Massaker in Myanmar: Vereinte Nationen prangern Gewalt gegen die Volksgruppe der Rohingya an

Massaker in Myanmar: Vereinte Nationen prangern Gewalt gegen die Volksgruppe der Rohingya an
Rohingya-Flüchtlinge in Kutupalong, Bangladesch; 21. Februar 2017.
Die Rohingya werden verfolgt und ausgegrenzt. Berichten zufolge hat Myanmar sich eines Verbrechens gegen die Menschheit schuldig gemacht. Dhaka will die 400.000 nach Bangladesh geflüchteten Angehörigen der Minderheit auf eine unbewohnte Insel verfrachten.

Die Rohingya sind eine muslimische Ethnie, deren Angehörige heute vornehmlich in Bangladesch und Myanmar leben. In Bangladesch leben sie als Flüchtlinge, da ihnen das mehrheitlich buddhistische Myanmar die Staatsbürgerschaft verweigert.

Die Regierung in Myanmar bezeichnet die Rohingyas als "Bengalis" und besiegelt damit die Staatenlosigkeit der Volksgruppe. Es fehlen auch die geschichtliche Belege, um den Ursprung der Rohingyas zu eruieren und diese im Kampf um Anerkennung zu unterstützen.

Das Leid der Volksgruppe begann 1982, als die Regierung Myanmars sie zu offiziell zu Staatenlosen machte. Am 9. Oktober 2016 ermordeten Unbekannte neun Grenzpolizisten in Myanmar. Für die Bluttat machten Behörden und Politiker letztendlich die Rohingyas verantwortlich.

Seit 2012 waren vermehrt Gewaltausbrüchen gegen die Rohingya zu verzeichnen. In einer offiziell als Razzia gegen militante Rohingyas beschriebenen Offensive 2016 kam es zu einem Gewaltexzess gegen die ethnische Minderheit, welche die Vereinten Nationen als ethnische Säuberung bezeichneten.

Diejenigen, die sich vor der Gewalt nach Bangladesch retten konnten, beschrieben unfassbare Gräueltaten gegen ihre Volksgruppe. Die Rede war von Massenvergewaltigungen, Hinrichtungen und Kindern, die in brennende Häuser geworfen wurden.

Myanmar: Einheimische greifen Militärs an - acht Menschen tot

Schätzungsweise 400.000 Rohingyas haben in Bangladesch Zuflucht gesucht. Aber Bangladesch überlässt die Flüchtlinge sich selbst. Nur 34.000 davon leben in offiziellen Flüchtlingsunterkünften, die sie mit dem Nötigsten versorgen.

Um das Überleben zu sichern, bleibt allein der Weg in die Kriminalität. Die "verrückte Medizin", wie die Droge Ya Ba genannt wird, erfuhr durch die Rohingya in Bangladesch einen Boom. Der Handel mit den Pillen macht einen jährlichen Umsatz von drei Milliarden US-Dollar aus. Die Regierung Dhakas will sich des Problems entledigen und einen umstrittenen Plan durchsetzen, der vorsieht, die Menschen auf eine Insel zu verfrachten. 

Thengar Char heißt das Niemansland, auf welches die Rohingya verschifft werden sollen. Im Golf von Bengalen gelegen, wird die 2.430 Hektar große Insel bisher nur von Vögeln frequentiert und ist während des Monsuns nicht bewohnbar. Auch die Flut überschwemmt regelmäßig Großteile der Insel. Gelegentlich schauen auch Piraten hier vorbei.  

Die Kampagne WeAreAllRohingyaNow hat seit Jahren versucht, Regierungen zum Schutz der Volksgruppe zu bewegen. Nach erfolgloser Suche wandten sie sich nun an Großkonzerne. Die Firma Unilever, die in Myanmar tätig ist, hat sich bereit erklärt, den Kampf, wenn auch zunächst nur in Form eines Briefes an die Regierung, zu unterstützen. Der Anschluss der Firma an die Kampagne erfolgte aber erst nach Druck in den sozialen Medien.

Kofi Annan stattete Myanmar 2016 einen Besuch ab, um im Konflikt zwischen Buddhisten und Muslimen zu vermitteln. Unter Buhrufen wurde er von den Bürgern Myanmars empfangen. Für die Rohingya ist die Gegend Rakhine ihre Heimat, aber diese wird ebenfalls von Buddhisten beansprucht. Der Leiter der Rohingya Organisation, Abdul Rasheed, erklärt

Rohingya sind keine illegalen Immigranten, denn die Rohingya kamen nicht nach der Unabhängigkeit dieses Landes. Wir sind die Eingeborenen dieses Landes.

Im Jahr 1948 erhielt Myanmar seine Unabhängigkeit. U Wara Thara, ein Mönch aus Rakhine, spricht für die Einstellung der Buddhisten:

Dieses Land gehört uns, den Buddhisten, den Menschen von Rakhine. Wir machen nur sieben Prozent der Bevölkerung aus. Da ihre Anzahl [die der Rohingya] wächst, sollten sie nicht mehr hier sein. Wenn sie hier ehrlich wohnen würden, dann würde uns dies nicht tangieren, aber sie beanspruchen unser Land.

Die Rohingya sind die größte staatenlose Gemeinschaft weltweit. In Myanmar traf bereits Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan auf Aung San Suu Kyi, die ebenfalls mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde und die inoffizielle Präsidentin des Landes ist. Offiziell kann sie den Posten des Regierungsoberhaupts nicht bekleiden, da ihre Söhne keine Staatsbürger Myanmars sind.

Ausgezeichnet wurde Aung San Suu Kyi für ihren gewaltfreien Kampf für das Ende der Militärdiktatur. Am 14. September 2016 gab der damalige US-Präsident Barack Obama ungeachtet der Warnungen vor Verbrechen gegen die Rohingya bekannt, dass die Sanktionen gegen Myanmar aufgehoben werden würden. Dies soll internationalen Firmen der Weg in das ehemalige Burma ebnen. 

ForumVostok
MAKS 2017