Die Samsung-Republik taumelt: Haftbefehl gegen südkoreanische Konzern-Erben

Die Samsung-Republik taumelt: Haftbefehl gegen südkoreanische Konzern-Erben
Samsung-Chef Jay Y. Lee stellt sich nach einer Anhörung der Presse.
Der Korruptionsskandal um die ehemalige südkoreanische Präsidentin Park weitet sich aus. Nun steht auch Samsung am Pranger. Die Staatsanwaltschaft fordert die Verhaftung des Samsung-Erben.

von Olga Banach

Südkorea knirscht die Zähne über einen politischen Skandal ungeahnten Ausmaßes. „Jay“ (Lee Jae-yong) gehört Südkoreas Elite an. Er ist der Erbe Samsungs in der dritten Generation und Teil der „Chaebols“, wie die Koreaner die familiengeführten Unternehmen bezeichnen. Derzeit bekleidet er den Posten des Vizepräsidenten, wird aber als heimlicher Chef Samsungs gehandelt und in der koreanischen Presse als Kronprinz bezeichnet. Er ist der einzige Sohn von Lee Kun-hee, dem dritten Sohn des Samsung Gründers Lee Byung-chul.

Unterstützer der südkoreanischen Präsidentin Park Geun-hye tragen ein Transparent mit ihrem Bild und dem ihres Vaters, dem ehemaligen Diktator Park Chung-hee in Seoul, 17. Dezember 2016.

Nun fordern die Staatsanwälte, Haftbefehl gegen Jay zu erlassen. Dieser Entscheidung ging ein 22-stündiges Verhör voraus. Ihm wird vorgeworfen, in die Korruptionsaffäre um Präsidentin Park verwickelt zu sein. Es geht um Spenden an Stiftungen, die von Parks Vertrauter Choi geführt wurden. Um die 36 Millionen US-Dollar sollen es gewesen sein, die Jay an Park und die Stiftungen Chois gezahlt hat, um seinem Familienunternehmen Vorteile zu schaffen. Choi ist bereits verhaftet worden. Samsung Spendengelder sollen im Gegenzug die Zusammenlegung von Samsung Firmen erlaubt haben, die dem Kronprinzen Vorteile erbracht hatten. Wie weit die Geschicke Chois, der Tochter eines Sektengründers, in der Regierungslenkung gegangen sind, ist noch nicht geklärt.

Das Amtsenthebungsverfahren für Park Geun-hye wurde nach Abstimmung des Parlamentes eingeleitet. Seither wurden die Ermittlungen aufgenommen, die einen unendlichen Sumpf von Korruption in der südkoreanischen Republik aufzeigen, den es nun zu bewältigen gilt. Tagtäglich kommen neue Teile eines Puzzles ans Licht.

Am Montag begann auch die Befragung Chung Yoo-ras, Tochter der Verhafteten Choi, in der dänischen Stadt Aalborg. Südkorea hat die dänische Regierung um Auslieferung der Tochter Chois gebeten. Ihr werden Bestechung, Geldwäsche und unberechtigter Zugang zu der elitären „Ewha Womans Universität“ in Korea vorgeworfen. Die Universitätsleiterin ist bereits, nach einer Falschaussage bezüglich Chung Yoo-ras, zurückgetreten.

Auch der Vater Lee Jae-yong ist nicht frei von Skandalen. 2008 trat Lee Kun-hee von seinem Posten als Vorstandsvorsitzender Samsungs nach einem Finanzskandal zurück. Aber nach zwei Jahren wurde er wieder Teil der Firma.

Am 23. Januar will Samsung sein Gesicht in der Technologiebranche wiederherstellen, bevor es das neue Samsung Galaxi S8 präsentiert, und die Ergebnisse zu der Fehlerhaftigkeit des Samsung Galaxy Note 7 öffentlich machen. Die Mobilfunkgeräte waren in Brand geraten. Schuld soll der Akku des Gerätes sein.

Proteste in Soul gegen die amtierende Präsidentin Eun Park.

Der wochenlange Protest der südkoreanischen Bevölkerung gegen Präsidentin Park richtete sich auch gegen die Chaebols und deren Einfluss in Gesellschaft und Politik. Die Einleitung des Amtsenthebungsverfahrens gegen Präsidentin Park und die mögliche Verhaftung des Kronprinzen Samsungs ist ein Überraschungserfolg der Stimme des Volkes.

Es war ein mutiger Schritt der Staatsanwälte, die sich mit dem Korruptionsskandal um die ehemalige Präsidentin Park befassen, sich nun an Samsung heranzuwagen. Südkorea, das auch als die Samsung-Republik bezeichnet wird, hängt am Tropf der Firma. Diese erwirtschaftet 20 Prozent des jährlichen BIPs und ist das Aushängeschild des asiatischen Vorzeigestaates. Samsung ist in Südkorea allgegenwärtig. Vom Kühlschrank zur Waschmaschine über die Samsung Kreditkarte. Doch für die Staatsanwälte gilt: Recht vor ökonomischem Interesse. Am Mittwoch soll das Gericht in Seoul über den Haftbefehl entscheiden. Dies wäre eine Kehrtwende in der Macht der „Chaebols“.