Indonesien auf der Kippe: Jakarta wählt und die Islamisten greifen nach der Macht

Indonesien auf der Kippe: Jakarta wählt und die Islamisten greifen nach der Macht
Demonstranten gegen Gouverneur Ahok in der Istiqlal Moschee in Jakarta, Indonesien, 11. Februar 2017
Der Hauptstadtbezirk des größten muslimischen Landes, Indonesien, wählt am Mittwoch einen neuen Gouverneur. Die Islamisten greifen nach der Macht. Eine als anti-islamisch ausgelegte Äußerung des christlichen Gouverneurs könnte dem Land zum Verhängnis werden.

Der Gouverneur von Jakarta, Basuki Tjahaja Purnama, Spitzname: Ahok, soll sich im vergangenen Oktober despektierlich über den Koran geäußert haben und wird dafür nun der Blasphemie angeklagt. Während seiner Kandidatur zitierte er aus dem Koran die Stelle Al Maidah 51 und klagte an, dass diese oft missbraucht werden würde, um Muslime davon abzuhalten, für Nicht-Muslime zu stimmen.

Ahok selbst gehört der chinesisch-christlichen Minderheit an. Bald darauf fand sich sein Kommentar in radikaleren Versionen in den sozialen Netzwerken seiner muslimischen Landsleute wieder und es kam zu gewaltsamen Demonstrationen. Rädelsführerin der Demonstrationen war die Islamische Verteidigungsfront, deren Ziel die Einführung der Scharia als hoheitlich-staatliches Recht in Indonesien ist. Muslimische Studentenverbände und weitere muslimische Organisationen folgten dem Aufruf zum Protest. Zu Ahoks Gegnern wurden auch die als "Urban Poor" bezeichneten Slumbewohner, die unter Ahok aus ihren Behausungen vertrieben wurden.

Zehntausende Menschen werben in Indonesien für Toleranz

Das größte muslimische Land steht nun an der Kippe zwischen Säkularismus und Fundamentalismus. Die radikal-islamischen Kräfte versuchen die Gunst der Stunde zu nutzen und greifen nach der Macht. Am Mittwoch soll ein neuer Gouverneur gewählt werden. Dann wird sich Ahok gegen zwei muslimische Rivalen behaupten müssen. Trotz der Blasphemievorwürfe bleibt er im Rennen, er wurde aber bereits mit einem Reiseverbot belegt. Zwischen 100.000 und 200.000 Demonstranten fanden sich in der letzten Woche zusammen, um gegen den amtierenden Bürgermeister und für Jakarta als religiöse Stadt zu demonstrieren. Die Regierung hatte versucht, die Demonstration zu verbieten. Als Begründung nannte sie, radikalen Kräften keine Bühne gewähren zu wollen. Doch die Demonstranten wichen auf ein Moscheegelände aus und Menschen aus den umliegenden Regionen fluteten anschließend die Straßen. 

Indonesien galt bisher als ein Vorzeigeland, welches trotz der religiösen Unterschiede in seiner Bevölkerung geeint zu sein schien und für einen moderaten Islam stand. Der Leitsatz jeder indonesischen Regierung lautete stets: "Bhinneka Tunggal Ika" - "Geeint in Verschiedenheit".

Abseits der gepriesenen Einheit gehört Indonesien jedoch schon längst zu den größten Lieferanten an Kämpfern für den "Islamischen Staat" und andere Terrormilizen. Indonesien und Dänemark formten jüngst eine Partnerschaft gegen den Terrorismus, um Dschihadisten ihrer Länder vom Kampf in Syrien und im Irak abzuhalten.

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