Diplomatisch-militärische Wirrnisse: China beschlagnahmt Gefechtsfahrzeuge aus Taiwan in Hongkong

Diplomatisch-militärische Wirrnisse: China beschlagnahmt Gefechtsfahrzeuge aus Taiwan in Hongkong
Singapurische Diplomaten bemühen sich derzeit um die Herausgabe im Hafen von Hongkong aufgebrachter Militärfahrzeuge.
Nach der Entdeckung von neun Infanteriegefechtsfahrzeugen im Hafen von Hongkong ist die chinesische Regierung erzürnt über die nicht deklarierte Schmuggelware. Die Lieferung war aus Taiwan gekommen. Singapurische Diplomaten bemühen sich um eine Herausgabe.

von Olga Banach

Für China ist Taiwan eine abtrünnige Republik. Um so mehr zeigte sich China erzürnt, nachdem Zollbeamte im Hafen von Hongkong neun Infanteriegefechtsfahrzeuge vom Typ "Terrex" entdeckt hatten, die aus Taiwan stammten und sich auf dem Weg nach Singapur befanden. Wie nun bekannt wurde, gehören die Fahrzeuge der singapurischen Armee und kamen bei einer Truppenübung des Stadtstaates in Taiwan zum Einsatz. Die Fahrzeuge sollen bei einer Routinekontrolle entdeckt worden sein. Es habe dafür keine entsprechenden Einfuhrgenehmigungen gegeben.

Ein Soldat läuft vor einem Raketenwerfer auf einer Fregatte der Perry-Klasse in Penghu, dem Westen von  Taiwan, September 2011

Diplomaten versuchen nun, die Militärfahrzeuge zurück nach Singapur zu holen, ohne dabei bei China in Ungnade zu fallen oder die Beziehungen zu Taiwan zu schädigen. Der Außenminister des Stadtstaates, Dr. Vivian Balakrishnan, gab bekannt, dass Singapur weiterhin die Idee eines geeinten Chinas unterstütze. Die Volksrepublik China erkennt Taiwan nicht als eigenständigen Staat an.

Der kleine Stadtstaat ist, um Militärübungen abhalten zu können, auf ausländische Partner angewiesen. Seit den 1970er Jahren ist Taiwan ein enger Verbündeter Singapurs. Diplomatische Verbindungen zur Volksrepublik China bestehen erst seit 1990. Der Großteil der Einwohner Singapurs ist chinesischer Abstammung und ein Teil davon spricht Hokkien-Chinesisch, welches auch in Taiwan gesprochen wird.

Die derzeitigen Spannungen zwischen China und Singapur sind auf den Inselstreit im südchinesischen Meer zurückzuführen. Singapur wollte hierzu den internationalen Strafgerichtshof in Den Haag hinzuziehen, was China jedoch ablehnt.

Nun könnte China die Gunst der Stunde nutzen und Singapur dazu bewegen, für chinesische Interessen im Inselstreit und im Verhältnis zu Taiwan einzustehen. Der singapurische Außenminister hatte die Beziehungen zu China als wechselhaft beschrieben. Singapur hatte 2015 ein historisches Treffen zwischen Vertretern der taiwanesischen und chinesischen Regierung auf eigenem Boden arrangiert. Die beschlagnahmten Fahrzeuge sind zudem das modernste Kriegsgerät, das Singapur zu Lande zur Verfügung hat.

Die Festsetzung des Militärgeräts gibt China nun die Möglichkeit, an militärische Geheimnisse zu gelangen und Singapur diplomatisch in die Knie zu zwingen. Singapur wird das Kommunikationssystem austauschen müssen, falls die chinesische Regierung die Fahrzeuge freigeben sollte. Die Logistikfirma ALP, die den Transport durchführen sollte, machte bislang noch keine offiziellen Aussagen zu den Vorkommnissen und Verantwortlichkeiten.

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