Nordkorea: Weibliches Killerkommando hinter Mord in Kuala Lumpur vermutet

Nordkorea: Weibliches Killerkommando hinter Mord in Kuala Lumpur vermutet
Nordkoreanische Soldatinnen marschieren gemeinsam während einer Parade auf dem Kim-Il-Sung Platz in Pjöngjang, 27. Juli 2013.
Der Halbbruder des nordkoreanischen Führers Kim Jong Un wurde am Montag ermordet. Südkorea geht von einem Auftragsmord aus. Kim Jong Nam war Chinas Joker im Fall eines Umsturzes in Nordkorea. Ein hochrangiger Überläufer könnte der Nächste sein.

Der malaysische Polizeioffizier Fadzil Ahmat schildert, wie sich der Mord an dem 45 Jahre alten Kim Jong Nam den bisherigen Ermittlungsergebnissen zufolge zugetragen hat. Jemand hat das Gesicht des Opfers von hinten gegriffen, diesem wurde schwindelig und Kim Jong Nam suchte anschließend Hilfe beim Flughafenpersonal. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Notambulanz des Flughafens lieferten Sanitäter diesen in ein Krankenhaus ein, wo er anschließend verstarb. Zur Zeit des Angriffs befand sich das Opfer am Check-In-Schalter des internationalen Flughafen Kuala Lumpur und wollte zurück nach Macau fliegen. Ein Tuch oder eine Nadel - Genaueres ist nicht bestätigt -, versehen mit hochgiftigen Chemikalien, war die Todesursache.

Der Vorfall ereignete sich am Montag. Am Dienstag wurde der Tod Kim Jong Nams öffentlich verkündet. Er hatte ein falsches Ausweisdokument bei sich, der ihn als Kim Chol auswies. Derzeit führen Gerichtsmediziner eine Autopsie in einem malaysischen Krankenhaus durch. Anschließend ist davon auszugehen, dass der Leichnam seiner Familie in Macau übergeben werden wird.

Wie der südkoreanische Geheimdienst, der National Intelligence Service (NIS), nun bekannt gab, sollen zwei nordkoreanische Agentinnen für den Tod des Halbbruders Kim Jong Uns verantwortlich sein. Es ist nicht unüblich für das nordkoreanische Regime, Frauen als Agenten zu trainieren, die sich mittels vergifteter Nadeln oder Schüssen aus nächster Nähe der Feinde des Regimes entledigen. Die Agentinnen müssen schön sein und über einwandfreie Umgangsformen verfügen. 

In einigen Presseberichten wird von einer Frau gesprochen, die angeblich im Zusammenhang mit der Tat festgenommen wurde und aus Myanmar stammt. Die nordkoreanischen Medien schwiegen bisher zu dem Todesfall.

Wer aber war der Halbbruder des nordkoreanischen Führers? Kim Jong Nam lebte außerhalb der Demokratischen Volksrepublik im chinesischen Macau, das auch als Spielerparadies für Casino-Liebhaber bekannt ist. Er war auch als Playboy verschrieen mit einem Hang zu einem westlichen Lebensstil abseits der Vorstellungen des nordkoreanischen Regimes. Er hinterlässt zwei Frauen und drei Kinder.

Im Jahr 2001 versuchte der ungeliebte Sohn des ehemaligen nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il mit einem gefälschten Pass nach Japan einzureisen, um Disneyland zu besuchen. Dies brachte den mächtigen Vater gegen ihn auf und auch dessen Nachfolger, seinen Halbbruder. Kim Jong Nam hatte sich zuletzt auch öffentlich gegen das nordkoreanische Regime ausgesprochen und wurde als Joker der Chinesen für den Fall eines Regimesturzes in Nordkorea angesehen.

Der Fall der Ermordung ereignet sich aber auch in einer unsicheren Zeit für Südkorea. Das Land erlebt zurzeit massive innen- und außenpolitische Spannungen. Der Skandal um Präsidentin Park ist noch nicht passé und Nordkorea hat gerade erst mit einem erneuten Raketentest seine Schlagkraft unter Beweis gestellt.

Der US-amerikanische Verteidigungsminister James "Mad Dog" Mattis und Präsident Trump haben Südkorea und auch Japan hundertprozentigen Rückhalt im Konflikt mit dem Norden zugesichert. Gemeinsame Manöver sollen ausgeweitet werden und auch die Rufe nach einem Schlag gegen das nordkoreanische Regime werden immer lauter. Eine Tatsache, die den chinesischen Nachbarn verärgert. Amerikanisches Kriegsgerät vor der chinesischen Haustür hatte bereits Repressalien gegenüber den Koreanern zur Folge. Der Mord an Kim Jong Nam, der ein gutes Verhältnis zu den Chinesen pflegte, könnte den Konflikt noch weiter anstacheln - zumal die Spuren in den Norden sich zu verdichten scheinen. In Südkorea wurde kurzerhand eine Sicherheitskonferenz einberufen. Der amtierende Premierminister und Präsident Hwang Kyo-ahn erklärte:

Falls sich das nordkoreanische Regime als für die Ermordung Kim Jong Nams verantwortlich herausstellt, so würde dies in deutlicher Weise für die Brutalität und Inhumanität Kim Jong Uns sprechen.

U.S. Army Panzer vom Typ M1A2 überqueren eine Pontonbrücke im Rahmen eines gemeinsamen 
Manövers mit südkoreanischen Soldaten in der Nähe des demilitarisierten Grenzgebietes Yeoncheon.

Bereits seit fünf Jahren sollen nordkoreanische Agenten Jagd auf Kim Jong Nam gemacht haben. Schon 2012 hatte der nun Ermordete einen Brief an Kim Jong Un gerichtet, in dem er seinen Bruder um Vergebung für ihn und seine Familie bat. Er merkte an, dass es keinen Schutz für ihn und seine Familie mehr gäbe und der einzige Ausweg der Weg in den Selbstmord sei. 

Es finden sich aber auch Stimmen, die gegen die Theorie eines Auftragsmordes sprechen. Der US-Experte für Nordkorea, Michael Madden, bezweifelt, dass die Ermordung Kim Jong Nams auf Geheiß seines Halbbruders geschah. Dies würde Kim Jung Uns Image nur schaden. Er würde sich damit als unsicherer Kantonist darstellen und die Verbündeten in China und Malaysia erzürnen.

Ein Blick in die Vergangenheit aber zeigt, dass der nordkoreanische Führer nicht vor der Beseitigung unliebsamer Verwandter zurückgeschreckt. Sein Onkel Jang Song Thaek, der als mächtige Person in Nordkorea galt, wurde auf Anweisung Kim Jong Uns exekutiert. Hierdurch verfestigte sich Kim Jong Uns Macht in Nordkorea.

Ein Abtrünniger und gefährlicher Gegner des Diktators, der nicht mit ihm verwandt, sondern ein Ziehkind des Regimes selbst ist, könnte das nächste Opfer sein. Der ehemalige Diplomat Thea Yon Ho war Botschafter Nordkoreas im Vereinten Königreich, bis er 2016 nach Südkorea überlief. In der Geschichte der Überläufer ist er derjenige mit dem höchsten politischen und diplomatischen Rang. Und er hat auch ein politisches Ziel: Er will das nordkoreanische Volk von der Tyrannei befreien. Er glaubt fest daran, dass es bereits in absehbarer Zeit zu einem Aufstand des nordkoreanischen Volkes kommen wird. Trotz der Gefahr für seine Person will sich Thae Yon Ho nicht aus dem öffentlichen Leben in Südkorea zurückziehen.

ForumVostok