Military Swarming: US-Drohnen für den Krieg gegen den nordkoreanischen Nachbarn

Military Swarming: US-Drohnen für den Krieg gegen den nordkoreanischen Nachbarn
Gefährliche Ladung: Drei 500-Pfund-Bomben warten darauf, auf eine US-Drohne geladen zu werden. Amerikanischer Stützpunkt Kandahar, Afghanistan, 9. März 2016.
Ein weiterer Schritt zur Eskalation auf der koreanischen Halbinsel: Die Amerikaner haben damit begonnen, Drohnen für den Krieg gegen den Norden zu liefern. Die Südkoreaner wollen neue Kriegstaktiken erkunden und den Angriff per Schwarmtechnik erproben.

Nachdem die Amerikaner ungeachtet zahlreicher Proteste bereits Teile des THAAD-Raketenabwehrsystem geliefert haben, folgen nun amerikanische Drohnen-Lieferungen an ihre südkoreanischen Verbündeten.

Die Drohnen vom Typ Gray Eagle Unmanned Aerial System laufen auch unter dem Namen "Himmelskrieger" (Sky Warrior). Die Drohne soll die Reichweite der Möglichkeiten im Gefecht sowie die Aufklärungskapazitäten in der Region erhöhen. Ein genauer Zeitpunkt der Lieferung wurde nicht bekannt gegeben.

Nordkorea unternahm seit Beginn des Jahres zwei Nukleartests und eine Reihe von Raketentests, die auch US-Stützpunkte in Japan zum Ziel hatten. Japan diskutierte daraufhin einen Präventivschlag. Artikel 9 der japanischen Verfassung verbietet Japan den Eintritt in einen Krieg. Unter der Regierung Abes wurde die Bestimmung, die nach dem Zweiten Weltkrieg ein wiedererstarkendes Japan verhindern sollte, angepasst und erlaubt von nun an den Krieg zur Selbstverteidigung. Abes Regierungspartei, die LDP (Liberal-Demokratische Partei), argumentiert, dass ein Erstschlag allein der Selbstverteidigung dienen würde.

Auf einer Militärparade zum 70-jährigen Gedenken des Zweiten Weltkriegsendes wird eine Drohne vom Typ Pterodactyl I präsentiert , Peking, China, 3.September 2015. RLee

Auf der Suche nach Optionen im Fall eines Krieges gegen den nordkoreanischen Nachbarn will Südkorea nun über die Kampfdrohnenlieferung hinaus auch das so genannte Military Swarming testen. Dieser Begriff umschreibt den Angriff eines Drohnenschwarms, der mit Sprengstoff ausgerüstet ist. In China, Russland und den USA ist diese Technik Teil der Militärstrategie.

Zunächst wird Südkorea amerikanische Coyote-Drohnen der Firma Raytheon erwerben. Diese Drohnen sind in der Lage, bis zu ein Kilogramm an Explosionsmaterial zu transportieren - bei Kapazitäten für einen 90-minütigen Flug mit 100 Stundenkilometern. Eigene Forschungsprojekte der südkoreanischen Regierung zum Drohnenkrieg sind ebenfalls in Planung. Trotz der Isolation Nordkoreas glauben südkoreanische Militärexperten, dass Pjöngjang längst auch selbst im Besitz von kampfbereiten Drohnen ist.

Das Military Swarming wird den Krieg von Morgen verändern. Die Vorherrschaft in der Technik wird dann kriegsentscheidend sein. Während des chinesischen Laternenfests im Februar 2017 präsentierten die Chinesen in Guangzhou eine Formation von 1.000 Drohnen auf der Flugshow von Guangzhou. Mit dieser Vorführung brach China alle Rekorde. 

Über dem Himmel Kaliforniens testete indessen das Pentagon im Oktober 2016 den Militärschwarm. Man setzte dabei 103 Perdix-Drohnen mithilfe so genannter F/A-18 Super Hornets frei. Der Schwarm verfügte über kollektive Entscheidungskapazitäten sowie die Fähigkeiten zu adaptiven Formationsflügen und zur Selbstregeneration. Dabei fungieren die Drohnen als Team ohne einen Anführer. Auf diese Weise können neue Drohnen schnell in den Schwarm eingefügt oder aus diesem herausgenommen werden. Der Test im Kleinen zeigt, welche Gewalt die Gegner zu erwarten haben, wenn sich diese Technik auf große Drohnen wie den Himmelskrieger übertragen ließe.

Ein Prototyp des

Derzeit proben amerikanische und südkoreanische Soldaten den schwierigen Krieg gegen die nordkoreanische Atommacht. Der Operation unter dem Namen Foal Eagle wird nun auch die US-Spezialeinheit Navy Seal Team Six beiwohnen. Das berüchtigte Team hatte 2011 Osama Bin Laden unschädlich gemacht. Dem Einsatz des Team Six ging eine Aufspürübung durch Drohnen voraus: eine ungewöhnliche Entwicklung bei den jährlichen Manövern, die einmal mehr aufzeigt, wie ernst die Lage in der Region ist.

Gegenüber der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap äußerte sich ein südkoreanischer Offizieller der Armee mit dem Wunsch, nicht namentlich genannt zu werden:

Eine größere Zahl von mehr und mehr diversen amerikanischen Spezialeinheiten wird an den diesjährigen Übungen Foal Eagle und Key Resolve Übungen teilnehmen.

Das Großmanöver wird noch bis Ende April weitergeführt. Für Pjöngjang und auch Peking ist die Veranstaltung eine Provokation. 

Am 9. Mai werden in Südkorea Neuwahlen stattfinden. Bürger und Gegner der abgesetzten Präsidentin Park kritisieren, dass sie vor vollendete Tatsachen gestellt wurden und das umstrittene THAAD-Raketenabwehrsystem noch vor ihrer Stimmabgabe zur Realität wurde. Bisher liefern Drohnen den isolierten Nordkoreanern Speicherkarten und USB-Unterhaltung in Form von südkoreanischer Popmusik, Fernsehsendungen und Filmen. Sie bieten aber auch Zugang zu Nachrichten oder den Dokumenten Wikipedias.

Aktivisten für ein geeintes Korea sehen diese Drohnen als Friedens-Missionare. Mit einem weiteren Aufheizen der angespannten Lage auf der koreanischen Halbinsel könnten aber bald schon Militärdrohnen den Himmel über Nordkorea beherrschen.

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