Mit oder ohne US-Sanktionen: Nordkorea will die Atombombe

Mit oder ohne US-Sanktionen: Nordkorea will die Atombombe
Kim Jong-Un raucht eine Zigarette in der Kommandozentrale nach dem Start einer Unha-3 Rakete; Nordkorea, Pjöngjang, 12. Dezember 2012.
Nordkorea unternahm einen weiteren Raketentest, diesmal schlug er fehl. Eines Tages wird Pjöngjang in der Lage sein, einen Nuklearwaffensprengkopf auf eine Langstreckenrakete zu montieren. Auch Sanktionen zu lockern wird Pjöngjang nicht umstimmen.

Am Mittwoch übergab Südkorea in einer feierlichen Zeremonie die sterblichen Überreste von 28 chinesischen Soldaten, die während des Korea-Krieges ihr Leben ließen. Vor mehr als sechs Jahrzehnten, in den Jahren von 1950 bis 1953, sind schätzungsweise mehr als 180.000 chinesische Soldaten während dieses Waffenganges ums Leben gekommen. 

Das heutige Ereignis erinnert einmal mehr an den nicht enden wollenden Konflikt zwischen Süd- und Nordkorea. Bis heute hält zwischen beiden Ländern ein Zustand des Kalten Krieges an. Die Zeremonie sollte auch eine Geste der Versöhnung vonseiten Südkoreas darstellen. Die Aufstellung eines US-THAAD-Raketenabwehrsystems vor wenigen Wochen auf südkoreanischem Boden hatte schwere Spannungen mit China verursacht.

Nordkoreanischer Raketentriebwerkstest, Nordkorea, 19. März 2017

Aber an diesem Morgen war es Pjöngjang, das die Totenruhe stören sollte. Nordkoreas Armee feuerte eine Rakete von der an der Ostküste des Landes gelegenen Wonsan Air Base gen Himmel.

Der Raketengruß aus der Gangwon Provinz misslang jedoch. Schon kurz nach dem Start explodierte die Rakete. Das südkoreanische Militär und US-Streitkräfte, die sich derzeit inmitten ihres großangelegten alljährlichen Militärmanövers unter dem Titel Foal Eagle in Südkorea befinden, versuchen derzeit noch, den Typ der Rakete zu bestimmen, während Pjöngjang weiter mit der Arbeit an der atomaren Langstreckenoption voranschreitet. 

Der US-Außenminister Rex Tillerson machte jüngst auf seiner Asientour in Japan, Südkorea und China deutlich, dass alle Optionen für eine Lösung gegen die erstarkende nordkoreanische Führung auf dem Tisch lägen. Auch die militärische Option sei nicht ausgeschlossen.

Auch China hat von Beginn an die nordkoreanischen Raketentests verurteilt. Aber Pjöngjang will an seinem erklärten Ziel festhalten und beschreitet unaufhaltsam seinen Weg hin zur Atombombe.

Rex Tillerson machte deutlich, dass die Politik der vergangenen zwanzig Jahre gegenüber Nordkorea versagt hat. Aber wie seine Vorgänger sieht auch er China in der Pflicht, Nordkorea zu einem Kurswechsel zu bewegen. Die Reichweite des Einflusses Pekings auf Kim Jong-un ist allerdings fraglich. Während dessen Vater Kim Jong-il enge Verbindungen zu China unterhielt, ist Kim Jong-un während seiner Amtszeit bislang noch nie dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping begegnet.

Der Mord an Kim Jong-uns Halbbruder Kim Jong-nam in Malaysia führte zusätzlich zu Diskussionen um die diplomatischen Verbindungen zwischen China und Nordkorea. Denn Kim Jong-nam, der sich schon lange um seine Sicherheit und die seiner Familie gesorgt hatte, war Pekings Trumpfkarte für den Fall eines Zusammenbruchs der DPRK. Kim Jong-nam wohnte im chinesischen Macau.

US-Außenminister Rex Tillerson (L) und der chinesische Präsident Xi Jinping bei ihrem Treffen in Beijing.

China unternahm unter dem Eindruck dieses Vorfalls einen vorsichtigen Schritt in Richtung Washington und sanktionierte Kohleimporte aus Nordkorea. Bis heute ist China der wichtigste Handelspartner des isolierten Landes. Rund 90 Prozent aller nordkoreanischen Exporte gehen nach China.

Nordkorea ist für die Regierung Pekings zudem eine Pufferzone, die das Land von US-Streitkräften trennt. Der Konflikt im Südchinesischen Meer, in dem die Amerikaner augenscheinlich Position für japanische Interessen bezogen haben, wird China tendenziell davon abschrecken, gegenüber Pjöngjang im Sinne von US-Interessen zu handeln. China fürchtet einen Zusammenbruch Nordkoreas und hat bereits seit Längerem Truppen entlang der Grenzen aufgestellt, die Flüchtlingsströme kontrollieren sollen. Unterdessen wird die amerikanische Drohung, Nordkorea von den weltweiten Finanzsystemen abzuschneiden, Pjöngjang nicht umstimmen. 

Der Tag, an dem Nordkorea in der Lage sein wird, einen Nuklearwaffensprengkopf auf einer Langstreckenrakete zu platzieren, rückt derweil immer näher. Vorherige Raketentests hatten US-Stützpunkte in Japan im Visier, das erste Ziel auf US-Boden, welches Nordkorea dann versuchen wird, anzuvisieren, ist Alaska.

Der chinesische Außenminister Hua Chunying skizzierte jüngst zwei mögliche Lösungen zu der sich zuspitzenden Problematik. Entweder die Parteien lassen die Situation bis hin zum Krieg eskalieren, oder man bediene sich der Diplomatie und versuche sich an der Deeskalation. Aber hierzu müssten alle involvierten Parteien die Entspannung suchen. 

Wird sich die Geschichte auf der koreanischen Halbinsel wiederholen? Während des Korea-Kriegs kämpften Nordkorea und China gegen Südkorea, welches von US-Streitkräften unterstützt wurde. Vertraglich ist China zur Verteidigung Nordkoreas verpflichtet. Ein Angriff auf nordkoreanische Nuklearanlagen hätte unabsehbare Folgen.