RT-Exklusiv: Taliban kontrollieren die Hälfte Afghanistans - USA trifft Mitschuld

RT-Exklusiv: Taliban kontrollieren die Hälfte Afghanistans - USA trifft Mitschuld
Kabul mit der international anerkannten Regierung als Rumpfstaat, um den herum sich unaufhaltsam der Wiederaufstieg der Taliban vollzieht? Die Entwicklungen der letzten Wochen verstärken diesen Eindruck. Defätistische Töne der Regierung Obama sollen die Gotteskrieger zusätzlich ermuntert haben.
Die UN-gedeckte Regierung in Kabul hat rund die Hälfte Afghanistans an die Taliban verloren. Der paschtunische Taliban-Experten Asfyandar Bhittani machte im Gespräch mit RT Deutsch, die Afghanistan-Politik der USA für die Schwäche Kabuls mitverantwortlich.

von Ali Özkök

Die international anerkannte Regierung in Kabul will die Anzahl ihrer Spezialeinheiten verdoppeln. Dieser Schritt kommt in einer Zeit, da die radikal-islamischen Taliban mittlerweile bereits wieder rund die Hälfte des Territoriums in Afghanistan kontrollieren.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums, General Mohammed Radmanisch, bestätigte am Montag den Schritt.

Wir wollen die Zahl der Spezialkräfte bis 2020 verdoppeln, so dass wir kompetente Einheiten haben, die den Terrorismus und die Taliban landesweit bekämpfen können", sagte Radmanisch in Kabul. Rekrutierung und Training der Soldaten sollen noch in diesem Jahr beginnen.

Zu der aktuellen Stärke der Spezialkräfte wollte der Sprecher jedoch keine Auskunft geben. Aus Kreisen deutscher Ausbilder der afghanischen Armee heißt es, die Spezialkräfte machten bisher sieben Prozent der offiziell um die 352.000 Mann starken Truppen aus. Die Eliteeinheiten bestritten aber 40 Prozent aller Gefechte.

Die Taliban setzen die afghanischen Streitkräfte zunehmend unter Druck. Allein 2016 waren bis November laut US-Militärquellen 6.785 Soldaten und Polizisten getötet und weitere 11.777 verletzt worden - ein Vielfaches der Verluste aller internationalen Truppen in Afghanistan in 15 Jahren. Die Regierung kontrolliert derzeit nur noch rund 50 Prozent des Landes. Die nächste Frühjahrsoffensive der Taliban steht kurz bevor.

RT Deutsch sprach mit dem paschtunischen Taliban-Experten Asfyandar Bhittani, der darüber informierte, dass es keine festen Trennlinien zwischen Regierungsgebiet und jenem der Taliban gibt. Er sagte:

Afghanistan ist nicht Syrien, wo es statische Frontlinien gibt. Beide Seiten ziehen sich sehr oft nach Angriffen zurück.

Eine neue Analyse des Terrorismus-Monitors Long War Journals bringt unter Berücksichtigung von Taliban-Angaben hervor, dass nicht weniger als 34 der insgesamt 400 Distrikte des Landes zu 100 Prozent unter Taliban-Kontrolle stehen. Weitere 167 Distrikte werden von der radikalislamischen Miliz dominiert. Die Einflussanteile reichen dort von mindestens 40 bis 99 Prozent. Eine nennenswerte Präsenz von 10 bis 39 Prozent weisen die Taliban in weiteren 52 Distrikten des kriegsgeschüttelten Landes auf, in dem die USA 2001 militärisch intervenierten.

Kabul mit der international anerkannten Regierung als Rumpfstaat, um den herum sich unaufhaltsam der Wiederaufstieg der Taliban vollzieht? Die Entwicklungen der letzten Wochen verstärken diesen Eindruck. Defätistische Töne der Regierung Obama sollen die Gotteskrieger zusätzlich ermuntert haben.

Aktuellen Analysen zufolge kontrollieren die Taliban fast alle Distrikte der afghanischen Südprovinzen an der Grenze zu Pakistan. Besonders stark ist die radikalislamische Miliz in Helmand, Nimroz, Uruzgan, Zabul, Ghasni und einer Hälfte von Kandahar. Im Osten und Nordwesten von Afghanistan sieht es ähnlich aus. Im Norden des Landes, in den Provinzen Kunduz, wo die Bundeswehr eine Militärpräsenz unterhält, und Baghlan, können die Taliban ebenfalls auf signifikante Unterstützung bauen.

Bhittani, der für die renommierte Tageszeitung Daily Pakistan als Journalist arbeitet, gibt zu bedenken:

Nichtsdestotrotz sind die meisten Gebiete sowohl von Kabul als auch den Taliban umkämpft. Die Taliban haben allerdings ihr aktives Operationsgebiet deutlich ausgebaut. In Gebieten, die vor drei Jahren noch Taliban-frei waren, rücken diese mittlerweile wieder vor.

Berichte der Taliban decken sich laut dem Long War Journal mit Darstellungen der lokalen Presse in Afghanistan. Hinzu kommt, dass der Sonderinspektor für den Wiederaufbau in Afghanistan der US-Regierung, John F. Sopko, in einem Bericht einräumt, dass die Taliban 171 Distrikte kontrollieren, anfechten oder beeinflussen. Die Taliban selbst behaupteten in einer Stellungnahme am 26. März, dass sie 211 Regionen kontrollieren oder anfechten würden. Demnach üben die Taliban sechzehn Jahre nach der US-Invasion auf rund 52 Prozent des Landes ihren Einfluss aus.

Über die Gründe für die Schwäche der afghanischen Sicherheitskräfte gegen die Taliban befragt, die seit Jahren vom Westen bekämpft werden, erklärte Bhittani:

In der Armee ist Korruption weit verbreitet. Die Regierungskräfte haben kaum lokale Unterstützung, da sie mit beinahe wöchentlich stattfindenden Massakern in Verbindung gesetzt werden. Hinzu kommt, dass das Geständnis des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, wonach die Taliban nicht zu besiegen sind, beflügelnd und bestätigend für die islamische Miliz wirkt.

Auch die US-Afghanistan-Politik hinterfragte der Experte. Er bemerkte:

Die afghanische Armee ist überhaupt nicht in der Lage, effektiv auf die Taliban zu reagieren. Die Armee wurde von der US-Politik nicht darauf ausgerichtet, die Taliban zurückzudrängen. Vielmehr soll sie mit einigen tausend Soldaten, die Kabul tatsächlich nur stellen kann, das Kern-Territorium der UN-gedeckten Regierung halten. Die ländlichen Gebiete Afghanistans werden von den Taliban regelmäßig überrannt.