Der König ist tot! Lang lebe der König! – Thailands Thronwechsel fällt in unruhige Zeiten

Der König ist tot! Lang lebe der König! – Thailands Thronwechsel fällt in unruhige Zeiten
Gemälde des Kronprinz Maha in einem Souvenirshop in Bangkok.
Im Oktober starb der langjährige thailändische König Bhumibol. Nun soll Kronprinz Maha im südostasiatischen Staat den Thron übernehmen. Im Unterschied zu seinem Vorgänger weist dieser in der Bevölkerung jedoch ein erhebliches Sympathiedefizit auf.

Von Olga Banach

Bangkok: 150.000 Thailänder singen Trauerversion von Nationalhymne

Am 29. November beschloss das thailändische Parlament, den Kronprinzen Maha Vjiralongkorn zum Nachfolger des verstorbenen Königs Bhumibol zu ernennen. Dem Beschluss folgte der Ausruf des Parlaments: "Lang lebe der König". Am Tag zuvor hatte das ganze Land, wie dies in Thailand üblich ist, als Zeichen des Respekts vor dem König ein gelbes Hemd getragen.

Maha hat zwar auch eine ältere Schwester, nach dem Monarchiegesetz kann eine Frau aber nur dann den Thron besteigen, wenn es keinen männlichen Nachkommen gibt. Der Kronprinz hat bereits drei geschiedene Ehen hinter sich.

Der Kronprinz tritt ein schweres Erbe an, denn König Bhumibol, der 1946 den Thron bestieg, war das am längsten amtierende Staatsoberhaupt weltweit und die wenigsten Bürger in Thailand haben je unter einer anderen Herrschaft als jener Bhumibols gelebt. Sein Sohn wird im Moment seiner Krönung zu König Rama X. und eine 234 Jahre alte Dynastie und deren Vermögen in Höhe von 30 Milliarden US-Dollar erben.

Maha hat auf Grund seiner eigenen militärischen Karriere die Unterstützung der Streitkräfte, die über einen großen Einfluss im Land verfügen. Bisher verfügt er im Volk hingegen nicht annähernd über die Sympathien, die seinem Vater entgegengebracht wurden. Maha hat sich bislang lediglich als "Womanizer" und durch sein extravagantes Leben einen Namen gemacht und bisher wenig Interesse an der thailändischen Politik gezeigt.

Offiziell hat der thailändische Monarch eine konstitutionell eingeschränkte Macht. Obwohl Bhumibol erfolgreiche Allianzen mit dem Militär und der Politik gebildet hatte, gab es in den vergangenen Jahren in seinem Land immer wieder Unruhen. In Thailand sind diese Jahre als die "verlorenen Jahre" bekannt, und sie gingen zudem mit der Verschlechterung der Gesundheit des verschiedenen Königs einher.

Politisch wird das Land wird von einem Premierminister geführt. Das Parlament weist zwei Kammern auf, die Regierung wird von einer Koalition aus mehreren politischen Parteien gebildet. Das Zweikammersystem setzt sich aus dem Senat mit 200 Sitzen und dem Abgeordnetenhaus mit 500 Sitzen zusammen. Der Senat wird alle sechs Jahre, das Abgeordnetenhaus alle vier Jahre gewählt.

Im Jahr 2014 kam es zu einem Militärputsch und eine Junta des thailändischen Militärs übernahm die Macht. Im August dieses Jahres ließ die Junta über eine neue Verfassung abstimmen. Verfassungsänderungen sind keine Seltenheit in Thailand. Seit Gründung des Staates hat es deren bereits 17 gegeben. Die jüngste Abstimmung, die die erste nach dem Militärputsch war, hatte jedoch die Funktion, die Macht der Junta unter dem Banner der Demokratie zu stärken. Kritik an der Verfassungsänderung war nicht erlaubt und wurde mit Gefängnisstrafen geahndet. Das thailändische System ist eine Mischung aus traditionellen Thai-Gesetzen, die auf den Gesetzen der Hindu-Brahmin- und der Khmer-Herrschaft beruhen, und westlichen Gesetzen, die oft geändert werden. 

Eine öffentliche Debatte über die Thronübergabe wird in Thailand durch die strengen Gesetze gegen die Majestätsbeleidigung unterbunden. Auf diese stehen bis zu 15 Jahre Haft. Doch hinter vorgehaltener Hand werden in Thailand weitläufig Gerüchte über den Kronprinzen verbreitet. Dem künftigen König Rama X. wird die schwere Aufgabe zuteilwerden, ein zerstrittenes Land zu einen.

Aus einem öffentlich gewordenen Dokument geht hervor, dass sich das offizielle Thailand die beliebte ältere Schwester als Thronerbin gewünscht hätte und nicht den skandalumwitterten Kronprinzen. Viele fürchten auch die Brutalität, die der Machtwechsel mit sich bringen könnte. Maha gilt als ein eiskalter Mensch, der seine Kinder aus früherer Ehe enterbt hat und der Gewalt als legitimes Mittel zum Machterhalt betrachtet.

Eine reibungslose Machtübernahme würde die schwächelnde thailändische Wirtschaft stärken. In dem Land, in dem 5,4 Millionen Menschen im Tourismussektor arbeiten, muss es der Politik nun gelingen, das Volk von König Rama X. zu überzeugen. Die Zeiten werden im Land indessen nicht ruhiger: Im Oktober sprach die thailändische Polizei bereits eine Warnung aus, dass Bangkok Ziel eines terroristischen Anschlags werden könnte.

Für 2017 hatte die führende Junta-Partei Wahlen angekündigt, die trotz der ein Jahr lang andauernden Trauerperiode stattfinden sollen. Jedoch wird der Kronprinz erst nach dem Ende der Trauerzeit formal zum König gekrönt werden können.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Autor: Thailändisches Staatsfernsehen PBS

Hommage-Video mit trauernden Thais, die die königlichen Hymne singen, um den verstorbenen König zu ehren. Schon zu Lebzeiten wurde im thailändischen Staatsfernsehen und allen Kinos täglich ein offizielles Video mit der Hymne gezeigt, dem alle Zuschauer im öffentlich Raum Respekt zollten. 

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