Nach weiterem Absturz von US-Militärflugzeug – Bewohner Okinawas fürchten um ihre Sicherheit

Nach weiterem Absturz von US-Militärflugzeug – Bewohner Okinawas fürchten um ihre Sicherheit
Die abgestürtzte U.S. Marine Corps MV-22 Osprey, 14. Dezember 2016, Okinawa.
Die Bruchlandung eines US-Militärflugzeugs außerhalb eines Marinestützpunktes führt zu neuerlichem Unmut in der Bevölkerung Okinawas. Der Vorfall erinnert an vergangene Unfälle mit Todesfolge für die Anwohner.

von Olga Banach

Obwohl Okinawa nur 0,6 Prozent der gesamten Landfläche Japans ausmacht, beheimatet es 62 Prozent aller US-Militärstützpunkte im Land, mit rund 50.000 Soldaten, die das Inselleben des Urlaubsparadieses nachhaltig prägen.

Nicht immer nur zur Freude der Einheimischen: Lehrer müssen ihren Unterricht aussetzen, wenn amerikanische Militärflugzeuge Übungen abhalten, das Hantieren mit militärischem Gerät schädigt Flora und Fauna der Insel und regelmäßig führen auch sexuelle Übergriffe durch US-Marinesoldaten und Alkoholdelikte zu Protesten in der Bevölkerung. Laut Statistik sollen auf der Insel stationierte US-Soldaten seit 1972 insgesamt 5.800 Verbrechen verübt haben.

Der im Frühjahr dieses Jahres bekannt gewordene Mord eines Angestellten der US-Marine an einer Japanerin ließ die Gemüter der Japaner einmal mehr hochkochen. Bereits 2010 ergab eine Untersuchung der japanischen Tageszeitung Mainichi Shimbun, dass 71 Prozent der Bevölkerung Okinawas die Präsenz des US-Militärs mittlerweile als unnötig empfinden.

Im fernen Tokio blieben die Wünsche der Einwohner nach einer Beendigung der Militärpräsenz bisher ungehört. Es wurde zudem bekannt, dass die Amerikaner über die Teilnehmer an Demonstrationen gegen das US-Militär Listen führen.

Nun ruft die jüngst erfolgte Bruchlandung eines US-Militärflugzeuges außerhalb einer US-Basis Erinnerungen an vergangene Unglücke hervor. Besonders tragisch war dabei der Unfall eines F-100-Kampfflugzeuges, welches 1959 auf eine Grundschule stürzte. Dabei ließen 18 Schüler ihr Leben.

Nach dem jüngsten Vorfall mit einem Flugzeug des Typs MV-22 Osprey mussten die Amerikaner auf Verlangen der japanischen Regierung vorerst alle Flugzeuge dieser Art aus dem Verkehr ziehen. Grund für die Notlandung, bei der fünf Flugzeuginsassen verletzt wurden, war die Beschädigung eines Propellers durch einen Tankschlauch während einer Betankungsübung. Unfälle und Betriebsstörungen von Maschinen des Typs MV-22 Osprey sind auch aus anderen Ländern bekannt.

Der Unfall folgte nur kurz auf das tödliche Unglück eines US-Piloten vergangene Woche vor der japanischen Küste. Generalleutnant Lawrence D. Nicholson drückte am Mittwoch in einer Pressekonferenz sein Bedauern über den Vorfall aus und rühmte das vorbildliche Verhalten der Piloten.

Der Unfall ereignete sich in der Nähe des US-Stützpunktes Futenma, der sich inmitten eines dicht besiedelten Wohngebiets befindet. Es hätte nicht viel gefehlt und die MV-22 Osprey wäre in das Wohnviertel gestürzt. Nun ist ein Umzug des Futenma-Stützpunktes an die Ostküste der Insel geplant. Doch die dort ansässigen Okinawaner versuchen seit Jahren, gegen diese Pläne vorzugehen. Sie argumentieren, dass der Umzug des Stützpunktes das Ökosystem ihrer Küste schädigen werde.

Die japanische Zeitung Asahi Shimbun twitterte zudem, dass Nicholson gegenüber dem japanischen Bürgermeister Okinawas die Fassung verlor und mit den Worten auf den Tisch schlug:

Die Piloten haben keine Häuser und Menschen geschädigt. Er sollte dafür dankbar sein.

Ein Verhalten, das bei der japanischen Bevölkerung ihre Vorurteile gegenüber dem amerikanischen Militär bestätigt, das sich noch immer als Besatzer verhielte und seinen Gastgebern keinen Respekt zolle. Offiziell endete die US-Besatzung Okinawas 1972.