Zwischen Militärs und Monarchen: Die USA sorgen sich erstmals um die Demokratie in Thailand

Zwischen Militärs und Monarchen: Die USA sorgen sich erstmals um die Demokratie in Thailand
US-Admiral Harry Harris, Kommandant des Pazifikkommandos (links); der thailändische General der Streitkräfte, Surapong Suwana-Adth (Mitte) mit dem US-Botschafter in Thailand, Glyn Davies, während der Eröffnungszeremonie der "Cobra Gold"-Manöver in Chonburi, Thailand, 14. Februar 2017.
Thailand ist ein Land zwischen Militärdiktatur und Monarchie, gezeichnet von Putschen, blutigen Friedensbewegungen und Verfassungsänderungen. Anlässlich der jüngsten internationalen Militärübungen sorgen sich die Amerikaner nun um die Demokratie Thailands.

An den internationalen Übungen im Rahmen des Cobra-Gold-Manövers nehmen alljährlich mehrere Länder teil. In diesem Jahr sind es 29, die USA und Thailand sind die Gastgebernationen. Admiral Harry Harris, der oberste befehlshabende Offizier es US-Pazifikkommandos, nutzte die Gelegenheit und rief Thailand dazu auf, ein starker und verlässlicher Partner zu sein, der sich der Demokratie verschreibt. 

Die amerikanische Sorge um die Demokratie Thailands erscheint als etwas kurios in einem Land, das chronisch zwischen Monarchie und Militärdiktatur steht. Seit 2003 ist Thailand für die USA jedoch ein wichtiger Verbündeter außerhalb der NATO.

Die Cobra-Gold-Übungen werden mittlerweile bereits seit über 30 Jahren abgehalten. Auf thailändischem Hoheitsgebiet trifft hier amerikanisches Militär sogar auf chinesisches. Insgesamt 3.600 US-Soldaten sind mit von der Partie, wenn es in diesem Jahr offiziell heißt, zu trainieren für die regionale Sicherheit und eine effektive Antwort auf regionale Krisen, insbesondere in der indo-asiatisch-pazifischen Region. Einen solchen Krisenherd in der Region schafft unter anderem der Inselstreit um die Senkaku-Inseln, die auch China für sich beansprucht. Die Amerikaner hatten den Japanern versichert, sie gegen einen Zugriff vonseiten Chinas zu verteidigen. 

Eine Frau passiert ein Porträt des thailändischen Königs Maha Vajiralongkorn Bodindradebayavarangkun in Bangkok, Thailand, 13. Januar 2017.

Doch die USA sind sich ihrer Rolle in Thailand nicht mehr gewiss. Während eines Besuchs des früheren Präsidenten Obama in Thailand 2012 bezeichnete dieser den Tigerstaat als den ältesten Freund der USA in Asien. Die Beziehungen zwischen Thailand und den Vereinigten Staaten reichen tatsächlich auch bereits bis ins Jahr 1818 zurück. Das Land, das sich damals noch als Siam bezeichnete, schwankte seither machtpolitisch immer wieder zwischen dem Militär und der Monarchie.

König Rama VI., der 1910 bis 1925 regierte und seine Ausbildung in Großbritannien erlangt hatte, brachte sein Land dem westlichen Ausland ein Stück näher, in dem er den gregorianischen Kalender, Familiennamen für alle Bürger und eine Schulpflicht für Kinder zwischen sieben und 14 Jahren einführte. Er war es auch, der die bis heute berühmte Chulalongkorn Universität in Bangkok gründete. Als Namensgeber fungierte hierbei sein Vater. Es folgten Putschversuche des Militärs, die mit seiner Linie nicht einverstanden waren. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Siam zu den Siegermächten.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs schloss sich Thailand den Japanern an. Das Militärbündnis mit Japan kam jedoch einer Kriegserklärung an Amerikaner und Briten gleich. Der Überbringer der Kriegsnachricht hätte der damalige Botschafter Thailands in den USA sein sollen. Dieser aber verweigerte sich diesem Auftrag, während die thailändische Armee sich im Norden Malaysias britischen Truppen gegenüber sahen.

