Annäherung Japans und Russlands: Ein Ende des politischen Ping-Pongs

Annäherung Japans und Russlands: Ein Ende des politischen Ping-Pongs
Der russische Präsident Wladimir Putin mit Japans Premier Shinzo Abe auf einem Judo-Wettkampf in der Kodokan Judo-Halle in Tokyo, 16. December 2016.
Der Beginn einer neuen Ära zwischen Japan und Russland. Premierminister Shinzo Abe und Präsident Wladimir Putin einigen sich auf wirtschaftliche Kooperationen und sind auf dem Weg zu einem Friedensvertrag.

von Olga Banach

Der japanische Kugelfisch „Fugu“ ist eine Spezialität in Japan, für die ein Koch eine spezielle Lizenz benötigt und der Verkoster eine hohe Portion an Vertrauen in seinen Gastgeber. Ein falscher Schnitt - und das servierte Muskelfleisch des Fisches enthält todbringende Giftstoffe. Das Fleisch soll genau so viele Giftstoffe enthalten, dass sich ein leichtes Taubheitsgefühl im Mund des Verkosters ausbreitet und er sich an einem euphorischen Gefühl berauschen kann.

Die gemeinsame Verkostung des Kugelfisches zwischen dem japanischen Premierminister Shinzo Abe und Präsident Wladimir Putin steht symbolisch für eine diplomatische Annäherung in Tagen weltweiter Konflikte und Terror und ist der Beginn einer neuen Ära zwischen den beiden Ländern, falls niemand den positiven Weg der Nationen vergiftet. 

Japan und Russland sehen sich auf einem guten Weg, den Disput um die Inseln des Kurilen-Archipels zu begraben und ein historisches Friedensabkommen zu unterzeichnen, welches 65 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges den Frieden besiegeln würde. 

Das Treffen war von gegenseitigem Respekt und Freundschaft geprägt und gab einen positiven Ausblick in die mögliche Zukunft beider Länder. Shinzo Abe versprach zum Ende der Pressekonferenz am „Eastern Economic Forum“ 2017 teilzunehmen. 

Bereits jetzt hätten die beiden Länder 80 Projekte ins Leben gerufen, die den ökonomischen Austausch vorantreiben sollen. Die Konferenz will Abe dafür nutzen sich vom Fortschritt dieser zu überzeugen. Putin sprach auch den wichtigen kulturellen Austausch an, der bereits heute stattfindet und weitergeführt werden soll. 

Washington soll Tokio für den anstehenden Besuch Wladimir Putins gerügt haben

Putin: „In den nächsten Jahren werden Japan und Russland wichtige athletische Veranstaltungen durchführen. Wir gedenken, unsere Ideen in der Organisation und Logistik hierhingehend auszutauschen. Besonders bedeutungsvoll wird es sein, die Sicherheit zu gewährleisten.“

Im Disput um die Inseln des Kurilen-Archipels müsse weiterhin eine Lösung gefunden werden, die die Interessen beider Länder verträte. Nachdem Putin Briefe ehemaliger Bewohner der Inseln las, die sich wünschten, die Gräber ihrer Vorfahren zu besuchen, einigte man sich auf die schnelle Erstellung von Visa.

Man wünsche sich von russischer Seite einen informellen Kontakt zwischen den ehemaligen Bewohnern und den derzeitigen russischen Einwohnern. In der Zukunft sollen diese Menschen ohne die Notwendigkeit eines Visums die Inseln besuchen können. Shinzo Abe: „Wir haben es gemeinsam erreicht, den Traum der Menschen, die auf den Inseln lebten, wahr werden zu lassen.“  

Putin bezeichnete die Nichtexistenz eines Friedensvertrages als „anachronistisch“.  Abe merkte an, dass er und Putin nun gezeigt hätten, wie wichtig ihnen ein Friedensvertrag sei. Auch betonte Abe, dass er Putin in seinen Heimatort Nagato eingeladen habe.  In Japan beruhen Geschäfte auf Vertrauen. Wichtiger als das Papier ist der menschliche Kontakt und Respekt der Parteien. Die Einladung in Abes Heimatort war ein großes Zugeständnis an den russischen Nachbarn. Abe merkte auch an, dass noch ein weiter Weg vor ihnen läge. Das japanische Interesse an den Inseln habe sich nicht geändert, so Abe. Aber nun gäbe es eine klare Vision für die Zukunft. 

Sergei Lawrow zu Friedensvertrag mit Japan:

Während der Pressekonferenz wurde Putin auch nach dem Austausch im Bezug auf Syrien und speziell Palmyra gefragt.

Putin erklärte:

Was auch immer in Palmyra geschieht, ist auf die fehlende Kooperation zurückzuführen. Ich habe immer gesagt, dass wir uns gegen den Terrorismus verbünden müssen. Palmyra ist symbolisch wichtig, Aleppo hingegen strategisch.

Die Türkei wird uns darin unterstützen die Militanten aus der Stadt zu führen. Zweitens hoffe ich inständig, dass die syrische Armee ihre Position in Aleppo vertiefen kann und die Zivilisten in ihr Leben zurückkehren.

Kasachstan könnte eine neue Plattform in diesem Friedensprozess sein. Wenn dies Wirklichkeit wird, handelt es sich nicht um einen Konkurrenten zu Genf, sondern um eine Ergänzung.

Auf die Frage eines Journalisten der japanischen Presse nach dem größten Durchbruch des diplomatischen Treffens antwortete Abe, dass es die gemeinsamen ökonomischen Aktivitäten seien. Wladimir Putin fasste zusammen: „Wir sollten uns von diesem politischen Ping-Pong verabschieden.“ Die beiden Länder wollen an eine Deklaration von 1956 anschließen. 

Das Problem einer diplomatischen Lösung aber seien die Interessen der USA, so Putin. Die USA hatten Druck auf die Japaner aufgebaut, dass Okinawa, falls sich die Japaner entgegen den Interessen der Amerikaner stellten, in amerikanische Hände fiele.

Putin wörtlich:

Nördlich von Vladivostok haben wir zwei Stützpunkte. Wir müssen wissen, was mit diesen in Zukunft geschehen wird.

Wir müssen wissen, was das Abkommen zwischen den Japanern und den USA für uns bedeutet. Wir werden die Diskussionen an die Deklaration von 1956 anschließen.

Die Inseln könnten eine Brücke der Annäherung zwischen den Ländern sein. Hier will Putin Abes Vorschlag folgen, ein spezielles Komitee einzurichten, um eine Lösung zu erzielen. Denn das langfristige Ziel und das wichtigste Ziel der beiden Länder seien nicht ökonomischer, sondern diplomatischer Art. 

Diesem Ausspruch folgte ein Applaus während der Pressekonferenz.