Regierungskrise in Südkorea: Samsung und die Schamanen regieren das Land

Regierungskrise in Südkorea: Samsung und die Schamanen regieren das Land
Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye im Gespräch mit dem kasachischen Präsidenten Nursultan Nazarbayev in Seoul, Südkorea, 10. November 2016.
Der Skandal um die koreanische Präsidentin weitet sich auf die Vorzeigemarke Samsung aus. Das Unternehmen soll Millionen in eine Schamanen-Stiftung gezahlt haben, die von einer Freundin der Präsidentin Park geführt wurde.

von Olga Banach

Tausende Koreaner zog es in den vergangenen Wochen auf die Straßen, um den Rücktritt ihrer Präsidentin Park Geun-hye zu fordern. Der Präsidentin wird vorgeworfen, der Sekte „Kirche für ewiges Leben“ nahezustehen.

Südkorea: Zehntausende Menschen fordern Präsidentin Park Geun-hye zum Rücktritt auf

Angeblich ließ sie sich durch die Tochter des Gründers der Organisation, Choi Soon-sil, mit der sie seit Kindertagen befreundet ist, in ihrer Politik beeinflussen. Choi Soon-sil sowie Parks Sekretärin wurden bereits festgenommen. 

Inwieweit diese Verbindung Einfluss auf die koreanische Politik hatte und Choi von Spendengeldern profitiert hat, ist noch nicht geklärt. Auf Chois Laptop fand man Reden Parks sowie streng geheime Dokumente von politischen Treffen mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe, aber auch Papiere über militärische Geheimnisse der Republik Nordkoreas und Personallisten für Sicherheitsämter. 

Park Geun-hye ringt seit der Aufdeckung des Skandals darum, sich das Vertrauen des koreanischen Volkes zurückzuerobern. Für die Involvierung Chois in politische Reden hat sich Park bereits entschuldigt. Auch sollten Personalwechsel die Gemüter beruhigen.

Der vorherige Generalsekretär einer von Chois Stiftungen gab bekannt, dass Choi allabendlich einen Aktenordner mit Dokumenten von einem Postmann der koreanischen Regierung erhielt:

„Das ganze System war darauf ausgelegt, dass Choi der Präsidentin sagt, was zu tun ist.“

Demonstranten verkleiden sich mit Gesichtsmasken der südkoreanischen Präsidentin Park Geun-hye (rechts) und ihrer Beraterin Choi Soon-sil, 27. Oktober 2016.

Inzwischen hat sich der Skandal auf die Marke Samsung ausgeweitet. Der politische Skandal stellt einen weiteren Rückschlag für den Fabrikanten dar, nachdem 1,9 Millionen Galaxy Note Smartphones und 2,8 Millionen Waschmaschinen im September wegen Brandgefahr zurückgerufen werden mussten.

Samsung soll 3,1 Millionen Dollar an Chois Firma mit Sitz in Deutschland gezahlt haben. Angeblich wollte Choi auch koreanische Dressurreiter durch Gelder von Samsung in Deutschland auf die olympischen Spiele 2020 vorbereiten. Samsung hat sich bisher zu den Anschuldigungen nicht geäußert und es bleibt abzuwarten, ob die Durchsuchung der Büros weitere Erkenntnisse erbracht hat. 

Kim Yong-cheol, ehemaliger Anwalt bei Samsung, hatte im Jahr 2010 einen Bestseller über seine Arbeit bei Samsung veröffentlicht und auch tiefe Einblicke in ein Unternehmen gewährt, dass die Geschicke des Landes lenkte. Trotz des Verkaufserfolges wollten die koreanischen Medien sein Buch nicht bewerben.

Dies führte er zurück auf den Anteil der Samsung-Werbeinnahmen, von denen die Medienunternehmen in ihrem Alltagsgeschäft abhängig seien. 2007 hatte Kim den Manager Samsungs Lee der Bestechung beschuldigt. Nachforschungen ergaben, dass er Bankkonten von Mitarbeitern nutzte, um Teile seines Vermögens zu vertuschen. Doch nach Verurteilung und Schadensersatzzahlungen ohne Inhaftierung wurde Lee der Weg zurück ins Firmenimperium gewährt.

Im Jahr der Buchveröffentlichung bezeichnete Kim Herrn Lee als die mächtigste Person im Land über dem Präsidenten. 2016, nach Bekanntgabe des Skandals um Präsidentin Park, scheinen es Choi und ihre Sekte zu sein, die Park als Marionette nutzen und Firmen wie Samsung um Spenden erpressen können. 

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