Der Widerstand gegen die Japaner in Thailand weitete sich in die Seri-Thai-Bewegung aus, angeführt von dem als sozialistischer Vordenker geltenden Politiker Pridi Phanomyong, der dem Land aus der absoluten in die konstitutionelle Monarchie verhalf.

Er wurde nach Kriegsende für kurze Zeit zum Premierminister und Thailand erhielt eine demokratische Verfassung. Zum Feind der USA wurden Thailand nach Ende des Krieges nicht erklärt, denn die Amerikaner sahen vielmehr den Nutzen des kleinen Landes. Von 1946 bis 2016 saß König Bhumibol auf dem thailändischen Thron und wurde damit zum längsten amtierenden König eines Verfassungsstaates. Während der Zeit Bhumibols erschütterten jedoch wiederholt Militärputsche das Land und der Koreakrieg vertiefte die Verbundenheit der Thailänder mit den amerikanischen Verbündeten. Thailändische Truppen folgten dem Ruf der Vereinten Nationen und starben im koreanischen Bürgerkrieg. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Verbindungen zwischen Thailand und den USA zunehmend intensiver. 

US-Soldaten tragen den Sarg mit den Überresten eines unidentifizierten US-Army Soldaten, zu einem Flugzeug auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Deutschland. Der Soldat war zuvor bei einem Bombenanschlag auf eine US-Militärbasis in Kuwait getötet worden, März 2001. .

Die erst seit kurz zuvor in Kraft befindliche demokratische Verfassung wurde vom Militär wieder außer Kraft gesetzt. Eine Friedensbewegung wurde 1952, im Kalten Krieg, vom Militär brutal niedergeschlagen. Während des Vietnamkriegs erlaubte Thailand dem amerikanischen Militär nicht nur die Nutzung seiner Flugplätze, sondern stellte auch eigene Soldaten für den Kampf zur Verfügung.

Als das Militär im Jahr 1973 abermals rücksichtslos eine von breiten Bevölkerungsschichten getragene Demokratiebewegung niederschlug, schritt der König ein und entmachtete das Militär. Doch sein Erfolg war nicht von Dauer. Es folgten Kämpfe gegen kommunistische Einflüsse, Rebellen und Freiheitsbewegungen. Aus US-amerikanischer Sicht litt das Verhältnis zu Thailand in den 1970er Jahren unter dem wachsenden Nationalismus im Land. In den 1980er und 1990er Jahren boomte die Wirtschaft und amerikanische Grosskonzerne wollten an dem Aufschwung teilhaben. Doch eine Deflationskrise folgte auf den Boom und die Amerikaner gaben ihrem Verbündeten eine finanzielle Spritze, die Thailand und den Amerikanern in ihren militärischen Interessen helfen sollte. 

Der jüngste Militärputsch 2014 kratzte abermals an der Verbindung zu den USA. Die Militärjunta gab an, sie wolle dem Land angesichts anhaltender Spannungen wieder den Frieden bringen und das Volk glücklich machen. Durch die Geschichte hat das Militär gelernt, den König als Popularitätssymbol zu wahren. Strenge Gesetze, die die Majestätsbeleidung ahnden, unterstreichen dies. Doch während Bhumibol als beim Volk beliebter Monarch bekannt war, muss sich sein Nachfolger diesbezüglich erst noch behaupten. Seit dem jüngsten Militärputsch haben die USA ihr militärisches Engagement in Thailand reduziert. Gegenüber der Japan Times fasste Panitan Wattanayagorn, ein Berater des thailändischen Verteidigungsministers, zusammen: 

Thailand ist ein kleines Land zwischen den Supermächten. Es muss die richtige Balance finden, um sicherzugehen, dass sich die Waage nicht zu sehr in eine Richtung bewegt.

Heute ist es der neue Monarch, der nach der Macht greift und sich eine absolute Monarchie zurückwünscht. Eine Verfassungsänderung von 2016 räumt hingegen der thailändischen Junta mehr Macht ein. Den Weg hin zu einer Demokratie sucht man in jedem Fall vergeblich.