Nach Ankündigung eines Großereignisses in Nordkorea: Gefährliche Gesamtlage in der Region

Nach Ankündigung eines Großereignisses in Nordkorea: Gefährliche Gesamtlage in der Region
Ein nordkoreanischer Soldat nimmt die Flaggen in Inspektion, die zur Feier der Eröffnung eines neuen Wohnkomplexes wehen sollen; Nordkorea, Pjöngjang, 13. April 2017.
Kim Jong-un warnte die Welt, dass am heutigen Tage etwas "Großes" geschehen werde. China versucht sich weiter an der Deeskalation, Japan warnt vor Raketen mit Saringas aus Nordkorea. Die Regierung in Südkorea fürchtet unterdessen, zum Spielball von Washington zu werden.

Unter strahlendem Sonnenschein weihte der nordkoreanische Führer Kim Jong-un heute einen neuen Wohnkomplex in Pjöngjang ein. Auf den Straßen probten derweil die Bürger in festlicher Kleidung das anstehende Jubiläum des Gründungsvaters Kim Il-sung ihrer Republik. Am Samstag steht der “Tag der Sonne“ bevor und Experten fürchten neue aggressive Gesten aus Nordkorea, um diesen Tag zu begehen. 

Nach der Einweihung des Wohnungskomplexes schaute Kim Jong-un einem Zielwettbewerb seines Militärs zu. Bei dieser Übung ging es um die Kapazität des Militärs, um aus Flugzeugen anzugreifen. Wie und ob sich diese Bedrohung bewahrheitet, darauf wartet die Welt noch. Die singapurische “Singapore Times“ witzelte, dass das große Ereignis im Land Nordkoreas die Einweihung des Wohnungskomplexes gewesen sei. Am 25. April wird die Republik 86 Jahre alt. Diesen Samstag wäre der Gründungsvater Kim Jong-Il 105 Jahre alt geworden.

Die Vorbereitungen werden von 200 internationalen Journalisten begleitet, denen nun auch mitgeteilt worden sein soll, dass sie sich auf eventuelle Evakuierungen vorbereiten müssen. Diese Warnungen folgten auf eine Ankündigung, die Kim Jong-un in die Welt heraustrug. Wie genau sich das angekündigte Großereignis darstellen wird, darüber gab es bisher keine Angaben.

Nordkorea probt für die Parade auf dem Kim Il-sung Platz im Zentrum von Pjöngjang; Nordkorea, 12. April 2017

China – Zwischen den Welten

China sieht sich in einer diplomatisch schwierigen Situation. Vor ein paar Tagen gab es eine erste Zusammenkunft zwischen Xi Jinping und Präsident Trump. Das zentrale Thema Nordkoreas wurde durch den amerikanischen Überraschungsangriff gegen Syrien überschattet. China hatte Kohleimporte aus Nordkorea gestoppt und damit auch die Raketentests und Nuklearwaffenambitionen Nordkoreas kritisiert.

Reuters berichtete von der Lage an der Grenze zu China. In taiwanesischen und auch internationalen Medien fanden sich Gerüchte, dass China seine Truppenpräsenz an der nordkoreanischen Grenze erhöht habe. Aber Peking dementierte dies. Das chinesische Dandong ist ein Grenzort, in dem die Nordkoreaner und die Chinesen miteinander Handeln.

Eine „Brücke der Freundschaft“ verbindet sie miteinander. Aber auch an diesem Tag der Unsicherheit in der Region waren hier keine Anzeichen eines drohenden Krieges zu finden. Lkws stauten sich auf der Freundschaftsbrücke, wenn auch wegen der Feiertage weniger als üblich, wie Reuters einen Augenzeugenbericht zitierte. Die Anwohner teilten dem Journalisten mit, dass sie sich der angespannten Lage bewusst seien, aber auf Besserung hofften. Arbeiter gaben an, dass nur die nordkoreanischen Bleilieferungen durchgelassen würden. Aber auf dem Schwarzmarkt blühe der Tauschhandel wie eh und je. 

China hat sich immer als Vermittler zwischen den Welten verstanden und mahnt auch jetzt alle Partien zur Zurückhaltung. Den Einfluss Chinas bewerten Experten allerdings seit der Machtübernahme Kim Jong-uns als geringer. Die Regierung in Peking wirft den Amerikanern eine verklärte Sichtweise der Tatsachen vor. Ein Schlag gegen Nordkorea sei unkalkulierbar.

Nicht zu kalkulieren wären für China auch die Auswirkungen eines Zusammenbruchs der Nordkoreanischen Republik. Abseits der Flüchtlingsströme Richtung China, die auch in ihrem Land zu Unruhen führen könnten, gäbe es keine Pufferzone mehr zwischen China und dem südkoreanischen US-Alliierten. 

