Okinawa in Aufruhr: Verseuchtes Grundwasser durch US-Marinebasis

Okinawa in Aufruhr: Verseuchtes Grundwasser durch US-Marinebasis
Korallenriffe nahe der US-Basis Camp Schwab auf Okinawa; Japan, 29. Oktober 2015.
Zwei Krebs verursachende Substanzen wurden im Grundwasser unterhalb der US-Marinebasis auf Okinawa entdeckt. Die Chemikalien sind in Japan offiziell verboten. Die Einwohner Okinawas protestieren weiter, aber das ferne Tokio richtet sich nach Trump.

Okinawa ist für Besucher auf den ersten Blick ein Urlaubsparadies mit Palmen und Sandstränden. Aber schon bald wird dem Besucher deutlich, dass die tropische Landschaft von US-Militärs geprägt ist. Schon lange protestieren die Einwohner Okinawas gegen die Politik aus dem fernen Tokio, die ihnen die Präsenz des US-Militärs aufbürdet. Für sie fühlt es sich an, als sei die Besatzungszeit der Amerikaner noch nicht beendet. Auf Okinawa herrscht ein erhebliches Ungleichgewicht. Rund 25.800 US-Soldaten sind auf dem Inselparadies stationiert. 

Um ein Nachtflugverbot zu verhängen, fehlt es dem japanischen Staat an rechtlichen Möglichkeiten. 
Bild: US-Kampfflugzeuge vom Typ F-22 fliegen über den US-Stützpunkt Kanada auf Okinawa hinweg; Japan, 30. Mai 2009.

Neben Lärmbelästigungen, Übergriffen auf Frauen durch junge Marines bis hin zu Vergewaltigung und Mord klagen die Bewohner auch über Beeinträchtigungen von Umwelt und Natur.

Studien belegten nun zu allem Überfluss, dass von der Militärbasis Futenma gesundheitsgefährdende Chemikalien ins Grundwasser gelangt waren. Im Speziellen handelt es sich dabei um Perfluroktansulfonsäure (PFOS) und Perfluroktansäure (PFOA). Diese Chemikalien gibt es nicht in der Natur. Sie gehören der Stoffgruppe der PFCs an: per- und polyfluorierte Chemikalien. Sie sind wasser-, fett- und schmutzabweisend und befinden sich in einer nicht schädlichen Form in Outdoor- und Arbeitskleidung. PFCs weisen lange Kohlenstoffketten auf und können in der Umwelt nur durch großen Aufwand gelöst werden. PFOS ist auf Grund seiner potenziell schädlichen Wirkung auf Mensch und Natur in der Stockholmer Konvention genannt. In längeren Studien an Tieren zeigte sich, dass PFOS und PFOA Krebs hervorrufen können.

Chemische Verunreinigungen auch nahe Stützpunkt Kadena

Seit 2010 hat Japan den Import dieser Chemikalien verboten. Bis dato ist unklar, was die Verunreinigungen im Trinkwasser verursachte. Die Verantwortlichen auf dem Stützpunkt haben es der Regierung Okinawas bisher nicht gestattet, den Stützpunkt zu betreten, um eine Untersuchung einzuleiten. 

Vor einem Jahr machten sich auch chemische Verunreinigungen in Flüssen und Grundwasser nahe dem Luftwaffenstützpunkt Kadena bemerkbar. Im August 2016 wiesen Wasserproben besorgniserregende Ergebnisse an drei von 35 untersuchten Orten auf Okinawa aus. Diese drei Orte lagen jeweils in der Nähe von US-Militärbasen.

Nachdem Präsident Trump sein Amt angetreten hatte, erhoffte sich der Gouverneur Okinawas, Takeshi Onaga, dass dieser seine Strategie ändern und die Truppen auf Okinawa reduzieren wird. Onaga machte sich auf einen einsamen Weg nach Washington, aber nur einige wenige Regierungsangehörige hörten ihn an. Veränderungen gab es nicht und angesichts der zunehmenden Spannungen in Nordkorea fällt Okinawa als Basis sogar eine noch gewichtigere Rolle zu. 

Proteste gegen den US-Stützpunkt vor dem Marine-Camp Schwab richten sich gegen die Erweiterung des Luftwaffenstützpunktes in Nago, Okinawa, 1. Februar 2017.

Die in Japan so wichtige Harmonie, "Wa" genannt, wurde 1995 gestört, als drei US-Soldaten ein 12-jähriges japanisches Mädchen kidnappten und vergewaltigten. Viele Frauen trauen sich nicht, ähnliche Übergriffe zu melden, da dies mit einem gesellschaftlichen Stigma belegt ist. Es gibt einen Telefonnotdienst, Selbstverteidigungskurse für Frauen und Aktivistinnen, die versuchen, den Opfern zu helfen und weitere Taten zu verhindern.

Proteste gegen Umsiedlung in Naturpark-Nähe

Die Amerikaner entschlossen sich schon 1995, die Marinebasis Futenma umzusiedeln und sie aus dem bevölkerungsreichen Gebiet Ginowan-Stadt in die Nähe eines Naturreservats zu verlegen, um weitere Vorfälle dieser Art zu vermeiden.

Aber dies hat seither zu ununterbrochenen Protesten und Sitzblockaden geführt, denn die Anwohner fürchten nun die Zerstörung ihrer letzten Naturreservate. Die Regierung des Premierministers Abe hat sich unterdessen der Militarisierung verschrieben, welche aufgrund der japanischen Verfassung aber der Zustimmung vonseiten der Amerikaner bedarf. Tokio wird sich wohl auch weiterhin nicht den Bedürfnissen seiner Bürger im fernen Okinawa beugen.