Annäherung zwischen Malaysia und China - verlieren die USA einen weiteren Verbündeten im Pazifik?

Annäherung zwischen Malaysia und China - verlieren die USA einen weiteren Verbündeten im Pazifik?
Der Premierminister von Malaysia, Najib Razak; Kuala Lumpur, 5. Juli 2015.
Beim Besuch des malaysischen Premierministers Najib Razak in China wurden die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern kräftig angekurbelt, inklusive Militärdeals. Trotz Differenzen über Territorien im Südchinesischen Meer ist eine Annäherung wahrscheinlich.

Während des Besuchs von Premierminister Najib Razak in China wurden insgesamt 14 bilaterale Handelsverträge unterschrieben. Deren Gesamtvolumen beläuft sich auf stolze 34,25 Milliarden US-Dollar. Unter anderem erklärte sich Malaysia bereit, vier Kriegsschiffe zu kaufen. Zwei davon sollen in China gebaut werden, zwei in Malaysia selbst.

Obwohl es zwischen beiden Ländern Differenzen über territoriale Fragen im südchinesischen Meer gibt, überwiegt offenbar beiderseits der Wille, die Streitigkeiten bilateral zu lösen. Dieser Wille zur Konstruktivität wird auch von der Absicht getragen, den US-amerikanischen Einfluss auf die Pazifikregion nicht weiter wachsen zu lassen.

Premierminister Najib Razak begrüßte die chinesischen Investitionen mit den Worten, diese seien ein Wendepunkt im Interesse des "friedlichen Dialogs, ohne ausländische Interventionen in souveränen Staaten". Globale Institutionen sollten darüber hinaus stärker Länder einschließen, die "nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Erstellung von Rechts- und Sicherheitsstrukturen durch die Sieger nicht mitreden durften".

Barack Obama bei einem Treffen mit der Young Southeast Asian Leaders Initiative in Ho Chi Minh Stadt, Vietnam, Mai 2016.
In den letzten Jahren gelang es dem Weißen Haus, zahlreiche Militärverträge im pazifischen Raum abzuschließen, die einen klaren Gegner erkennen lassen.

Chinas Investitionen in Malaysia steigen unterdessen weiterhin kontinuierlich an. So wird zum Beispiel erwartet, dass chinesische Unternehmen den Zuschlag für den Bau einer Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Kuala Lumpur und Singapur bekommen. Das Investitionsvolumen im Zusammenhang mit dem Projekt soll etwa 15 Milliarden US-Dollar betragen.

Im Hinblick auf den Sieg von Donald Trump, einem erklärten Gegner von Freihandelsabkommen wie der Transpazifischen Partnerschaft (TPP), bei den US-Präsidentschaftswahlen verlieren die USA zunehmend an Druckmitteln auf Malaysia und andere Staaten in der Region.

Die US-amerikanische Pazifikpolitik, die unter dem Titel "Pivot to Asia" eine zentrale Rolle bezüglich der US-Hegemonie im 21. Jahrhundert spielt, verliert zunehmend an Dynamik. Schon vor Malaysia hatte der philippinische Präsident Rodrigo Duerte verkündet, dass er die Allianz mit den USA verlassen und sich Russland und China annähern möchte.

In einer Rede während seines China-Besuchs, erklärte er in Richtung der USA:

Euer Aufenthalt in meinem Land war zu eurem eigenen Vorteil. Jetzt ist es Zeit, Goodbye zu sagen, meine Freunde.

Auch die Beziehungen zwischen Malaysia und Russland erleben derzeit einen merklichen Aufschwung. Im Mai dieses Jahres besuchte der malaysische Premierminister Razak als Führer einer Delegation des ASEAN Russia Summit die Stadt Sotschi. Der russische Präsident Wladimir Putin sprach bei dieser Gelegenheit davon, dass Russland "erfreut ist, mit Malaysia humanitäre, ökonomische und auch militärische Kooperationen eingehen zu können".

Der russische Kampfjet vom Typ Sukhoi Su-30MKM ist der fortschrittlichste Kampfjet im Inventar der malaysischen Luftstreitkräfte. Ein Vertrag über 18 Jets wurden im Jahre 2003 während eines Besuchs von Präsident Putin in Malaysia unterschrieben. Auch die Anschaffung von Flugzeugen der Typen Su-34 und Su-35 steht schon auf der Agenda.

Zudem denkt Malaysia über die Option nach, ein Freihandelsabkommen mit der von Russland angeführten Eurasischen Wirtschaftsunion zu unterzeichnen. Auch Japan riskiert in diesem Zusammenhang einen Konflikt mit den USA. Japanische Banken und Entwicklungsbehörden könnten Kredite an regionale russische Banken vergeben, deutete der japanische Handels- und Wirtschaftsminister Hiroshige Seko gegenüber der russischen Nachrichtenagentur TASS an.

Auch soll die staatliche Japan Bank for International Cooperation dazu bereit sein, die Sperbank of Russia mit über 38,5 Millionen US-Dollar zu unterstützen. All diese Maßnahmen verstoßen allerdings gegen die Sanktionen, die von den US-Amerikanern und den Europäern gegen Russland verhängt wurden. Die jüngsten Ankündigungen aus Japan erfolgen im Vorfeld eines geplanten Besuches des russischen Präsidenten in Tokio.

Setzt man diese Tendenzen in Relation zu den Problemen im Nahen Osten und den Schwierigkeiten mit den Europäern im Hinblick auf das TTIP, scheint es, als wären die USA eine Großmacht auf dem Rückzug. Der neue Präsident Donald Trump wird sich dieser Entwicklung stellen müssen.

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