Südkorea: Nach Verhaftung der ehemaligen Präsidentin steht die Zukunft Samsungs auf dem Spiel

Südkorea: Nach Verhaftung der ehemaligen Präsidentin steht die Zukunft Samsungs auf dem Spiel
Der Samsung-Erbe Lee Jae-yong wird vor einer Gerichtsanhörung im Jae-yong-Gericht von Journalisten bedrängt; Seoul, Südkorea, 18. Januar 2017.
Die Verhaftung der ehemaligen Präsidentin Park ist die bislang dritte eines südkoreanischen Staatsoberhaupts. Auch Samsung und andere Großkonzerne zittern. Anfang April steht der Erbe des wirtschaftlichen Flaggschiffs vor Gericht. Wird es das Ende einer Ära?

Die Südkoreaner lieben ihre Telenovelas. Aber dieser Tage bescheren die Nachrichten ihnen ungleich mehr Gänsehaut. Ein koreanisches Sprichwort besagt: "Auch Affen fallen mal vom Baum." Soll heißen: Auch ein Meister macht mal Fehler. Aber ein Fall des Meisters Samsung? Ein Albtraum für ein Land, welches sich selbst auch als "Samsung-Nation" bezeichnet. Der Konzern ist der größte Südkoreas und findet sich in allen Lebenssparten wieder. Für Südkoreaner ist es unmöglich, den Alltag ohne ein Produkt von Samsung zu bestreiten: Mobiltelefone, Fernseher, Bauten, Uhren, infolge entsprechender Investitionen Kleider, Versicherungen... Auch ein Fünftel der Exporte Südkoreas sind Samsung-Produkte. 

Bereits Ende 2016 zeichnete sich ab, dass Südkorea über längere Zeit faktisch von einer Gruppe von Schamanen geleitet wurde, denn die ehemalige Präsidentin war seit ihrer Jugend eng mit einer Sekte verbandelt. Ihre Jugendfreundin Choi wurde zu ihrer engsten Vertrauten. Sie teilte mit ihr Staatsgeheimnisse und machte sie zur finanziellen Nutznießerin ihrer Position, die Choi auch eine Annahme von Steuergeldern ermöglichte.

Auch der Samsung Erbe Lee Jae-yong geriet Mitte Februar in Haft. Er soll der Vertrauten der ehemaligen südkoreanischen Präsidentin nicht weniger als 20,4 Milliarden Won (umgerechnet 17 Millionen Euro) in ihre Stiftungen eingezahlt haben, um sich die Gunst der südkoreanischen Regierung unter Präsidentin Park zu erkaufen. Die Bestechungsgelder sollten dabei helfen, eine umstrittene Fusion durchzubringen. Ingesamt hatte Lee der Mittelsfrau Choi 43,4 Milliarden Won versprochen - umgerechnet 36 Millionen Euro.

Park während eines ASEAN-Gipfeltreffens in Naypyidaw; Burma, 13. November 2014.

Die Präsidentin wurde in der Nacht auf Freitag in Haft genommen, nachdem Parlament und Verfassungsgericht die erforderlichen Schritte gesetzt hatten, um sie ihres Amtes zu entheben. Die Amtsenthebung macht den Weg für eine Anklage und mögliche Verurteilung frei. Insgesamt 69 Millionen US-Dollar soll Park zusammen mit Choi von den so genannten Chaebols, den südkoreanischen Familienunternehmen, erbeutet haben. Ein immenser wirtschaftlicher Schaden. Der Schritt, einen Samsung-Erben und den De-facto-Nachfolger des derzeitigen Chefs in Haft zu nehmen, ist jedoch ein Schock für die südkoreanische Wirtschaft. Samsung wurde schließlich zum Symbol eines starken und modernen Südkoreas.

Lee weist bisher alle Anschuldigungen von sich. Die Gerichtsverhandlungen um Samsungs Schmiergelder sollen am 7. April beginnen. Der Verlust an Ansehen und der wirtschaftliche Schaden für Südkorea und dessen mächtige Konzerne sind immens. Die Bevölkerung erhofft sich nun von den Neuwahlen auch einen Neubeginn. In den regionalen politischen Wirbelsturm mischen sich nun auch die aggressiven Akte Nordkoreas und wirtschaftliche Repressalien Chinas, das sich durch die Aufstellung eines amerikanischen Raketenabwehrsystems und Kriegs-Manövern zwischen Amerikanern und Südkoreanern bedrängt fühlt.

US-Außenminister Rex Tillerson besucht in Begleitung des amerikanischen Generals Vincent Brooks die Grenze zu Nord-Korea, 17. März 2017.

Der Samsung-Erbe führt seine Geschäfte vom Gefängnis aus weiter. In einem separaten Zimmer hat er das Privileg, seine Anwälte zu jeder Zeit und unbeschränkt zu konsultieren und Entscheidungen zu treffen. Ob er die Geschäfte weiterführen kann, wird das Samsung-Management erst nach den Gerichtsverhandlungen entscheiden. Er teilt sich die Zelle mit einem selbst ernannten Kannibalen, der wegen 20 Morden verurteilt wurde und nun auf die Vollstreckung seines Todesurteils wartet, sowie dem ehemaligen Stabschef Parks, Kim Ki-choon. Ohne ein Mobiltelefon und ohne Internet blickt Lee nun Tag und Nacht auf ein Konkurrenzprodukt der Firma LG, welches nur TV-Programme liefert, die von der Gefängnisaufsicht genehmigt wurden.