Diabetes in Asien weiter auf dem Vormarsch – Pharmaindustrie wächst mit

Diabetes in Asien weiter auf dem Vormarsch – Pharmaindustrie wächst mit
Vor allem in urbanen Gebieten verdrängt Fast Food in Asien das traditionelle, gesunde Essen.
Asiens Küche gilt als eine der gesündesten. Der Siegeszug von Fast Food schafft aber auch in Asien zunehmende Probleme. Die weltweit größten Zuwächse an Diabetes-Erkrankungen werden für China und Indien vorhergesagt. China hat mittlerweile die USA überholt.

Laut neuesten Daten leiden 11,6 Prozent der chinesischen Erwachsenen unter Diabetes. Das sind rund 114 Millionen Menschen – etwa ein Drittel aller Menschen mit Diabetes-Erkrankung weltweit. Bis 2030 wird im Reich der Mitte ein Zuwachs auf bis zu 130 Millionen prognostiziert. Weltweit sollen dann 552 Millionen Menschen an der Krankheit leiden. Eine Studie stellt einen klaren Zusammenhang zwischen der Zunahme an Erkrankungen und Fast Food her.

Doch nicht nur China ist betroffen. Mittlerweile ist fast jeder zehnte Asiate derzeit von der häufigsten Form der Zuckerkrankheit, dem Typ-2-Diabetes, betroffen. Etwa genauso hoch ist die Quote in den USA.

Während Trump damit droht, die US-Wirtschaft von globalen Einflüssen abzuschotten, tritt Chinas Präsident Xi Jinping offensiv für eine weitere Integration der Weltwirtschaft ein.

Doch während die US-Amerikaner ungefähr 40 Jahre benötigten, um die Rate zu verdoppeln, verbreitet sich die Diabetes-Erkrankung in Asien deutlich schneller: In Korea, Indonesien und Thailand hat sich die Anzahl der Betroffenen in den letzten 30 Jahren verdreifacht bis verfünffacht. Und ein Ende ist bisher nicht abzusehen.

Neben Fast Food ist auch der gestiegene Fleischkonsum ein Faktor. Wissenschaftler der Catholic University of Korea machen vor allem die veränderten Lebensbedingungen dafür verantwortlich: Immer mehr Menschen zogen in die Städte und änderten ihre Ernährung in einem relativ kurzen Zeitraum. So aß jeder Südkoreaner schon 1995 sieben Mal so viel Fleisch wie noch 25 Jahre zuvor.

In China drängen staatliche Stellen die Bevölkerung nun dazu, ihren Fleischkonsum zu halbieren. Dazu wurde letztes Jahr unter anderem auch eine Medienkampagne mit James Cameron und Arnold Schwarzenegger gestartet. Fleisch war in China lange ein rares, teures Lebensmittel – noch 1982 aß jede Person in China durchschnittlich nur 13 kg Fleisch pro Jahr. 

Mit dem ökonomischen Aufschwung des Landes wuchs jedoch auch der Hunger nach Fleisch: Der durchschnittliche Chinese isst heute 63 kg Fleisch pro Jahr, Tendenz steigend. In China werden 28 Prozent allen weltweit insgesamt produzierten Fleisches verzehrt – und die Hälfte des gesamten Schweinefleisches. 

Das hat Folgen: Zwischen 1985 und 2000 stieg beispielsweise die Anzahl übergewichtiger und fettleibiger Kinder in China um das 28-fache. Zudem hätten die Asiaten, so die Wissenschaftler aus Korea, eine stärkere genetische Veranlagung für Typ-2-Diabetes, da sie unter anderem schnell in der Körpermitte dick werden würden.

Doch das Problem betrifft nicht nur die Gesundheitsversorgung. Denn es ist zudem auch sehr teuer, eine ausgeprägte Diabetes zu behandeln. Der globale Anstieg von Übergewicht und Diabetes ist ebenso ein wirtschaftliches wie ein gesundheitliches Thema. So stiegen schon in den Jahren 2009 und 2011 die Ausgaben für Medikamente in China um mehr als 20 Prozent pro Jahr.

Krankheiten, die durch Lebensmittel ausgelöst werden, schaffen auch einen Wachstumsmarkt. Das ist auch den Ernährungsmultis nicht verborgen geblieben. Nestlé, der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern, spezialisiert sich mit seiner Tochter Nestlé Health zum Beispiel zunehmend auf Produkte, die infolge von Krankheiten nachgefragt werden, die durch Ernährung entstehen. 

ForumVostok