Alles für die Wissenschaft? China baut größte Tiefseestation im Südchinesischen Meer

Alles für die Wissenschaft? China baut größte Tiefseestation im Südchinesischen Meer
Traditioneller chinesischer Löwentanz unter Wasser zum Beginn des Chinesischen Neujahrs, Kuala Lumpur, 27. Januar 2017.
Peking baut an der weltweit größten Unterwasserplattform im Konfliktgebiet des Südchinesischen Meeres. Die chinesische Regierung hofft auf die Erschließung der Bodenschätze der Tiefsee. Die Amerikaner sehen hierin hingegen militärische Interessen Chinas.

Ein Drittel des globalen Frachtverkehrs zu Wasser führt durch das Südchinesische Meer. Große Mengen natürlicher Öl- und Gasvorkommen machen die Region attraktiv. Aus diesem Grund beanspruchen China und Japan, aber auch die Philippinen, Vietnam, Malaysia, Brunei und Taiwan die Gewässer für sich. Die japanischen Territorialansprüche werden militärisch durch die USA unterstützt. Ein Wettrüsten zwischen Amerikanern und Chinesen hat begonnen. 

Die nun ins Auge gefasste ozeanische Weltraumstation, die 3.000 Meter unter dem Meeresspiegel liegt, wäre bei Fertigstellung die einzige Forschungsstation ihrer Art weltweit. Ein Prestige-Projekt für die Regierung der Volksrepublik, die internationale Wissenschaftler geladen hatte, um das Projekt zu planen und umzusetzen.

Die Unterwasserplattform, die China ohne genaue Angabe des genauen Standortes baut, soll die geologischen Gegebenheiten erforschen, um Kenntnisse über die Bodenschätze zu erlangen. Diesem Vorhaben ging ein internationales Probebohrprojekt voraus, an dem 33 Forscher aus 13 Ländern teilnahmen. Unter diesen waren auch Amerikaner, Franzosen, Italiener und Japaner. 

Für die Dauer eines Monats wird die Station später 12 Wissenschaftler beheimaten. Als Teil des internationalen Meeresforschungsprogramms International Ocean Discovery Program werden im Norden des Südchinesischen Meeres Forscher die Ausweitung der Gesteinsrinde durch das Auseinanderbrechen der Kontinente erforschen. Hierzu legen sie vier Bohrlöcher an. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua gab bekannt, dass eine erste Bohrung 3.770 Meter unter dem Meeresspiegel erfolgreich abgeschlossen wurde. Die Plattform soll die wissenschaftliche Arbeit der Tongji Universität und die des Instituts für Akustik in Shanghai unterstützen.  

Gruppenbild der ASEAN-Außenminister während einer Konferenz auf den Philippinen; Borocay, 21. Februar 2017.

Auf einer internationalen Wissenschaftskonferenz sagte der chinesische Präsident Xi Jinping im vergangenen Sommer: 

Die Tiefsee verbirgt unerforschte und unentwickelte Schätze. Um diese zu bergen, müssen wir die Kontrolle über die Technologie haben, die es uns ermöglicht, in die Tiefsee vorzustoßen und diese zu erforschen.

Die amerikanische Energieinformationsbehörde schätzt, dass die Tiefsee der Region etwa 11 Milliarden Tonnen Öl hortet und unzählige natürliche Gasvorkommen. Bloomberg veröffentlichte zu dem geplanten Bau einen Artikel, der kritisierte, dass die Tiefseestation für militärische Zwecke gebaut würde. Diese schaffe eine "neue Chinesische Mauer unter Wasser", um US-amerikanische und russische U-Boote aufzuspüren. Xu Liping, ein Wissenschaftler mit dem Südchinesischen Meer als Spezialgebiet, kann dieser These nicht ganz widersprechen: 

Das Ozean-Projekt ist eine wichtige Strategie für die chinesische Regierung. Aber die Unterwasserraumstation ist nicht dafür da, um gegen irgendein Land oder eine Region vorzugehen. Chinas Projekt ist vornehmlich für die zivile Nutzung bestimmt, aber wir können nicht ausschließen, dass es einige militärische Funktionen innehaben wird.

Aber auch über Wasser expandiert China innerhalb des Konfliktgebiets durch den Bau künstlicher Inseln, auf denen Peking Infrastruktur zur Abwehr militärischer Bedrohungen schafft. Washington ist sich sicher, dass die Volksrepublik die Inseln mit Kriegsgerät aufrüstet. Die 20 Meter langen und zehn Meter hohen Gebäude wären dafür gebaut worden, um Raketenbatterien unter den Dächern zu stationieren. Die Inseln verfügen ebenfalls über Landebahnen.

Die chinesische Regierung betrachtet die US-amerikanischen Aktivitäten im Südchinesischen Meer mit Argwohn und sorgt sich darum, von amerikanischen Streitkräften umzingelt zu werden. US-Kriegsschiffe patrouillieren nun wiederum vor Chinas Haustür und bezeichnen dies als reine Routine. Für China aber ist es eine Provokation, gegen die sich die Regierung rüsten muss. Peking warnte die USA, dass das Südchinesische Meer nicht die Karibik sei.