Internationale Kriegsspiele: Südkoreaner und Amerikaner proben den Militärschlag gegen den Norden

Internationale Kriegsspiele: Südkoreaner und Amerikaner proben den Militärschlag gegen den Norden
Schiffe der US-amerikanischen und der südkoreanischen Marine während eines Foal-Eagle-Manövers in Südkorea, 24. März 2016.
Unter Protesten der Bevölkerung haben die alljährlichen gemeinsamen Kriegsspiele Südkoreas und der USA begonnen. Die Verbündeten fahren Kriegsgerät für einen möglichen Krieg gegen Pjöngjang auf. Nordkorea baut weiter an der Bombe und warnt vor Provokationen.

Die Kriegsspiele tragen den verniedlichenden Namen Foal Eagle, also Fohlen-Adler, und stellen ein jährliches gemeinsames Militärmanöver von südkoreanischen und US-amerikanischen Streitkräften dar. Die Führung in Pjöngjang, so könnte man meinen, ist bereits an die Kriegsspiele vor ihrer Haustür gewohnt.

Doch die Südkoreaner gingen aus Angst vor einer Eskalation auf die Straße und machten ihrem Frust vor der US-Botschaft in Seoul Luft. Ihre Stimmen aber blieben bisher ungehört und so nimmt die Aufrüstung gegen den Norden ihren Lauf. Eine friedliche Wiedervereinigung scheint in weite Ferne gerückt zu sein.

Chinesische Touristen in einem Duty-Free-Einkaufszentrum der Firma Lotte in Seoul, Südkorea; 21. Februar 2016.

Der US-Verteidigungsminister James Mattis brachte in einem Telefonat vor dem Beginn der Übungen gegenüber seinem südkoreanischen Pendant, Han Min-Koo, gegenüber zum Ausdruck, dass die USA im Ernstfall an der Seite Südkoreas stünden.

Der südkoreanische Übergangspräsident Hwang Kyo-Ahn versprach unterdessen, dass sein Land jeder Form von Provokation aus dem Norden entsprechend entgegenwirkt. Hwang hofft zudem auf strengere UN-Sanktionen gegen Nordkorea:

Die Regierung wird alles daran setzen, um Nordkorea deutlich zu machen, dass seine Nuklearwaffen gegenüber einer starken Allianz mit den USA, die Aufstellung eines Raketenabwehrsystems mit eingeschlossen, nutzlos sind.

Die neuen Manöver fallen in unsichere Zeiten. Nordkorea hatte wiederholt Raketentests abgehalten, Südkorea will zum Schutz ein amerikanisches Raketenabwehrsystem aufstellen und China sieht sich zwischen den Stühlen.

Die südkoreanische Firma Lotte hat am Montag den dafür vorgesehenen Landtausch genehmigt und den Weg für das US-THAAD-System geebnet. Ein Lotte-Golfplatz soll dem Militärgerät weichen. Erste Repressalien gegen die Firma durch China, das sich in seiner Freundschaft mit Südkorea verraten sieht, folgten bereits Ende des vergangenen Jahres.

Die Volksrepublik stoppte unter anderem ein Bauvorhaben der Lotte-Gruppe auf chinesischem Territorium und hielt die chinesische Bevölkerung dazu an, während ihres Südkorea-Urlaubs nicht in einem der zollfreien Lotte-Geschäfte zu konsumieren. Die Regierung Chinas lehnt jedoch ebenfalls den Weg Nordkoreas hin zur Atombombe ab und sanktionierte jüngst in diesem Zusammenhang nordkoreanische Kohleimporte. China ist aber auch strikt gegen eine US-amerikanische Einflussnahme auf der koreanischen Halbinsel.

Nordkoreanische KPA-Einheiten starten Raketen von MLRS-Geschosswerfern. Pjöngjang, 12. Dezember 2016.

Die nunmehrigen gemeinsamen Manöver Washingtons und Seouls bieten all jenes Kriegsgerät auf, welches für den Ernstfall gegen den Norden notwendig wäre. Die Einheiten proben den Krieg auf dem Boden, in der Luft und zu Wasser. Aufgefahren wird die 317 Meter lange USS Carl Vinscon (CVN-70), ein nuklerangetriebener Flugzeugträger, ein X-band Radarsystem, strategische Langstreckenbomber des Typs B-1B sowie Kampfflugzeuge der Typen F-22 und F-35B. Auch das umstrittene THAAD-System soll in einen Test involviert sein. 

Die nordkoreanische Zeitung Rodong Sinmun schreibt zu dem Vorhaben:

Solange die Übung nicht abgesagt wird, werden wir mit der Stärkung unserer nationalen Abwehr, die sich auf die nukleare Schlagkraft konzentriert, fortfahren, um unser Land zu verteidigen. 

Im vergangenen Jahr nahmen etwa 300.000 südkoreanische Soldaten und 17.000 Amerikaner an Foal Eagle teil. Bis Ende April werden die Übungen noch andauern. Am 13. März schließt sich zudem eine Übung  mit dem Namen Key Resolve an, denn auch der Cyberkrieg darf in einer modernen Militärübung nicht zu kurz kommen.

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