen US-amerikanischen Präsidenten Obama einst als "Hurensohn" bezeichnet. Die politische Richtung der Philippinen weg vom amerikanischen Bündnispartner bereitet Washington zunehmend Sorgen. (dpa/rt deutsch)