Koreanische Halbinsel: Nordkoreaner rufen Komitee zur Verbesserung der Auslandsbeziehungen ein

Koreanische Halbinsel: Nordkoreaner rufen Komitee zur Verbesserung der Auslandsbeziehungen ein
Die Sonnenaufgang über dem Yalu-Fluß nahe Sinuiju auf; Nordkorea, 1. April 2017.
Nach 19 Jahren berufen die Nordkoreaner wieder ein Komitee zur Verbesserung ihrer Auslandsbeziehungen ein. Mit der Wahl eines liberalen Kandidaten wird sich Südkorea dem Norden annähern wollen, aber die USA verlegen weiter Kriegsgerät in die Region und proben mit den Japanern den Erstschlag.

Nach Kriegswarnungen ein Anzeichen von Diplomatie? Am Mittwoch gab die südkoreanische Regierung bekannt, dass die Regierung Nordkoreas ein Komitee zurück ins Leben berufen hat, welches die Beziehungen des Landes zum Ausland verbessern soll. Zuletzt tagte dieses Komitee vor 19 Jahren. Nach dem Mord an Kim-Jong-uns Halbbruder in Malaysia und Raketentests hat sich Nordkorea noch weiter in die Isolation bewegt. Die Chinesen sanktionierten als Reaktion nordkoreanische Kohleimporte in ihr Land. 

Der Sprecher des südkoreanischen Ministeriums für Wiedervereinigung Lee Duk-haeng:

Die Zusammenstellung der Komission könnte zeigen, dass Nordkorea andere Ziele verfolgt als die der Atomwaffen.

Ein Lkw mit Kohle beladen befährt eine Strasse der

Aber dennoch mahnte Duk-haeng zur Vorsicht. Denn erst am Dienstag hatte Nordkorea eine verbale Drohung veröffentlicht, aus der hervorging, dass sie sich weiterhin auf nukleare Waffen und Raketen konzentrieren werden. Die Hauptsorge der Südkoreaner liegt in den Aktionen der US-Amerikaner. Die Regierung Trumps sieht alle Optionen als möglich. Auch eine militärische Aktion gegen Nordkorea ist nicht auszuschließen.

Trump teilte seine Sicht der Lage in einem Tweet mit: "Nordkorea sucht Ärger. Wenn China sich entschließt zu helfen, wäre das großartig. Wenn nicht, lösen wir das Problem ohne sie! U.S.A"

Südkorea, die USA und Japan kündigten an, Ende des Monats ein trilaterales Treffen abzuhalten. Die Regierung Seouls sieht sich in der Pflicht, ein solches Treffen einzuberufen. Dabei wollen sie die Ergebnisse einer Zusammenkunft zwischen einer chinesischen und südkoreanischen Delegation, die am Montag in Seoul zu einem Gespräch fand, mit den USA besprechen. 

Derweil wollen die USA gemeinsam mit Japan weitere Militärmanöver abhalten, um den Krieg gegen Nordkorea zu erproben. Ein japanischer Diplomat gab an, dass es zur US-Strategie gehöre, maximalen Druck auf Nordkorea auszuüben:

Aber wenn man letztendlich die Tatsache bedenkt, dass die US-Regierung noch keine Warnung gegenüber dem südkoreanischen Volk ausgesprochen hat, ist das Risiko zu diesem Zeitpunkt nicht so hoch.

Ein US-Soldat bestückt eine M270A1 (mehrfaches Raketenabschusssystem) mit Raketen, im Rahmen einer Trainingsübung nahe der Demilitarisierungszone

Am 9. Mai wird in Südkorea ein neues Parlament gewählt. Der favorisierte Kandidat Moon Jae-in, ehemaliger Anwalt für Menschenrechte, ist ein Befürworter des erneuten Dialogs mit Nordkorea und ein Kritiker des amerikanischen Raketensystems THAAD, welches in seinem Land bisher nur Nachteile erbrachte. China hatte den Beginn der Installation des THAAD-Systems mit wirtschaftlichen Repressalien gerügt. Für die Amerikaner drängt die Zeit nach einer Lösung. Ein Analyst des südkoreanischen Sejong Instituts, Cheong Seong-chang, geht davon aus, dass der Norden im Zuge der Neuwahlen eine "Charme-Offensive“ starten wird. Andere Analysten warnen vor aggressiven Handlungen Pjöngjangs, die sich im Zuge der anstehenden Jubiläen abzeichnen könnten.

Am Samstag werden die Nordkoreaner den 105. Geburtstag des verstorbenen Gründers Kim Il-sung begehen. Am 25. April steht das 85. Jubiläum der Gründung des nordkoreanischen Militärs an. Einladungen für ausländische Journalisten wurden bereits ausgesprochen.

Der Wunsch nach Dialog Moons, auf der koreanischen Halbinsel, steht in einem starken Kontrast zur derzeitigen amerikanischen Linie. Moon plant, das Industriegebiet Kaesong zu vergrößern. Hier arbeiteten Nord- und Südkoreaner Seite an Seite und schafften eine Wiedervereinigung im kleinen Rahmen. Der Ausschluss Nordkoreas habe lediglich dazu geführt, dass Seoul keinerlei Handlungsmacht mehr in der Diplomatie mit Pjöngjang besitzt. 

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