Ein Köder für die Freiheit? Südkorea erhöht Belohnung für nordkoreanische Überläufer

Ein Köder für die Freiheit? Südkorea erhöht Belohnung für nordkoreanische Überläufer
Drei Nordkoreaner werden von Südkorea über die DMZ, die Demilitarisierte Zone, an Nordkorea rücküberführt, nachdem sie Schiffbruch erlitten hatten und von südkoreanischen Einheiten gerettet wurden; 5. Juli 2013
In der Hoffnung auf wertvolle Insiderinformationen bietet die Regierung Seouls attraktivere Belohnungen für Abtrünnige aus den Rängen des nordkoreanischen Staatsapparates. Malaysia warf unterdessen den nordkoreanischen Botschafter aus dem Land.

Die so genannte Demilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea macht ihrem Namen keine Ehre. Sie ist eine der am schwersten bewachten Grenzen weltweit. Hier sehen sich 600.000 südkoreanische Soldaten und 28.500 US-Soldaten an ihrer Seite etwa 770.000 nordkoreanischen Soldaten gegenüber. Der Krieg zwischen den beiden Ländern endete vor mehr als 60 Jahren, einen offiziellen Friedensschluss aber hat es nie gegeben. 

Mit bis zu 820.000 Euro will Seoul künftig auch noch den Landesverrat an der nordkoreanischen Regierung belohnen. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap gab an, dass viele Nordkoreaner aus politisch verantwortlichen Bereichen den Schritt in den freien Süden fürchteten, da dort ihr Auskommen nicht gesichert sei. Dem will Seoul mittels einer Erhöhung der Belohnung entgegenwirken. Es ist das erste Mal seit 20 Jahren, dass die südkoreanische Regierung die angebotene Summe für nordkoreanische Landesverräter angehoben hat.

Kim Jong-Un beobachtet den Start einer Langstreckenrakete; 7. Februar 2016.

Südkorea, Japan und die USA sehen sich als Ziel nordkoreanischer Aggressionen. Nach erneuten Raketentests Pjöngjangs hob Japan die allgemeine Alarmstufe an. Auch China verurteilte den Nordkoreas jüngsten Abschuss von vier Raketen. Zugleich mahnte Peking jedoch auch, dass alle Parteien Ruhe bewahren sollten. Geng Shuang, der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, erklärte während einer Pressekonferenz:

China verurteilt die Raketenstarts der DPRK, da diese gegen die Regeln des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen verstoßen. Unter den gegebenen Umständen sollten sich die betroffenen Parteien jedoch zurückhalten und jede Form von Provokation des Anderen vermeiden, und nicht zu weiteren Spannungen in der Region beitragen.

Der Abschuss der Raketen wird gemeinhin als eine Antwort Nordkoreas auf die Militärübungen zwischen südkoreanischen und US-amerikanischen Soldaten gewertet. Die Übungen unter dem Namen Foul Eagle dauern drei Monate an und sind ein Probelauf auf einen möglichen Sturm in Richtung Norden. Der US-amerikanische Nordkorea-Experte Bruce Bennett sieht in dem aggressiveren Auftreten Nordkoreas auch eine Antwort auf den chinesischen Importstopp nordkoreanischer Kohlelieferungen.

US-Präsident Donald Trump will das US-Militär

Nordkoreas Staatschef Kim Jong-Un sieht sich international immer weiter in die Ecke gedrängt. Dem nordkoreanischen Botschafter und dessen Gefolge blieben am Montag 48 Stunden Zeit, um die Botschaft in Malaysia zu verlassen. Das südostasiatische Land sah sich zum Handeln genötigt, nachdem mutmaßliche nordkoreanische Agenten in Kuala Lumpur den in seiner Heimat in Ungnade gefallenen Halbbruder Kim Jong-Uns ermordet haben sollen.

Der bekannteste Überläufer ist jedoch der ehemalige Botschafter Nordkoreas in London, Thae Yong Ho, der das baldige Ende der Regentschaft Kim Jong-Uns vorhersagt. Trotz aller Einschränkungen hätten es unter anderem von der Regierung nicht gebilligte Unterhaltungsformate aus China und Südkorea in die Herzen der Nordkoreaner geschafft. Thae selbst hatte nach eigenen Worten erst dadurch erlernt, was Freiheit und Demokratie bedeuten.

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