Einsamkeit in Japan: Meine Freundin, das Hologramm

Einsamkeit in Japan: Meine Freundin, das Hologramm
Wie war Dein Tag, Schatz?
Die Japaner sterben langsam aus. Eine extrem niedrige Geburtenrate droht aus dem Land in ferner Zukunft eine unbewohnte Insel zu machen. Die Einsamkeit japanischer Männer ist einer der Gründe. Zu allem Unglück gibt es jetzt auch noch ein Hologramm als Freundin.

Kodokushi ist ein japanischer Ausdruck und bedeutet so viel wie „einsames Sterben.“ Er wurde schon in den 1980er Jahren geprägt, als Ausdruck einer zunehmenden Vereinsamung in Japan. Laut Stand vom Jahr 2015 sterben allein im Großraum Tokio jährlich 3.000 Menschen an Einsamkeit. Zudem wird der Tod dieser Personen oft erst nach Monaten, manchmal sogar Jahren, bemerkt. Niemand vermisst sie.

Das Phänomen betrifft vor allem Männer im mittleren und gehobenen Alter. Japan hat sich zum Land der einsamen Männer entwickelt. Das Land hat zudem eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt. Aktuell bringt jede Frau im Schnitt 1,4 Kinder zur Welt. Es wären allerdings 2,1 nötig, um die Zahl der Bevölkerung aufrecht zu halten.

Forscher der Universität Tokio haben einen Countdown eingerichtet, nach dem in rund 642.699 Tagen in Japan nur noch ein einziges Kind geboren werden wird. Doch das Phänomen der Einsamkeit lässt in Japan eine ganze Industrie boomen, die sich darauf spezialisiert hat, für „Ersatz“ zu sorgen.

Während die florierende Sexdoll-Industrie mit immer realistischeren Puppen eher für die Triebabfuhr zuständig ist, zielt ein neues Gadget auf die Herzen der einsamen japanischen Männer: Die Rede ist von Hikari. Und Hikari ist ein Hologramm.

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Das Hologramm-Mädchen im Manga-Stil „lebt“ in einer etwa 50 cm hohen Glasbox mit dem unromantischen Namen „Gatebox Communication Robot.“ Wer jetzt an die vor einiger Zeit populären Tamagochi-Eier denken muss, liegt nicht verkehrt. Doch technisch liegen Welten zwischen den beiden Produkten. Das Tamagochi-Ei wirkt im Vergleich mit Hikari, wie ein Faustkeil im Vergleich zu einer Laserpistole.

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Hikari kann ihren Besitzer, den sie immer mit „Meister“ anredet, wecken, an Termine und Aufgaben erinnern und vor schlechtem Wetter warnen. Außerdem verschickt Hikari Textnachrichten an ihren „Meister“, um ihn zum Beispiel zu fragen, wann er nach Hause kommt, denn „sie fühlt sich einsam.“

Zwischendurch, während des Arbeitstages, gibt es immer wieder mal aufmunternde Textnachrichten. Hikari kann in der Wohnung auch das Licht ein- oder ausschalten, die Heizung und die Klimaanlage regeln, und man soll mit ihr plaudern und chatten können.

Außerdem mag sie Donuts, schaut gerne Anime und ekelt sich vor Insekten. Ihr Traum ist es, eine Heldin zu werden und Menschen zu helfen, die hart arbeiten. Laut der offiziellen Webseite ist sie 20 Jahre jung und 1,58 Meter groß. Die „heilende Stimme“ von Hikari soll laut dem Hersteller, ihren Besitzer in seinem Alltag unterstützen. Dieser solle „sein Leben genießen, ohne dafür seine Freiheit aufgeben zu müssen.“

Die Produktion ist zunächst auf 300 Exemplare limitiert. Der Preis beträgt rund 298.000 Yen, das entspricht in etwa 2.400 Euro. Verkaufsstart ist Dezember 2017. 

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