Ein US-Soldat bestückt eine M270A1 (mehrfaches Raketenabschusssystem) mit Raketen, im Rahmen einer Trainingsübung nahe der Demilitarisierungszone

Seoul – "Die Entscheidungen treffen nicht wir, sondern Washington“

In einem Gespräch mit RT-Deutsch drückte Shin D Kim, Professor für Medien und Kommunikation aus Seoul, die Frustration des südkoreanischen Volkes aus. Die Südkoreaner fühlen sich von Washington gegängelt. Kurz nach der Amtsenthebung der Präsidentin Park Geun-hye und den Raketentests im Norden entschied die Übergangsregierung spontan im Sinne der Amerikaner. Seoul hat am letzten Montag eine chinesische Delegation zu Gesprächen einberufen, ohne die Anwesenheit der Amerikaner.

Die neue Regierung, falls der favorisierte liberale Kandidat Moon Jae-in gewinnt, will eine neue Diskussion des THAAD-Systems. Die Südkoreaner sollen lernen, gegenüber den Amerikanern “Nein“ zu sagen. China hatte mit seinen Warnungen im Bezug auf das umstrittene THAAD-System ernst gemacht. Südkorea leidet nun unter einem chinesischen Wirtschaftsboykott, der öffentlich keiner sein soll.

Peking äußert sich hierzu nicht. Aber seit Mitte März gibt es keine Pauschalreisen mehr nach Südkorea, die kaufkräftigen Kunden aus China fehlen. Am Incheon Flughafen ist es relativ ruhig geworden. Rund 37 Prozent weniger Chinesen landen hier im Vergleich zum Vorjahr.

Es gibt vier Kernfragen im Bezug auf die Präsidentschaftskandidatur, die wahlentscheidend sein werden:

  • Sollen amerikanische Nuklearwaffen nach Südkorea verlegt werden? Nur zwei der fünf Präsidentschaftskandidaten sind dafür. Der Favorit Moon Jae-in sieht darin den Bruch des Abkommens über eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel. Dann verlöre Südkorea seine Rechtfertigung vor Nordkorea, eine Vernichtung von Atomwaffen zu fordern.
  • Die Frage nach der THAAD-Aufstellung: Moon Jae-in ist nur bedingt dafür. Es ist die erste Amtshandlung, derer sich der Kandidat im Falle seiner Wahl annehmen würde.

  • Streit um die Trostfrauen: Der Streit zwischen Japan und den Trostfrauen ist noch immer nicht beigelegt. Als Trostfrauen wurden Zwangsprostituierte des japanischen Militärs im Zweiten Weltkrieg bezeichnet. Eine Statue vor dem japanischen Konsulat, aufgestellt von Aktivisten, die die Japaner an ihre Schuld erinnern sollte, führte zu einem Abzug japanischer Diplomaten.
  • Wiedereröffnung von Kaesong: Kaesong ist ein Wirtschaftsgebiet zwischen Nord- und Südkorea. Die Wiedereröffnung des Industriekomplexes sehen alle Kandidaten als schwierig an, wenn Nordkorea nicht von seinen Nuklearwaffenambitionen Abschied nimmt.
Ehemaliger US-General:

Japan – Aufrüsten und Erstschlag gegen Angriffe

Nach den letzten Drohungen Kim Jong-uns meldete sich auch der japanische Präsident Shinzo Abe zu Wort. Nordkorea sei in der Lage, warnte er, Raketen mit Sarin-Gas auszustatten. Japan sieht sich in einer neuen strategisch wichtigen Rolle in der Region. Dies verdankt das Land dem Konflikt mit Nordkorea und auch den Territorialinteressen im Südchinesischen Meer. Nach anfänglichen Befürchtungen, die neue Regierung Trumps könnte sich von ihnen abwenden, haben die Japaner durch hohe wirtschaftliche Zusagen in Trump einen neuen Bündnispartner hinzugewonnen, der sie zudem in ihren Aufrüstungsambitionen unterstützt. Auch Japan will ein THAAD-System aufstellen wie Südkorea, um sich besser gegen angebliche Drohungen aus Nordkorea wehren zu können. 

Die Haltung der USA

Präsident Trump will mit oder ohne den Rückhalt Chinas das Problem Nordkorea lösen. Gleichzeitig beschwört Trump die neue Freundschaft mit den Chinesen. Xi Jinping braucht Trump und positive Handlungsbeziehungen, um auch nach seinem Parteikongress, für weitere fünf Jahre an der Macht zu bleiben. Alle Lösungen seien möglich, auch eine Militärische. Das erste Ziel der Nordkoreaner auf amerikanischem Festland wäre Alaska. Experten befürchten, dass Nordkorea bald in der Lage sei, Nuklearwaffensprengköpfe auf Langstreckenraketen zu montieren. 

Gleichzeitig treibt die Regierung Trump die Aufrüstung in der Region massiv voran. Praktisch alle Nachbarländer Chinas erhielten in den vergangenen Jahren neue Waffen und zusätzliche amerikanische Truppen. Diese außenpolitische und militärische Hinwendung zu Asien setzt auch Donald Trump fort. Allerdings setzt er noch weniger als Obama auf diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen, sondern auf militärische Aufrüstung.

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