Putin in Japan – Hoffnungen auf einen Friedensvertrag 65 Jahre nach Kriegsende

Putin in Japan – Hoffnungen auf einen Friedensvertrag 65 Jahre nach Kriegsende
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Ära Obama bietet sich nun die Chance für Japan und Russland, einen Neuanfang zu wagen. Man will sich von den veralteten Disputen um die Kurilen-Inseln verabschieden und die bilateralen Beziehungen ausbauen.

von Olga Banach

Seit Donnerstag weilt der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, zu einem zweitägigen Besuch in Japan, um sich mit dem dortigen Premierminister Shinzo Abe über die Ausweitung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zu beraten und möglicherweise auch einen Friedensvertrag zu unterzeichnen.

Washington soll Tokio für den anstehenden Besuch Wladimir Putins gerügt haben

Es soll im Rahmen des Staatsbesuches um eine Einigung im Disput um die Inseln des Kurilen-Archipels zwischen der russischen Halbinsel Kamtschatka und der japanischen Präfektur Hokkaido gerungen werden. Dies wäre die Voraussetzung für einen Friedensvertrag, der das Ende des Zweiten Weltkrieges im Verhältnis zwischen den beiden Nationen besiegeln würde. Die Inseln waren nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Sinne der Potsdamer Erklärung von 1945 an die damalige Sowjetunion übergeben worden. Japan aber beansprucht die Inseln bis heute für sich.

Der letzte Besuch Putins in Japan liegt über ein Jahrzehnt zurück. Abe und seine Regierung wählten den Erholungsort Nagato im südwestlichen Japan als Schauplatzes des Auftakts zum Staatsbesuch aus.

Nagato ist die Wahlheimat Abes, welche für seine landschaftliche Schönheit und seine Heilquellen bekannt ist. Putin erreichte Japan drei Stunden später als erwartet. Der japanische Premierminister Shinzo Abe nutzte daher die Gelegenheit, um das Grab seines verstorbenen Vaters Shintaro Abe zu besuchen, der zu Lebzeiten als Innenminister bereits in den 1980er Jahren versucht hatte, mit der Sowjetunion eine Einigung zu erzielen. Mit dieser Geste wollte Abe der Öffentlichkeit vermitteln, wie sehr ihm an einem Friedensvertrag mit dem russischen Nachbarn gelegen ist. Ökonomisch erhoffen sich die beiden Länder eine Kooperation in unterschiedlichsten Wirtschaftssektoren. Für die japanische Regierung wäre dies auch ein Schritt gegen die aufsteigende Macht Chinas.

Russland unterrichtet Japan über Gefahren der US-Raketenabwehr in Asien

Wie weit aber ist Japan nach dem Ende der Ära Obamas bereit, zu gehen, um nicht seinen alliierten amerikanischen Partner zu erzürnen? Auf der südlichen Insel Okinawa sehnt man sich nach einem Neuanfang, der die Präsenz des dort stationierten US-Militärs vermindert. Zahlreiche Unfälle, Straftaten von US-Marinesoldaten sowie die negativen Auswirkungen der US-Stützpunkte auf das anfällige Ökosystem des Inselparadieses haben Rufe nach dem Abzug des Militärs laut werden lassen. Auf eine Rüge aus Washington hinsichtlich des geplanten Besuchs Putins in Japan ungeachtet der verhängten US-Sanktionen gegen Russland reagierte Tokio nicht. Japan und Russland während des Treffens auch die Erleichterung der Visumspflicht zwischen den beiden Ländern bekanntgeben.

In diesem Jahr jährte sich der Angriff der Japaner auf Pearl Harbor zum 75. Mal. Dieser markierte den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg markierte und führte die Kapitulation Japans nach dem Abwurf zweier Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki herbei. Nach dem historischen Besuch Obamas in Hiroshima wird nun auch Shinzo Abe Ende Dezember Pearl Harbor besuchen.

Der Putin-Kalender 2017 war übrigens bei den japanischen Damen ein Verkaufsschlager. In den sozialen Netzwerken Japans kursieren Hundefotos mit Putin und die Japanerinnen rufen entzückt: "Kawai!" – was so viel bedeutet wie "süß".