Nordkorea ist nicht Syrien: Fünf Gründe gegen einen Militärschlag der USA auf Pjöngjang

Nordkorea ist nicht Syrien: Fünf Gründe gegen einen Militärschlag der USA auf Pjöngjang
Friedenstauben und Raketenattrappen während einer Militärparade in Pjöngjang, Nordkorea, 15. April 2017.
Trumps Schlag gegen die syrische Militärbasis und die "Mutter aller Bomben" auf Afghanistan sollen die Stärke der USA beweisen und eine Warnung an Kim Jong-un darstellen. Aber Nordkorea ist nicht Syrien. Ein Militärschlag wäre ein nicht kalkulierbares Risiko.

In Südkorea sorgt sich die Bevölkerung vor zwei unkalkulierbaren Akteuren: den USA und Nordkorea. Täglich kommen neue verbale Drohungen von einer der beiden Parteien, eine diplomatische Lösung scheint in weite Ferne gerückt. Das Nachrichtenportal Korea Times stellte fünf Fragen, deren Antworten aufzeigen, dass ein Angriff auf Nordkorea sich als weitaus schwieriger darstellen würde als jener in Syrien.

1. Warum können die USA Nordkorea nicht wie Syrien angreifen?

Die Antwort der Autorin des Artikels, Catherine Wong, ist nur unzureichend: Ja, die USA würden damit das Waffenstillstandabkommen brechen, welches zum Ende des Korea-Kriegs von Washington und Peking mitunterzeichnet wurde. Aber mehr noch: Im Vergleich zu Syrien, welches innerhalb seines Landes gegen radikale Kräfte kämpft, ist Nordkorea noch ein geeintes Land, welches dazu in der Lage wäre, all seine militärische Kraft auf einen Gegenschlag zu konzentrieren. Und - Nordkorea ist eine Atommacht. Der militärische Angriff der USA würde zu einer Katastrophe für Mensch und Natur führen, die sich nicht ermessen lässt.

2. Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen Nordkorea und Syrien?

Experten gehen davon aus, dass Nordkorea bald in der Lage sein wird, die USA ins Visier seiner Langstreckenraketen zu nehmen. Ein erstes Ziel wäre Alaska. Befürchtungen sind nicht unberechtigt, dass Nordkorea nach erneuten Raketentests bald einen Nuklearsprengkopf auf eine seiner Langstreckenraketen montieren könnte. Kim Jong-uns Regierung warnte bereits vor einem Nuklearkrieg. Die Regierung Baschar al-Assads kann kaum mit der Kim Jong-uns verglichen werden. Niemals hat und würde Assad anderen Ländern drohen. Der Krieg Assads konzentriert sich auf jenen gegen Islamisten, die das eigene Land mit seinen unzähligen Kulturschätzen zerstören und auf den Trümmern des ehemals modernen Syriens ein Kalifat errichten wollen. Nordkorea ist eine Militärmacht. Rund 25 Prozent des BIPs werden hier für das Militär ausgegeben und 40 von 1.000 Menschen leisten den Dienst an der Waffe. Über 1,2 Millionen sind Teil der Streitkräfte, fünf Millionen Reservisten kann Kim Jong-un im Kriegsfall heranziehen.

3. Warum muss China sich an die Seite Nordkoreas stellen, wenn die USA das Land angreifen sollten?

Ob China sich noch dazu verpflichtet sieht, Nordkorea zu verteidigen, ist sehr strittig. Hier verweist Wong auf das Freundschaftsabkommen zwischen China und Nordkorea, welches 1961 unterzeichnet wurde und nach derzeitigem Stand bis 2021 Gültigkeit hat. Diesem zufolge sind die beiden Parteien verpflichtet, im Kriegsfall füreinander einzustehen. Aber China will und kann keine klare Position beziehen. Peking befindet sich in einer vertrackten Lage. Im Jahr 1961 waren China und Nordkorea noch verbündete Parteien. Kim Jong-un aber ist auch für China ein Risiko und wird dort gemeinhin als "verrückter Hund" bezeichnet. China verurteilte die nordkoreanischen Raketentests, hat aber keinen diplomatischen Einfluss mehr auf Nordkorea. Zwischen Pjöngjang und Peking besteht keine Verbindung, die es Xi Jinpings Regierung ermöglichen würde, Nordkorea von dessen Atomkurs abzubringen. Für Kim Jong-un aber sind die Nuklearwaffen Mittel zum Zweck, um sich vor einer US-Invasion zu schützen und sich einem libyschen Schicksal zu entziehen.

US-Vizepräsident Mike Pence spricht während einer Pressekonferenz in Seoul; Südkorea, 17. April 2017.

4. Warum pocht China auf eine friedliche Lösung und stellt sich gegen eine militärische Option, wie sie die USA ins Spiel gebracht haben?

Abseits des unkalkulierbaren Risikos einer US-Intervention will China den Status Quo Nordkoreas erhalten. In Südkorea sind fast 30.000 US-Soldaten stationiert - zu Lande, auf dem Wasser und in der Luft. Wenn die Pufferzone Nordkorea entfällt, werden US-Truppen direkt an Chinas Grenzen stehen. Bereits jetzt patrouillieren im Südchinesischen Meer amerikanische Kriegsschiffe unter der Prämisse, ihre japanischen Verbündeten in der Wahrung ihrer Territorialinteressen rund um die Senkaku-Inseln zu unterstützen.

5. Abgesehen von China: Welche anderen Länder sind gegen eine Militärintervention auf Pjöngjang?

Südkorea ist neben China der stärkste Gegner einer Militärintervention. Japan sieht sich nach den jüngsten Raketentests, die auch US-Stützpunkte an Japans Westküste im Visier hatten, in einer neuen Rolle. Die Regierung Abes diskutierte bereits den Erstschlag. Die konservativen Kräfte im Land wollen eine Abkehr von der pazifistischen Verfassung und deren Artikel 9, welcher ihnen einen Kriegseintritt verbietet.

Die USA hoffen auf China, drohen und warten. Ein Spiel auf Zeit, welches sich kurz vor der Eskalation bewegt? China soll, wenn es nach den Amerikanern geht, Nordkorea wirtschaftlich in die Knie zwingen. Dies aber würde China selbst zum möglichen Angriffsziel machen. Ein Risiko, welches China nicht eingehen kann. Trump machte deutlich, dass die USA letztendlich auch ohne chinesische Hilfe das Problem Nordkorea lösen werden. Der Weg zu einer friedlichen Lösung wurde bisher jedoch nicht aufgezeigt.