Südostasien: ASEAN will Machtvakuum nach Rückzug der US-Amerikaner nutzen

Südostasien: ASEAN will Machtvakuum nach Rückzug der US-Amerikaner nutzen
Merlion auf der singapurianischen Insel Sentosa
Falls Donald Trump wie angekündigt die US-Truppenpräsenz in Südostasien verringern sollte, will der "Verbund Südostasiatischer Staaten" das entstehende Machtvakuum nutzen. Man werde sich in diesem Fall selbst stärker engagieren, um eigene regionale Interessen zu verfolgen.

Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte während seines Wahlkampfes angekündigt, dass er die US-amerikanische Verteidigungsstrategie neu ausrichten und Truppen aus dem Ausland abziehen werde. Für einen solchen Fall, so schlug der malaysische Verteidigungsminister Hishamuddin Hussein jüngst während einer Konferenz in Singapur vor, sollte der "Verband Südostasiatischer Nationen" (ASEAN) das Machtvakuum ausfüllen. 

Singapur ist als südostasiatischer Vorzeigestaat bekannt und hat den Ruf, seine Bevölkerung durch strenge Regeln fest im Griff zu behalten. Sein Wahrzeichen ist der "Merlion". Bei diesem handelt es sich um ein Fabelwesen zwischen Löwe und Fisch und ein Sinnbild für den ASEAN-Verbund, dessen Möglichkeiten nach Hishamuddin noch keinesfalls ausgeschöpft seien. Während der Kopf des Löwen den Mut und die Furchtlosigkeit symbolisiert, steht der Fischkörper für die Verbundenheit zum eigenen geografischen und kulturellen Ursprung im Meer.  

Straßenszene in Singapur

Trump hatte in seiner Amtsantrittsrede noch einmal sein Dogma des "America First" unterstrichen. Seither überschlägt sich die Presse mit Spekulationen über künftige Auswirkungen von Trumps neuer amerikanischer Politik. In seinen Wahlkampfreden, Interviews und Äußerungen lag sein Fokus in Bezug auf Asien immer auf Japan und Korea, da hier die meisten amerikanischen Soldaten stationiert sind. Die derzeit komplizierteste Verbindung aber ist die zwischen den Philippinen und den USA. In der Regierungszeit des seit Juni 2016 regierenden Rodrigo Duterte hat auch hier eine neue Zeitrechnung begonnen. Duterte forderte eine Abkehr von der amerikanischen Militärpräsenz. ASEAN hat unterdessen in den letzten Jahren seinen Wirkungsgrad ausgebaut und vertritt heute 600 Millionen Bürger aus zehn Nationen. 

Was als loser Verbund zur Wahrung gemeinsamer soziale Interessen begonnen hatte, entwickelte sich mittlerweile zu einem Zusammenschluss ökonomischer Interessen und kann sich, je nach Trumps Außenpolitik in Südostasien, bis hin zu einem Militärbund entwickeln. Dies stellt eine Chance für die Region dar. Die Länder müssten sich in diesem Fall aber auf einen Kompromiss in Form einer gemeinsamen Linie gegenüber China einigen. Die Interessen hinsichtlich des Agierens mit oder gegen ein erstarktes China in der Region unterscheiden sich jedoch zwischen den ASEAN-Mitgliedsstaaten. Die Philippinen haben China als ihren neuen Ersatzpartner für die USA entdeckt, Singapur hingegen unterhält gute Beziehungen mit Taiwan.

Singapurische Diplomaten bemühen sich derzeit um die Herausgabe im Hafen von Hongkong aufgebrachter Militärfahrzeuge.

Südkorea sieht sich in der wohl schwierigsten Lage aller Mitgliedsstaaten. Das Land befindet sich nicht nur geografisch zwischen einem aggressiven Nordkorea, dem es mithilfe amerikanischen Kriegsgeräts und internationaler Militärübungen zu begegnen versucht, und einem chinesischen Nachbarn, der den amerikanischen Einfluss durch wirtschaftlich nachteilige Reaktionen für Südkorea rügt. Vieles wird hier von der neuen innenpolitischen Ausrichtung Südkoreas abhängen, die sich erst nach den Neuwahlen am 20. Dezember 2017 abzeichnen wird. 

Abschließend merkte Hishamuddin an:

Niemand, nicht die USA, nicht China, kann den zehn in ASEAN vereinten Ländern ihre Bestimmung und Zukunft vorgeben.

Am 27. Februar wird auf den Philippinen zudem ein Treffen der ASEAN Defence Senior Officials Meeting Working Group stattfinden.