Ärger in Japan über Clintons veröffentlichte E-Mails

Ärger in Japan über Clintons veröffentlichte E-Mails
Wer zieht am 8. November ins Weiße Haus ein? Auch für Japan eine Frage von Relevanz.
In Hillary Clintons jüngst veröffentlichten E-Mails durch WikiLeaks bezeichnete die Präsidentschaftskandidatin die Japaner in Bezug auf den Senkaku-Inselstreit als Nationalisten. Sie ist der Ansicht, dass der gesamte Pazifik auch den USA gehören könnte.

von Olga Banach

Die Skandale im amerikanischen Wahlkampf reißen nicht ab. Neue Veröffentlichungen von WikiLeaks zeigen ein unschönes Gesicht der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. In einer privaten Rede gegenüber Bankiers vor drei Jahren soll Hillary Clinton gesagt haben, sie würde China mit Raketenabwehrsystemen überfluten, falls die chinesische Regierung nicht in der Lage sei, die nordkoreanischen Bemühungen für die Atombombe zu unterbinden. Nordkorea führte im September seinen fünften Atomwaffentest durch. Des Weiteren würde sie die nationalistischen Kräfte in Japan zerstören, die den Inselstreit um die Senkaku-Inseln schüren würden. Dies traf auf Unmut beim amerikanischen Bündnispartner Japan. 

Die fünf Senkaku-Inseln im Ostchinesischen Meer unterliegen japanischer Führung. China aber beansprucht die Inseln für sich und bezeichnet sie als „Diaoyu Inseln“. Die Senkaku-Inseln waren in privater Hand, bis drei der Inseln 2012 durch Japan erworben wurden. Clinton kritisierte in den E-Mails auch die Haltung Chinas und den chinesischen Drang, kontrollieren zu wollen. Clinton: „Wir haben sie (die Inseln) befreit und wir verteidigen sie. Wir könnten uns demnach auch den gesamten Pazifik zu eigen machen. (...) Wir könnten es die Amerikanische See nennen, die sich von der Westküste Kaliforniens bis hin zu den Philippinen erstreckt.“

Am 19. Mai kam es zur Verhaftung eines Ex-Marineinfanterists, der auf dem US-Luftstützpunkt Kaneda auf Okinawa tätig war. Ihm wurde der Mord an einer 20-jährigen Japanerin vorgeworfen. Seit 1972 sollen US-Militärs auf Okinawa mehr als 5.800 Straftaten verübt haben. Der Mord führte zu Protesten und weitete sich gegen die amerikanische Präsenz auf Okinawa aus. Seit längerem hatten Einheimische versucht, die Verlegung eines Truppenstützpunktes zu unterbinden. Japan, welches nicht durch seine Protestkultur bekannt ist, drängt auf Selbstbestimmung fernab von amerikanischer Militärpräsenz.

Auch China ist gegen eine amerikanische Einmischung in den Konfliktherden der Region. Die Aufstellung eines Raketenabwehrsystems-Systems (THAAD: Terminal High Altitude Area Defense) in Südkorea führt nach chinesischer Ansicht keinesfalls zur Verbesserung der Sicherheitslage mit Nordkorea, sondern wird die Spannungen in der Region weiterhin erhöhen. Auch in Südkorea kam es zu Protesten. 

Julian Assange bei einer Rede in der ecuadoriansichen Botschaft im Februar 2016

Julian Assange, Mitgründer von WikiLeaks, befindet sich bis heute in der ecuadorianischen Botschaft Londons, um einer Verhaftung zu entgehen. Nach den letzten Veröffentlichungen von Clintons E-Mails aber hat die ecuadorianische Botschaft den Internetzugang gesperrt. Am 14. November soll ein Verhör wegen Vorwürfen der Vergewaltigung durch schwedische Vertreter stattfinden. Assange befürchtet, dass eine Anklage zu einer Auslieferung an die USA führen könnte.